Zeitschrift B&B Agrar

OER in Aus- und Weiterbildung

Durch OER Zusammenarbeit von Betrieb und Berufsschule fördern

Logo OER
Quelle: Jonathas Mello (www.jonathasmello.com) unter CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/)

Digitale Medien erm√∂glichen ein erfolgreiches Lernen durch interaktives und gemeinschaftliches Arbeiten, offene Lernformen, vernetzte Lernprozesse und Anpassung an individuelle Bed√ľrfnisse. Hier haben sich vor allem offene Bildungsmaterialien, die sogenannten Open Educational Resources (OER), durchgesetzt.

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Nach der Definition von UNESCO sind unter Open Educational Resources (OER) "jegliche Arten von Lehr-Lern-Materialien, die gemeinfrei oder mit einer freien Lizenz bereitgestellt werden", zu verstehen. "Das Wesen dieser offenen Materialien liegt darin, dass jedermann sie legal und kostenfrei vervielf√§ltigen, verwenden, ver√§ndern und verbreiten kann. OER umfassen Lehrb√ľcher, Lehrpl√§ne, Lehrveranstaltungskonzepte, Skripte, Aufgaben, Tests, Projekte, Audio-, Video- und Animationsformate". OER sind Bildungsmedien mit einer freien Lizenz, die nach den sogenannten f√ľnf V-Freiheiten vervielf√§ltigt, verwendet, verarbeitet, vermischt und verbreitet werden k√∂nnen.

Potenziale

Bisher sind OER in der beruflichen Aus- und Weiterbildung noch wenig bekannt. Dabei sind sie f√ľr die Berufsbildung durchaus interessant aufgrund des rechtssicheren Einsatzes der Medien und der M√∂glichkeit des Vervielf√§ltigens, Ver√§nderns und Teilens. Worin besteht aber nun konkret der Mehrwert von freien Bildungsmaterialien in der Berufsbildung? Folgende Potenziale bieten sie:

  • leicht zug√§nglich, da meist digital und frei verf√ľgbar;
  • unmittelbar einsetzbar;
  • Remix von eigenen und vorhandenen OER-Materialien;
  • Anpassung und Individualisierbarkeit der Materialien;
  • Aktualit√§t der Materialien durch die M√∂glichkeit des Ver√§nderns;
  • Individueller Lehr- und Lernprozess;
  • interaktives und kollaboratives Arbeiten;
  • Kultur des Teilens.

Zusammenarbeit

In der dualen Ausbildung ist es wichtig, dass die beiden Standorte Betrieb und Berufsschule miteinander kooperieren. Heute ist es ‚Äď bedingt durch die Informations- und Kommunikationstechnik ‚Äď notwendig, dass sowohl Fertigkeiten im Betrieb mit theoretischem Wissen als auch komplexe Theorien in der Praxis umgesetzt werden. So werden auch in Betrieben, zum Beispiel durch Einsatz der Leittextmethode, Lernmaterialien erstellt (Schelten 2004, S. 66).

Die Arbeit mit OER kann dabei die Zusammenarbeit beider Bereiche f√∂rdern, indem erstellte OER-Lernmaterialien zwischen Betrieb und Berufsschule geteilt und an die jeweiligen Bed√ľrfnisse angepasst beziehungsweise weiterentwickelt werden k√∂nnen. Auch die Einbeziehung der Auszubildenden bei der Erstellung der freien Materialien kann die Motivation im Unterricht erh√∂hen. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung lernen die eher naturwissenschaftlich gepr√§gten Ausbildungsberufe lieber mit digitalen Medien (Bertelsmann Stiftung 2016, S. 15).

Dar√ľber hinaus kann OER als L√∂sung f√ľr rechtliche Probleme hinsichtlich der Nutzung, des Austauschs und der Erstellung von Materialien gesehen werden. So werden Unsicherheiten der Lehrkr√§fte zu Fragen der Lizenzierung und Weitergabe ausger√§umt (Ebner u.a. 2015, S. 118).

Welche Lizenz?

