Zeitschrift B&B Agrar

Optimierte Beratung von Hofläden

Erfolgspr√ľfung mit Online-Tool

Gem√ľse
Foto: kelifamily/iStock/Getty Images Plus via Getty Images

Mit dem Online-Tool KennDi k√∂nnen Beratungskr√§fte noch besser einsch√§tzen, wie ein Betrieb mit Direktvermarktung im Vergleich zu anderen betriebswirtschaftlich abschneidet, und dessen St√§rken und Schw√§chen aufsp√ľren.

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F√ľr den langfristigen Erfolg von Hofl√§den ist es entscheidend, dass die Zahlen stimmen. Dabei hilft der Vergleich mit anderen √§hnlich gro√üen Hofl√§den. In einem durch das Bundesprogramm √Ėkologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (B√ĖLN) gef√∂rderten Projekt der Bioland Beratung GmbH und des Forschungsinstituts f√ľr biologischen Landbau (FiBL) wurden 53 Hofl√§den betriebswirtschaftlich ausgewertet und das Online-Tool KennDi f√ľr einen individuellen Betriebsvergleich entwickelt.

Daf√ľr haben Vermarktungsexpertinnen und -experten der Bioland-Beratung sowie der Landwirtschaftskammern Niedersachsen und Rheinland-Pfalz die Daten von 32 Bio-Hofl√§den, 14 konventionellen Hofl√§den und sieben Hofl√§den sozialer Einrichtungen erhoben und deren Betriebsleiterinnen und -leiter befragt. Die Auswahl der L√§den ist zwar keine repr√§sentative Stichprobe, dennoch bilden die Betriebe mit ihren unterschiedlichen Umsatzgr√∂√üen von 100.000 Euro bis √ľber eine Million Euro oder mit ihren Verkaufsfl√§chen von 40 bis zu 300 Quadratmeter eine solide Grundlage f√ľr einen Betriebsvergleich. Von den ermittelten 164 Kennzahlen werden in der Brosch√ľre "Hofl√§den im betriebswirtschaftlichen Vergleich" die 16 wichtigsten dargestellt, darunter unter anderem der Umsatz je Voll-Arbeitskraft und je Verkaufsfl√§che, der Anteil des Wareneinsatzes am Umsatz sowie der Gewinn des Unternehmers oder der Unternehmerin. Die Kennzahlen wurden auf Basis des Medians ermittelt, weil die Ergebnisse der Hofl√§den sehr stark streuen.

Große Unterschiede

Tabelle Tabelle: Vergleich von Bio- und konventionellen Hofl√§den- Klcik f√ľhrt zu Gro√üansicht im neuen Fenster

Alle 53 ausgewerteten Bio- und konventionellen Hofläden erzielten auf einer mittleren Verkaufsfläche von 60 Quadratmetern bei einem Umsatz von 270.000 Euro einen mittleren Gewinn von 24.900 Euro. Daraus resultiert ein mittlerer Gewinn von 15,77 Euro je Unternehmer-Arbeitsstunde. "Wenn sich ein Hofladenbetreiber zeitlich sehr stark einbringt, dann verdient er meist deutlich weniger als der von uns angesetzte kalkulatorische Mindestlohn von 20 Euro. Dieser orientiert sich an den aktuellen Tariflöhnen von landwirtschaftlichen Meistern inklusive Arbeitgeberanteil", erläutert Axel Wirz vom FiBL, der die Daten ausgewertet hat.

Insgesamt f√§llt auf, dass die Bio-H√∂fe bei den meisten Kennziffern besser abschnitten als die konventionellen (s. Tabelle): So betrug der mittlere Umsatz je Voll-Arbeitskraft bei den Bio-Hofl√§den rund 173.200 Euro und bei den konventionellen Hofl√§den 94.300 Euro. Pro Bon wurde im Bio-Hofladen ein Erl√∂s von 29,97 Euro erzielt ‚Äď im konventionellen Hofladen waren es 14,60 Euro. Deutliche Unterschiede sind auch beim Wareneinsatz und den Personalkosten zu verzeichnen. W√§hrend der Gewinn je Unternehmer-Arbeitsstunde bei den Bio-Hofl√§den 31,82 Euro pro Stunde ausmachte, waren es bei den konventionellen Hofl√§den nur 11,59 Euro.

