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Waldpädagogen und Waldpädagoginnen interpretieren den Wald und verwandeln Daten und Fakten mithilfe anregender Aktivitäten für Waldbesuchende in spannende, selbst gemachte Erfahrungen im Lebensraum und Ökosystem Wald. Mit ihrer Leidenschaft für den Wald erzeugen sie bei den Waldbesuchern ein positives Mensch-Wald-Verhältnis. Sie teilen ihr fundiertes Wissen über die Ökosystemleistungen des Waldes, zum Beispiel als Kohlenstoffspeicher, Sauerstoffproduzent, Wasserfilter und über die Nutzung heimischer Baumarten mit interessierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Zusatzqualifikation

Im Land Brandenburg ist eine forstliche Ausbildung Voraussetzung für die Erlangung des Waldpädagogik-Zertifikats. Die Zusatzqualifikation Staatlich zertifizierte Waldpädagogin/Staatlich zertifizierter Waldpädagoge können somit Studierende der Forstwirtschaft und des Studiengangs International Forest Ecosystem Management, aber auch Forstwirte und Forstwirtschaftsmeister sowie Bachelor-Absolventinnen und Absolventen der Forstwirtschaft anderer Studiengänge an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) studienbegleitend erwerben.

Das staatliche Waldpädagogik-Zertifikat basiert auf bundeseinheitlichen Mindeststandards. Der Zertifikats- und Auftraggeber für den Kurs ist der Landesbetrieb Forst Brandenburg. Die Ausbildung erfolgt am Fachbereich für Wald und Umwelt der HNE Eberswalde. Das Waldpädagogik-Zertifikat ist vor allem für Personen geeignet, die ein besonderes Interesse an Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit haben, gern mit Menschen arbeiten und ihr erworbenes Wissen über den Wald nach dem Studium unterschiedlichsten Zielgruppen vermitteln möchten.

Kreative Methoden

Das Einatmen frischer Waldluft, das leise Rascheln der Blätter unter den Füßen im Herbst, rätselhafte Tierspuren im Schnee, das erste zarte Grün der Buchen und das Klopfen des Buntspechts im Frühling und das bunte Gewimmel der Insekten am Totholz an warmen Sommertagen – es gibt zahlreiche Anlässe für die Waldpädagogik, um den Wechsel der Jahreszeiten oder auch Kreisläufe in der Natur zu beobachten und erlebbar zu machen. Während der Ausbildung erfahren die zukünftigen Waldpädagoginnen und -pädagogen, mit welchen kreativen Methoden sie das Wissen über den Wald und seine Bewohner am besten für die entsprechenden Alters- und Zielgruppen aufbereiten und vermitteln.

Dazu gehören vor allem Exkursionen mit Försterinnen und Förstern beziehungsweise Wildnispädagoginnen und -pädagogen, Flow Learning nach Joseph Cornell (s. Kasten) sowie Spiele und Aktivitäten, wie zum Beispiel Waldkunst. Diese unmittelbaren Erfahrungen in der Natur dienen der Entwicklung von fachlichen und sozialen Kompetenzen sowie der eigenen Persönlichkeit. Doch um Menschen zu begeistern und ihnen intensive Naturerlebnisse zu verschaffen, gilt es auch verborgene Talente zu entdecken oder vorhandene in neue Konzeptideen für die Waldpädagogik einzubringen. Es geht um Authentizität.

Flow Learning nach Cornell Flow

Learning beschreibt eine Sammlung von Methoden in der Umweltbildung, um Aktivitäten zum Naturbewusstsein auf eine fließende Art zielgerecht einzusetzen.

Flow Learning besteht aus vier aufeinander aufbauenden Stufen:

  • Stufe 1: Begeisterung wecken
  • Stufe 2: konzentriert wahrnehmen
  • Stufe 3: unmittelbar erfahren
  • Stufe 4: andere an deinen Erfahrungen teilhaben lassen  

Joseph Cornell (geb. 1950 in den USA, weltweit anerkannter Naturpädagoge)

Ausbildungsmodule

Zu den Ausbildungsinhalten gehören im curricularen Bereich die Module Waldpädagogik sowie Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, mit einem hohen Praxisanteil (50 Prozent). Außercurricular belegen die Studierenden Module wie Einführung in die Didaktik und Pädagogik, Unfallprävention und Sicherheit im Wald sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung und Methoden. Außerdem wird Erlebnispädagogik als integrativer Bestandteil ganzheitlicher Erziehungs- und Bildungskonzepte als Sondermodul im Rahmen des Waldpädagogik-Zertifikats angeboten. Das Interesse an der studienbegleitenden Qualifizierung ist groß. Zurzeit sind 185 Studierende der Hochschule angemeldet – Tendenz steigend.

