Zeitschrift B&B Agrar

InnoPig: Projektergebnisse

Abschlussveranstaltung des Verbundprojekts

Versuchsstation für Schweinehaltung
Foto: Neele Ahlers, LWK Niedersachsen

An der Versuchsstation für Schweinehaltung in Wehnen stellten die Projektpartner zentrale Ergebnisse vor. Welchen Einfluss haben verschiedene Abferkel- und Aufzuchtsysteme auf Tierwohl, Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit in der Schweinehaltung?

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Drei Abferkelsysteme wurden im Rahmen des Projektes im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp (LWK Schleswig-Holstein, s. auch Bericht B&B Agrar 3-2019, S. 17f) und in der Versuchsstation für Schweinehaltung in Wehnen (LWK Niedersachsen) verglichen und dabei Vor- und Nachteile herausgearbeitet: zum einen die traditionelle Abferkelbucht mit Ferkelschutzkorb, dann die freie Abferkelung in Einzelhaltung ohne Fixiermöglichkeit der Sau und die freie Abferkelung in Gruppenhaltung ferkelführender Sauen. Für die drei Abferkelsysteme wurden Daten zur Tiergesundheit und -ernährung, zum Tierverhalten, zur Leistung, zur Wirtschaftlichkeit und Arbeitssicherheit erfasst. Insbesondere der Parameter Saugferkelverluste zeigte sowohl hinsichtlich der biologischen Leistungen und Wirtschaftlichkeit als auch hinsichtlich des Tierwohls Defizite bei den alternativen Haltungssystemen.

Keine Alternative

Prof. Dr. Joachim Krieter (Uni Kiel) stellte heraus, dass die freie Abferkelung derzeit keine Alternative für die Praxis bietet, da es zu deutlich höheren und nicht akzeptablen Ferkelverlusten durch Erdrücken in den ersten vier Tagen post partum (p. p., nach der Geburt) kommt. Durch die Steuerung des Liegeverhaltens der Sau sowie eine möglichst hohe Ferkelnestakzeptanz könne gegengelenkt werden. Für die Praxis sei die kurzzeitige Fixierung der Sauen in der Bewegungsbucht eine Alternative zum Ferkelschutzkorb.

Anschließend referierte Prof. Dr. Nicole Kemper (TiHo Hannover) über die gewonnenen Erkenntnisse zur Tierhygiene und zum Tierverhalten. Zur Bewertung der Tierhygiene wurden insbesondere die Parameter Luftkeimgehalt und die Ammoniakkonzentration herangezogen. Zur Beurteilung des Tierverhaltens wurde der Einfluss der einzelnen Haltungssysteme auf die Hautgesundheit von Sauen und Ferkeln, die Ursachen für Ferkelverluste sowie das Auftreten von Fremdsaugen in der Gruppenhaltung untersucht.

Auf Grundlage der gewonnenen Daten konnte festgestellt werden, dass sich die getesteten Systeme aus tierhygienischer Sicht nicht signifikant von dem konventionellen System unterschieden. Bei Betrachtung des Tierverhaltens sind Unterschiede erkennbar. Laut Dr. Kemper empfiehlt es sich ebenfalls, die Sau in den ersten Tagen nach der Geburt zu fixieren, um den höheren Saugferkelverlusten entgegenzuwirken.

Juniorprof. Dr. Christian Visscher (TiHo Hannover) rückte die Ernährung von Sau und Ferkel in den Fokus. Die Projektergebnisse lassen erkennen, dass das Haltungssystem beziehungsweise die Kombination aus Haltungssystem und spezifischen Fütterungsgegebenheiten Einfluss auf Leistung und Gesundheit von Sau und Ferkel haben. Anhand des Immunokritwertes, der ein Indikator für die Höhe der Kolostrumaufnahme darstellt, konnten Nachteile der Gruppenhaltung gegenüber den beiden anderen Systemen aufgezeigt werden.

Prof. Dr. Imke Traulsen (Uni Göttingen) bezog sich in ihrem Vortrag auf die Effekte der unterschiedlichen Abferkel- und Aufzuchtsysteme auf das Wohlbefinden und die Leistung der Aufzucht- und Mastschweine. Neben den Einflüssen von Genetik und Geschlecht hatte der Kupierstatus einen signifikanten Einfluss auf die tägliche Zunahme. Unkupierte Tiere in Futterkamp wiesen in der Mastperiode signifikant niedrigere tägliche Zunahmen auf als kupierte Tiere.

Beratungsempfehlung

Im Anschluss gab Christian Meyer (LWK Schleswig-Holstein) Beratungsempfehlungen, die sich aus dem InnoPig-Projekt ableiten lassen. Er fasste zusammen, dass die freie Abferkelbucht und das Gruppensäugen derzeit die höchsten Ferkelverluste aufweisen, die Bewegungsbuchten mit einer Kurzzeitfixierung liegen in den Verlusten vergleichbar mit den klassischen Abferkelbuchten jedoch ist der Arbeitsaufwand bei der freien Abferkelung höher. Seiner Meinung nach funktioniert die freie Abferkelung aber nur mit hohen Ferkelverlusten. Die Buchten dürfen nicht zu groß werden, sonst wird die Orientierung der Ferkel schwieriger. Somit ist eine Abferkelbucht mit einer nutzbaren Fläche von fünf Quadratmetern für die Sau nicht zu empfehlen. 

Prof. i.R. Dr. Steffen Hoy (Uni Gießen) stellte das Projekt Abferkelbuchten 2020 vor. In seinem Vortrag ging es um die biologisch-technischen Ergebnisse verschiedener Prototypen freier Abferkelbuchten. Ziel der Untersuchungen war es, die freien Abferkelbuchten mit den traditionellen Buchten mit Ferkelschutzkorb unter den Aspekten von Ferkelverlusten, Gesundheit, Verhalten und Leistung zu vergleichen. Seine Ergebnisse deckten sich größten Teils mit den Erkenntnissen aus dem InnoPig-Projekt. Auch er stellte fest, dass eine Bewegungsbucht mit Fixiermöglichkeit der Sau in Bezug auf Tierschutz, Arbeitsschutz und Unfallverhütung einen guten Kompromiss zur freien Abferkelbucht darstelle.

Verbundprojekt InnoPig

Im InnoPig-Projekt untersuchten Forschungsteams von 2015 bis 2018 verschiedene Haltungssysteme für den Abferkelbereich. Das Projekt wurde aus Mitteln des Zweckvermögens des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank und aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Die Projektträgerschaft erfolgte über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung.

An dem Verbundprojekt waren Partner aus der Wissenschaft (Christian-Albrechts-Universität Kiel, Georg-August-Universität Göttingen, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover), aus der Beratung (Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Landwirtschaftskammer Niedersachsen) und aus der Industrie (Big Dutchman Pig Equipment GmbH, Alfons Greten Betonwerke GmbH) sowie die ISN-Projekt GmbH und das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland e.V. beteiligt.

Die Autorin

Mareike Gößling

Mareike Gößling

Referendarin Tierproduktion
Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Oldenburg
mareike.goessling@lwk-niedersachsen.de