Zeitschrift B&B Agrar

LandSchafftEnergie – Beratung in Bayern

Ein Netzwerk für den Energiecheck

Agrarlandschaft mit Windrad
Foto: Christian Schwier/stock.adobe.com

Das Beratungsnetzwerk LandSchafftEnergie unterstützt land- und forstwirtschaftliche Betriebe, ländliche Kommunen und interessierte Verbraucherinnen und Verbraucher in ganz Bayern mit kostenloser Vor-Ort-Beratung zu den Themen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Energieeinsparung.

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Seit 2012 trägt das bayernweite Netzwerk dazu bei, die Energiewende vor allem im ländlichen Raum erfolgreich voranzutreiben. Mehr als 20.000 Personen wurden in diesem Zeitraum bereits beraten und unzählige Einzelmaßnahmen umgesetzt. Als Beratungsschwerpunkte haben sich in den vergangenen Jahren die Themen Biogas, Photovoltaik, Effizienz und Einsparung auf landwirtschaftlichen Betrieben sowie Heizen mit Holz herauskristallisiert.

Der gesamtgesellschaftlich wachsende Energiebedarf und die Umsetzung der Energiewende stellen gerade den land- und forstwirtschaftlichen Bereich vor große Herausforderungen. Um diesen Aufgaben zu begegnen, initiierte das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) das Projekt LandSchafftEnergie mit dem Auftrag, eine bayernweite Beratung zu allen Themen der Energiewende anzubieten.

"Bei der Energiewende handelt es sich um ein vielschichtiges und langfristiges Projekt, das sich nur gemeinsam mit Wirtschaft und Bevölkerung realisieren lässt. Um in den Zuständigkeitsbereichen des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) die Energiewende voranzubringen, war es wichtig, das Informations- und Beratungsangebot auszubauen. Hierfür wurden erst die vorhandenen Strukturen analysiert und durch LandSchafftEnergie bayernweit um weitere Ansprechpartner ergänzt", sagt Wolfgang Schwimmer, der das Projekt von Anfang an als Koordinator begleitet.

Praxisbeispiel – energieautarke Legehennenhaltung

Mobiler Anhänger mit Photovoltaik-Modulen
Foto: AELF Uffenheim

Gerade im Außenbereich ist eine netzunabhängige Energieversorgung von großer Bedeutung. In diesem Beratungsfall konnte ein mobiler Legehennenstall für 2.000 Tiere durch eine Optimierung von Beleuchtung und Fütterung sowie eine Nachrüstung in der Stromversorgung zu 100 Prozent energieautark werden. Der Strombedarf wurde durch Optimierungsmaßnahmen insgesamt um 1.100 kWh gesenkt. Mit der Nachrüstung von sechs 160 Watt-Photovoltaik-Modulen auf einem mobilen Anhänger und einem Batteriespeicher mit 800 Amperestunden gelang es, den Stall ohne Netzanschluss mit Energie zu versorgen. Der Landwirt konnte so 10.000 Euro für den Netzanschluss einsparen und musste neben der neuen Beleuchtung nur rund 2.300 Euro für die Photovoltaikanlage und den Speicher investieren.

Ansprechpartner vor Ort

Mit rund 50 Expertinnen und Experten an unterschiedlichen Institutionen ist das Netzwerk nicht nur fachlich breit aufgestellt, sondern auch in allen bayerischen Regierungsbezirken vertreten. Seit 2014 wird das Projekt gemeinsam von den Staatsministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) sowie für Wirtschaft, Energie und Technologie (StMWi) getragen und finanziert.

Beteiligt sind sowohl die Fachzentren für Diversifizierung und Strukturentwicklung (FZD) an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF), die Ämter für Ländliche Entwicklung (ÄLE) als auch die Bayerischen Landesanstalten für Landwirtschaft (LfL), für Wald und Forstwirtschaft (LWF) und für Weinbau und Gartenbau (LWG) sowie C.A.R.M.E.N. e.V. und das Technologie- und Förderzentrum (TFZ) am Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (KoNaRo) in Straubing. Dort wird das Gesamtprojekt auch koordiniert. Durch diese Verteilung steht allen Interessierten und Informationssuchenden stets eine kompetente Ansprechperson vor Ort zur Verfügung, mit dem sie direkt Kontakt aufnehmen können.