Weitere Voraussetzungen für den Erwerb des bundesweit anerkannten Zertifikats sind nach Abschluss des Kurses der Nachweis eines Praktikums über 80 Stunden in einer Waldschule sowie eine praktische Abschlussprüfung in Eberswalde. Zur Prüfung gehören die Erarbeitung eines Konzepts und eine zweistündige Waldführung mit einer Grundschulklasse sowie eine anschließende Reflexion. Die Abnahme erfolgt durch anerkannte Prüfertandems des Landesforstbetriebs Brandenburg sowie der Hochschule.

Bis Ende 2020 wird es 200 Staatlich zertifizierte Waldpädagogen geben, die an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Kooperation mit dem Landesforstbetrieb Brandenburg ihre Ausbildung absolviert haben. Dazu gehören seit 2012 nicht nur Studierende der Hochschule, sondern auch Försterinnen und Förster aus ganz Deutschland, die in den extern angebotenen Weiterbildungen das Waldpädagogik-Zertifikat erlangt haben. Diese vierwöchigen Blockkurse werden auf Nachfrage jedes Jahr im Februar/März in Eberswalde angeboten. 2021 soll bereits die achte Weiterbildung dieser Art für Externe mit maximal 20 Teilnehmenden stattfinden. Anmeldungen aus Brandenburg, Berlin, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern liegen bereits vor.

Gute Berufschancen

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums erhöhen sich mit der Qualifizierung zum/r Staatlich qualifizierten Waldpädagogen/Waldpädagogin die Chancen für Studierende, zum Beispiel in Waldschulen oder anderen Umweltbildungseinrichtungen beziehungsweise auf Funktionsstellen der Landesforsten für Waldpädagogik und Öffentlichkeitsarbeit tätig zu werden. Auch für die Ausbildung zum/r (Revier-)Förster/-in im gehobenen Dienst ist neben dem Bachelor-Studium das Waldpädagogik-Zertifikat für die Bewerbung zur einjährigen Anwärterzeit in einer Landesforstverwaltung von Vorteil.

Den Staatlich zertifizierten Waldpädagoginnen und -pädagogen bieten sich vielfältige Betätigungsfelder. Absolventen der Studiengänge arbeiten bundesweit in zahlreichen Waldschulen, Waldschulheimen und den Landesforsten sowie als Erzieherinnen und Erzieher in Waldkindergärten und Rucksackwaldschulen, als Waldpädagoginnen und-pädagogen bei der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald oder als Selbstständige in der Waldpädagogik, wie zum Beispiel MUSIMWA (Musik im Wald).

Waldpädagogik ist Beruf und Berufung. Die Absolventin und Försterin Sybille Strehle ist seit mehr als einem Jahr die Leiterin der Waldschule Briesetal. Die Staatlich zertifizierte Waldpädagogin sagt: „Ich möchte mit der Waldpädagogik eine Rückverbindung zur Natur schaffen und im Rahmen dieser dem vermittelten Wissen einen erfahrbaren Sinn geben.“

Literatur

  • Cornell, Joseph (2006): Mit Cornell die Natur erleben: Naturerfahrungsspiele für Kinder und Jugendliche - Der Sammelband. Verlag an der Ruhr; 1., Aufl. Edition (1. April 2006)
  • Deutscher Forstwirtschaftsrat e.V. – DFWR (2012): Forstwirtschaft in Deutschland. Online im Internet (Abruf: 2.11.2020)
  • Landesforstbetrieb Brandenburg (2015): Waldpädagogik. Online im Internet (Abruf: 2.11.2020)
  • Schutzgemeinschaft Deutscher Wald - SDW (2012): Waldpädagogik. Online im Internet (Abruf: 2.11.2020)