Umsatzentwicklung

Abbildung1: Umsatzentwicklung der Hofl√§den 2016‚Äď2018 (alle Betriebe) - Klick f√ľhrt zu Gro√üansicht im neuen Fenster

Betrachtet man die Entwicklung in den drei Vergleichsjahren 2016 bis 2018 (s. Abbildung 1), zeigte sich: Der Umsatz der √Ėko-Betriebe bewegte sich auf einem fast gleich hohen Niveau von rund 315.000 Euro. Dagegen konnten die ausgewerteten konventionellen Hofl√§den ihren Umsatz im Mittel um rund 20 Prozent vergr√∂√üern. Bei allen untersuchten Hofl√§den hat sich der Umsatz positiv entwickelt. Im genannten Zeitraum hat der Umsatz um vier Prozent zugelegt.

Abbildung 2: Durchschnittliche Bongr√∂√üe - Klick f√ľhrt zu Gro√üansicht im neuen Fenster

Positiv ausgewirkt haben sich hierbei eine Verl√§ngerung der √Ėffnungszeiten um durchschnittlich zwei Stunden pro Woche und eine h√∂here Kundenfrequenz mit einem durchschnittlichen Zuwachs von zehn Kundinnen und Kunden pro Woche. Die erh√∂hte Kundenfrequenz ging allerdings zulasten der durchschnittlichen Bongr√∂√üe, die in diesem Zeitraum um rund 15 Prozent zur√ľckging (s. Abbildung 2).

Gewinnklassen

Des Weiteren erfolgte eine Clusterung der Daten nach Verkaufsfläche, Umsatz sowie nach Gewinnklassen. Im unteren Drittel sind die Bio-Hofläden mit den niedrigsten Gewinnen vertreten, im Mittel haben sie eine Verkaufsfläche von 70 Quadratmetern. Das obere Drittel umfasst die größeren und umsatzstärkeren Bio-Betriebe. Dies ermöglicht den Nutzerinnen und Nutzern, sich mit ähnlich strukturierten Betrieben zu vergleichen.

Vergleicht man das obere und das untere Drittel der Bio-Betriebe, sortiert nach Gewinn, ergibt sich folgendes Bild: Der Gewinn der Bio-Hofl√§den schwankt sehr stark zwischen den beiden Gewinnklassen, und zwar um mehr als 62.000 Euro. So erwirtschafteten die erfolgreichsten Hofl√§den einen mittleren Gewinn von 81.269,90 Euro, w√§hrend der mittlere Gewinn der schw√§chsten Hofl√§den 13.438 Euro betrug. Ausschlaggebend f√ľr den geringen Gewinn der schw√§chsten Bio-Betriebe sind ihre hohen Allgemeinkosten. Darunter fallen die Kosten f√ľr Instandhaltung und Buchhaltung, B√ľro- und Werbekosten, Versicherungsbeitr√§ge sowie Energie- und Wasserkosten.

Arbeitseinsatz

√úber alle 53 Hofl√§den hinweg betrachtet, zeigt sich, dass der zeitliche Einsatz des Unternehmers/der Unternehmerin bei einem Teil der Betriebe wesentlich h√∂her ausf√§llt als bei den erfolgreichen Hofl√§den. Die Studienautorin und Bioland-Beraterin Irene Leifert wei√ü aus langj√§hriger Erfahrung, dass dies ein bekanntes Ph√§nomen ist: ‚ÄěDie eigene Arbeitszeit wird oft untersch√§tzt und nicht in angemessenem Umfang in die Kalkulation einbezogen. Auch beim Wareneinsatz gibt es h√§ufig noch Optimierungspotenzial.‚Äú Als Faustzahl nennt die Bioland-Vermarktungsexpertin eine Obergrenze von 70 Prozent. Macht der Warenumsatz mehr als 70 Prozent der Gesamtkosten aus, k√∂nnten die Betriebe nur schwer kostendeckend arbeiten und Gewinne erzielen.

Vergleich

Mithilfe des Online-Tools KennDi k√∂nnen Hofl√§den ihre betriebswirtschaftlichen Daten analysieren und einordnen. Der Vergleich mit √§hnlich strukturierten Betrieben macht deutlich, wo es noch Optimierungspotenzial gibt. Auch f√ľr Beratende oder Beratungsorganisationen ist KennDi interessant (s. Interview). Neben der Auswertung eines Einzelbetriebs erm√∂glicht es Gruppenanalysen f√ľr Erfahrungsaustausch-Gruppen. F√ľr den Einzelbetrieb kostet der Zugang im ersten Jahr 110 Euro, f√ľr alle weiteren Jahre 90 Euro. Beratungskr√§fte k√∂nnen ein Beratungspaket, das Eingabe und Vergleich von f√ľnf Betrieben umfasst, f√ľr 400 Euro erwerben. Jede weitere Nutzung kostet 300 Euro.