Creative Commons Symbole
Quelle: s. http://www.blog.lehren.tum.de/kostenlose-bilder-creative-commons/, Symbole von Creative Commons Schweiz, Tabelle von Burgert/TU M√ľnchen, bearbeitet von Hotter/FWU, CC BY 4.0 ( https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de)

Grunds√§tzlich sch√ľtzt das Urheberrecht das Werk eines Urhebers und schr√§nkt die Nutzungsrechte ein. Allerdings kann der Urheber anderen Personen durch sogenannte "offene Lizenzen" umfangreiche Nutzungsrechte einr√§umen. Bei offen lizenzierten Inhalten haben sich die Lizenzmodelle der Creative Commons (CC-Lizenzen) durchgesetzt, da sie weltweit rechtsg√ľltig sind. Ihre Art der Lizenzierung erlaubt es, dass Lehr- und Lernmaterialien mit anderen geteilt und weiterentwickelt werden k√∂nnen. Die jeweiligen Lizenzbestimmungen m√ľssen jedoch eingehalten werden.

Die CC-Lizenzen werden mit vier Symbolen dargestellt (s. Tabelle 1). Aus der Kombination von ihnen ergeben sich sechs Standard-Lizenzen und eine Sonderlizenz (CC0) (s. Tabelle 2). Mit den Grundsätzen von OER vereinbar sind nur folgende Lizenzen:

  • BY (Namensnennung),
  • BY-SA (Weitergabe unter gleichen Bedingungen = ShareAlike),
  • Sonderlizenz CC0 (Creative Commons Zero = ohne weitere Bedingungen).
Tabelle 2: CC- Lizenzen im √úberblick - Klick f√ľhrt zu Gro√üansicht im neuen Fenster
Quelle: s. http://www.blog.lehren.tum.de/kostenlose-bilder-creative-commons/, Symbole von Creative Commons Schweiz, Tabelle von Burgert/TU M√ľnchen, bearbeitet von Hotter/FWU, CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de)

F√ľr Bildungsmaterialien sind Lizenzen mit Einschr√§nkungen nicht sinnvoll: ND ("No Derivatives") erlaubt keine Bearbeitung. NC (Non-commercial) schr√§nkt auf nicht kommerzielle Nutzung ein, was bestimmte Anwender (zum Beispiel Privatschulen) und Anwendungen (zum Beispiel Verwendung in Wikipedia) ausgrenzen kann. Deshalb bieten sich f√ľr die Verwendung von OER in der Berufsbildung vor allem die Lizenzen BY und BY-SA an. Bei Bildungseinrichtungen gibt es manchmal Vorgaben f√ľr die Verwendung einer bestimmten Lizenz.

Die Sonderlizenz CC0 bietet die gr√∂√ütm√∂gliche Freiheit, da sie an "null Bedingungen" gekn√ľpft ist. Bildungsmaterialien mit CC0 lassen sich dadurch v√∂llig problemlos auch im Internet/Intranet nutzen und verbreiten. Es sind zwar keine Lizenzhinweise n√∂tig, aber eine freiwillige Angabe von CC0 und dem Urheber sind n√ľtzlich. Die CC-Lizenzen m√ľssen immer genau angegeben werden. Hier hilft die TULLU- Regel:

  • Titel des Materials,
  • Urheber/-in des Materials,
  • Lizenz: CC-Lizenz f√ľr Weiternutzung,
  • Link zu der Lizenz (https://creativecommons.org/licenses),
  • Ursprungsort: URL des urspr√ľnglichen Materials.

Suche nach OER

Symbolbild
Die Lizenzen von Creative Commons (CC) gelten als rechtssicher, sowohl international als auch in Deutschland. Foto: sdecoret/stock.adobe.com (nicht unter freier Lizenz)

Das Auffinden von OER-Materialien im Internet erscheint anfangs wie die Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen, aber "wer da sucht, der findet". Viele bekannte Suchmaschinen haben eine Filtermöglichkeit, um nach OER beziehungsweise CC-Lizenzen konkret zu suchen. In den meisten Fällen muss man zunächst ein Suchwort eingeben, bevor man den Filter einstellen kann.

Allgemeine OER-Portale f√ľr Medien:

OER-Portale speziell f√ľr die berufliche Aus- und Weiterbildung:

Selbst veröffentlichen

Der Vorteil von offenen Bildungsmaterialien ist, dass man mit ihnen neue Bildungsressourcen erzeugen und wieder ver√∂ffentlichen kann. Allerdings lassen sich nicht alle CC-Lizenzen miteinander kombinieren. In Tabelle 3 werden die Kombinationsm√∂glichkeiten der verschiedenen CC-Lizenzen aufgef√ľhrt.

Tabelle 3: Kombinationsm√∂glichkeiten der verschiedenen CC-Lizenzen - Klick f√ľhrt zu Gro√üansicht im neuen Fenster
Quelle: Kennisland CC0

Möchte man eigenes Material veröffentlichen, hilft der "License chooser" von Creative Commons, die passende Lizenz zu finden. Mit dem CC Mixer lässt sich feststellen, welche Lizenzen sich kombinieren lassen.