Praxisbeispiel – Energiecheck im Milchviehbetrieb

Plattenkühler
Foto: AELF Kempten

Nachrüstungen bei der Milchgewinnung sind in vielen Betrieben eine gute Möglichkeit, um bereits durch die Umsetzung kleiner Maßnahmen nachhaltig Energie einzusparen. Im hier dargestellten Beispielbetrieb aus dem Allgäu konnten jährlich knapp 3.200 Euro an Energiekosten eingespart werden. Durch den Einbau eines Vorkühlers (Plattenkühler, s. Foto), das Nachrüsten einer Frequenzsteuerung der Vakuumpumpe und eine effizientere Wärmerückgewinnung wurde der Energieverbrauch von 16 kWh auf 7,5 kWh pro 1.000 Liter Milch gesenkt. Eine Amortisation der Gesamtinvestition von 8.900 Euro ist bereits nach zwei Jahren zu erwarten.

Maßgeschneiderte Lösungen

So komplex die Umsetzung der Energiewende auf Bundes- und Landesebene ist, so komplex kann auch die Suche nach individuellen Lösungen in der Einzelfallberatung sein. Die LandSchafftEnergie-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter beraten individuell und wollen gezielt auf die Anliegen von Einzelpersonen und -betrieben eingehen. Durch maßgeschneiderte Lösungen und Hilfestellungen bei der Umsetzung unterstützen die Beratungskräfte eine effiziente Energieerzeugung und einen verantwortlichen Umgang mit Strom und Wärme. Ziel ist es nicht nur, die Akzeptanz der Energiewende zu fördern, sondern vor allem auch Projekte rund um die erneuerbare Energie voranzutreiben und klimaschonende Mobilitätskonzepte zu unterstützen.

Darüber hinaus informieren die Energie-Expertinnen und -Experten auf Messen und Informationsveranstaltungen ein breites Publikum rund um die Energiewende. Ein umfangreicher monatlicher Online-Newsletter bündelt außerdem aktuelle Fachinformationen für die Praxis. Eine Vielzahl an zielgruppenspezifischen Publikationen des Projektes und der beteiligten Institutionen bietet weiterführende Informationen zu den unterschiedlichen Fachbereichen.

Energiecheck Landwirtschaft

Neben Beratungen zu Photovoltaik-, Biogas- und Heizungsanlagen ist der Energiecheck eine der am häufigsten in Anspruch genommenen Beratungsleistungen für landwirtschaftliche Betriebe. Die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter von LandSchafftEnergie an den Fachzentren für Diversifizierung und Strukturentwicklung ermitteln bei einem ersten Vor-Ort-Termin den Energiebedarf des Betriebes. Anhand der Daten der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) können die betrieblichen Energieverbräuche mit denen ähnlicher Betriebe verglichen und fallspezifisch bewertet werden. Auswertungsmöglichkeiten bestehen für Betriebe mit Milchviehhaltung, Ferkelerzeugung oder Schweinemast in den Bereichen Strom-, Kraftstoff- und Heizenergieeinsatz. Gemeinsam mit den Beratungskräften wird dann ein individuelles Konzept zur Energieeinsparung und -gewinnung erarbeitet und in das gesamtbetriebliche Profil eingearbeitet.

Weitere Informationen

www.LandSchafftEnergie.bayern.de

Newsletter kostenlos zu bestellen über die Homepage oder über eine Mail an landschafftenergie@tfz.bayern.de

Koordinationsstelle: 09421/300-270 oder landschafftenergie@tfz.bayern.de

Die Autorinnen


Larissa Tyroller

Larissa Tyroller

Koordination
LandSchafftEnergie im Sachgebiet Wissenstransfer am Technologie und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ), Straubing
larissa.tyroller@tfz.bayern.de


Stephanie Neumeier

Stephanie Neumeier

Öffentlichkeitsarbeit
LandSchafftEnergie im Sachgebiet Wissenstransfer am Technologie und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ), Straubing
 stephanie.neumeier@tfz.bayern.de