Interview

Effizientes Instrument

Um Hofläden betriebswirtschaftlich zu optimieren, wird es immer wichtiger, mit spitzer Feder zu rechnen. Irene Leifert von der Bioland-Beratung erläutert, wie das Online-Tool KennDi in der Fachberatung von Betrieben mit Direktvermarktung eingesetzt werden kann.

Was war die Motivation f√ľr die Entwicklung von KennDi?

Leifert: Zum einen ging es uns darum herauszufinden, wie wirtschaftlich Hofl√§den arbeiten und wie die Branche insgesamt dasteht. Denn zuletzt wurden 2006 betriebswirtschaftliche Kennziffern f√ľr den Bereich der biologischen Direktvermarktung ver√∂ffentlicht. Au√üerdem wollten wir Kennzahlen ermitteln, die wir in der Beratungsarbeit nutzen k√∂nnen. Wichtig war uns aber auch, dass die Betriebe ein Tool an die Hand bekommen, mit dem sie eigenst√§ndig arbeiten k√∂nnen. So ist die Idee entstanden, ein Online-Tool zu entwickeln, das beide Anforderungen erf√ľllt.

Was bringt KennDi und wie ergänzt es die Beratungsarbeit?

Leifert: In der Beratung hilft das Tool, den Status-Quo eines Betriebes zu ermitteln: Macht der Hofladen Gewinn oder keinen? Rechnet sich die Direktvermarktung? Lohnen sich gr√∂√üere Investitionen, zum Beispiel die Einrichtung eines Hofcaf√©s oder einer Fleischtheke? Das alles sind Fragen, welche die Betriebe umtreiben und mit denen sie sich an uns Beratungskr√§fte wenden. Dank des Tools haben wir nun ein sehr effizientes Instrument an der Hand, das uns belastbare Daten liefert und hilft, Knackpunkte und St√§rken der Betriebe realistisch einzusch√§tzen. Die Kennzahlen sind auch eine gute Entscheidungsgrundlage f√ľr die Personalplanung, Sortimentsgestaltung oder Investitionen im Hofladen.

Macht es einen Unterschied aus, ob ein Betrieb das Tool eigenständig nutzt oder im Rahmen einer Beratung?

Leifert: Wer mithilfe einer Beraterin oder eines Beraters KennDi nutzt, profitiert davon, dass die Beratungskraft stets Zugriff auf die aktuellen Kennzahlen hat. Sie √ľberpr√ľft die Betriebsdaten auf Plausibilit√§t und nennt im Beratungsbericht Handlungsoptionen aufgrund der individuellen Kennzahlen. Alle in KennDi eingegebenen und √ľberpr√ľften Daten flie√üen dann anonymisiert in die Ermittlung der Branchenkennzahlen ein.

Welchen Nutzen bringt KennDi in der Gruppenberatung?

Leifert: Aus Beratungssicht sind Gruppen Gold wert. Man arbeitet meist schon lange zusammen, teilweise seit √ľber 20 Jahren. Alle kennen sich untereinander und wissen von den Besonderheiten der anderen. Berater k√∂nnen f√ľr diese Gruppen mit KennDi individuelle Auswertungen erstellen, die auch die aktuellen allgemeinen Jahreskennzahlen miteinbeziehen.


Anmeldung zur Nutzung des Online-Tools unter www.kenndi.de

Fragen zu den Kennzahlen oder zum Tool bei der Bioland Marketing Direktvermarktung, Tel. 02385/935445, E-Mail: kenndi@bioland.de


Literatur

Bioland Beratung GmbH, FiBL Deutschland e.V. (Hg.) (2020): Hofl√§den im betriebswirtschaftlichen Vergleich. Kennzahlen zu Verkaufsfl√§che, Umsatz und Gewinn, URL: https://www.kenndi.de/documents/Brosch√ľre_Hofl√§den.pdf (Abruf 6.10.2020)


Autorin Nina Weiler

Die Autorin

Nina Weiler
Freie Journalistin, Karlsruhe
info@nina-weiler.de