Zeitschrift B&B Agrar

Beratungskräfte tagten in Ungarn

Wandel in der ungarischen Landwirtschaft

Gruppenfoto Tagung

Rund 300 Teilnehmende aus 23 L√§ndern trafen sich vom 17. bis 21. Juni in Mosonmagyar√≥v√°r, Ungarn, um sich zum Thema "Neue Herausforderungen auf dem Lande ‚Äď Traditionen und Landwirtschaft im Wandel" auszutauschen. Fazit: Anforderungen an Beratungskr√§fte steigen und Flexibilit√§t der Beratung ist gefragt.

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Anl√§sslich des 200-j√§hrigen Bestehens der Fakult√§t f√ľr Landwirtschafts- und Lebensmittelwissenschaften der Sz√©chenyi Istv√°n Universit√§t lud diese die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 57. Jahrestagung der Internationalen Akademie f√ľr l√§ndliche Beratung (IALB) ein, Landwirtschaft und Beratungsstrukturen in Ungarn zu erkunden.

Ein Novum in der Geschichte der IALB-Jahrestagungen war in diesem Jahr die Teilnahme von drei weiteren Netzwerken der Agrarberatung und Forschung. Dazu z√§hlten der europ√§ische Dachverband landwirtschaftlicher Beratungsdienste EUFRAS (European Forum for Agricultural and Rural Advisory Services), die Organisation SEASN (South Eastern Europe Advisory Service Network) und das Europ√§ische Seminar f√ľr Entwicklung und Bildung ESEE (European Seminar on Extention Education).

Digitalisierung

Der Fokus der Tagung lag darauf, wie sich die F√∂rderung von Tradition und Innovation, die beide von gro√üer Bedeutung f√ľr die ungarische Landwirtschaft sind, vereinbaren lassen und welche Herausforderungen sich daraus f√ľr die landwirtschaftliche Beratung ergeben. Ein Thema, das auch in anderen europ√§ischen L√§ndern eine wichtige Rolle spielt oder zuk√ľnftig spielen wird.

Schon in den Einf√ľhrungsvortr√§gen wurde deutlich, dass der bereits stattfindende intensive Digitalisierungsprozess in der Landwirtschaft erhebliche Ver√§nderungen auch in der ungarischen Landwirtschaft zur Folge haben wird. Professor Dr. Mikl√≥s Nem√©nyi, Leiter der Abteilung f√ľr Biosysteme und Lebensmitteltechnik an der Sz√©chenyi Istv√°n Universit√§t, zeichnete ein Bild der digitalen Landwirtschaft, das den Gegensatz zwischen Anstieg der Produktionsintensit√§t und Erhalt der Nachhaltigkeit aufl√∂st. Seine Botschaft: Maschinen werden zuk√ľnftig unabh√§ngig vom Menschen arbeiten. Die grundlegende Frage ist, welche Aufgaben im betrieblichen Entscheidungsfindungsprozess zuk√ľnftig durch die Landwirtinnen und Landwirte und welche durch die "k√ľnstliche Intelligenz" √ľbernommen werden. Zentrale Aufgabe der Bildung und Beratung ist es dabei, den Nachwuchs aber auch die bereits in der Landwirtschaft T√§tigen durch entsprechende Aus- und Weiterbildung auf diese grundlegend neuen Aufgaben vorzubereiten.

Acker mit Kohl

Die Gem√ľse-Gemeinschaft Dunasziget existiert bereits seit mehr als f√ľnf Jahren und wirtschaftet nach einem franz√∂sischen Gemeinschafts-Landwirtschaftsmodell. Der gartenbauliche Familienbetrieb versorgt Familien in der Umgebung das ganze Jahr √ľber mit Gem√ľse. Daf√ľr zahlen die Familien einen monatlichen Beitrag, der von dem √∂kologisch wirtschaftenden Betrieb j√§hrlich festgesetzt wird. Auch die Mitgliedschaft wird zun√§chst f√ľr ein Jahr abgeschlossen. Viele Familien sind aber bereits mehrere Jahre dabei und sehr zufrieden mit dem √∂kologisch erzeugten Gem√ľse, das jede Woche an die Mitglieder weitergegeben wird.

In den Workshops und auf den Exkursionen wurden aber auch die traditionellen Ansätze der Weiterentwicklung der Landwirtschaft in Ungarn gezeigt. Dabei ging es unter anderem um die Vermarktung regionaler Produkte, den ökologischen Landbau, umweltfreundlichen Tourismus und ländliche Nischenprodukte sowie Dienstleistungen und solidarische Landwirtschaft.

Rolle der Beratung

Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation findet sich auch die Beratung wieder. So gilt es, die Rollen der Beraterinnen und Berater neu zu definieren. Wo und wie gelingt es ihnen, Landwirtinnen und Landwirte zu erreichen? Welche Rolle spielt das pers√∂nliche Gespr√§ch, wird die klassische produktionstechnische Beratung von Beratungsrobotern und Online-Angeboten √ľbernommen? Mit welchen Inhalten kann die Beratung zuk√ľnftig punkten? Wird es noch Beraterinnen oder Berater geben oder nur noch Innovationsmanager? Mit diesen Fragen besch√§ftigten sich die Teilnehmenden von zwei Workshops zum Thema "Neue Rollen f√ľr Berater" (siehe B&B Agrar, Online-Spezial August "Neue Rollen f√ľr Berater").

Teilnehmergruppe vor Gewächshaus

Die G√§rtnerei Rany√°k begann 1992 mit dem Getreide- und Gem√ľseanbau. Die Produkte, wie zum Beispiel Paprika, werden vorwiegend auf M√§rkten verkauft. Auf dem 80 Hektar gro√üen Betrieb arbeiten f√ľnf Personen inklusive der Familienmitglieder.

Auch die effektive Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Beratung war Thema eines Workshops, der vom ESEE ausgerichtet wurde. Dazu wurden Beispiele zum Multi-Akteurs-Ansatz pr√§sentiert, in denen Akteure mit unterschiedlichem professionellen Hintergrund (Forschung, praktische Landwirtschaft, Beratung, berufsst√§ndische Organisation, Verwaltung u. a.) zusammenarbeiten. Hier k√∂nnen Beratungskr√§fte wichtige Vermittlerrollen √ľbernehmen. Wie die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure erfolgreich gestaltet werden kann, wurde intensiv diskutiert. Wichtig ist auch ein gut organisierter Wissensaustausch. Dieser kann zum Beispiel √ľber eine Konferenz erfolgen, die anschlie√üend durch eine interaktive Plattform erg√§nzt wird, oder wie bei der Plattform der Europ√§ischen Innovationspartnerschaft (EIP) durch kurze Zusammenfassungen der Praxisprojekte.

Der pers√∂nliche Austausch und das Kn√ľpfen neuer beruflicher Kontakte wird durch die Jahrestagung des IALB-Netzwerks sehr gef√∂rdert. Wer in Zukunft seine Verbindungen zur europ√§ischen Beratungsszene weiter ausbauen will, kann das zum Beispiel auf der IALB-Tagung 2019 tun, die vom 2. bis 6. Juni in Salzburg, √Ėsterreich, stattfinden wird.


Die Autorin

Frau Brettschneider-Heil

Dr. Bärbel Brettschneider-Heil

Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) in der Bundesanstalt f√ľr Landwirtschaft und Ern√§hrung (BLE), Bonn
Baerbel.Brettschneider-Heil@ble.de