Es gibt einige Tools, um selbst OER-Materialien herstellen zu k√∂nnen. Die Formate daf√ľr k√∂nnen unterschiedlich sein, allerdings sollte man im Sinne von "offenen Inhalten" Programme verwenden, die auch unter einer offenen Lizenz stehen, zum Beispiel folgende:

Durch die offenen Lizenzen kann man auch mit Lernenden Materialien produzieren, beispielsweise Erkl√§rvideos als Arbeits-/Lernauftrag. Die Einbeziehung der Auszubildenden kann motivierend und identit√§tsf√∂rdernd f√ľr den jeweiligen Betrieb wirken.

LOERn

LOERn Logo

Das Projekt "LOERn ‚Äď Lehrerfortbildung durch Nutzung und Produktion von OER-Materialien" (Laufzeit November 2016 bis April 2018) wurde im Rahmen des BMBF-F√∂rderprogramms OERinfo vom FWU Institut f√ľr Film und Bild als Projektleiter und der Akademie f√ľr Lehrerfortbildung und Personalf√ľhrung Dillingen durchgef√ľhrt. Ziel des Projekts war es, ein Praxiskonzept und multimediale Materialien f√ľr die fl√§chendeckende Fortbildung von Multiplikatoren im Bereich Schule zum Thema OER durch Nutzung und Produktion offener Lehr- und Lernmaterialien zu entwickeln und anschlie√üend in einer Fortbildungsinitiative in Bayern zu erproben. Bei der Umsetzung wurden sowohl Fortbildungen in Pr√§senzform (als Bausteine innerhalb von Lehrg√§ngen oder als eigenst√§ndiges Angebot) an der Akademie Dillingen als auch eSessions (90-min√ľtige Online-Angebote) erprobt.

Alle Projektergebnisse und Materialien finden sich auf dem LOERn-Blog:

Literatur

Schelten, A. (2004): Einf√ľhrung in die Berufsp√§dagogik. Franz Steiner Verlag. Wiesbaden.

Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) (2016): Monitor Digitale Bildung ‚Äď Berufliche Ausbildung im digitalen Zeitalter. URL: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_Monitor-Digitale-Bildung_Berufliche-Ausbildung-im-digitalen-Zeitalter_IFT_2016.pdf (Abruf 30.10.2018)

Blees, I., Cohen, N., Massar, T.; Deutsches Institut f√ľr Internationale P√§dagogische Forschung (Hrsg.) (2013): Freie Bildungsmedien (OER). Dossier: Offene Bildungsressourcen/Open Educational Resources - Handlungsfelder, Akteure, Entwicklungsoptionen in internationaler Perspektive. URL: https://www.pedocs.de/volltexte/2013/7868/pdf/DBS_2013_OER.pdf (Abruf 11.10.2018)

Ebner, M., Köpf, E., Muuß-Merholz, J., Schön, S., Weichert, N., Wikimedia Deutschland (Hrsg.) (2015): Mapping OER: Bildungsmaterialien gemeinsam gestalten. Ist-Analyse zu freien Bildungsmaterialien (OER). Die Situation von freien Bildungsmaterialien (OER) in Deutschland in den Bildungsbereichen Schule, Hochschule, berufliche Bildung und Weiterbildung im Juni 2015. URL: http://l3t.eu/oer/images/band10.pdf (Abruf 11.10.2018)

Freund, E., Schwinge, C. (2015): Urheberrecht im Unterrichtsalltag. Leitfaden zur Erstellung eigener Unterrichtsmaterialien f√ľr Lehrende an berufsbildenden Schulen. URL: https://www.leuphana.de/fileadmin/user_upload/lehrgebiet/bwp/files/projekte/bbs_futur_2/Leitfaden_Urheberrecht.pdf (Abruf 1.11.2018)

Wikimedia Deutschland (Hrsg.) (2016): Praxisrahmen f√ľr Open Educational Resources (OER) in Deutschland. URL: http://mapping-oer.de/wp-content/uploads/2016/02/Praxisrahmen-fu%CC%88r-OER-in-Deutschland_Online-1.pdf (Stand 11.10.2018)

Susanne Friz

Die Autorin

Dr. Susanne Friz

FWU Institut f√ľr Film und Bild, Gr√ľnwald
susanne.friz@fwu.de

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