Zeitschrift B&B Agrar

Beratung bei der Hof├╝bergabe

├ťberblick zum Thema Hof├╝bergabeberatung

H├Ąndesch├╝tteln
Foto: StockSeller_ukr/iStock/Getty Images Plus via Getty Images

Die ├ťbergabe des Hofes an die n├Ąchste Generation oder einen au├čerfamili├Ąren Nachfolgenden ist mehr als ein vertraglicher Akt. Es ist ein existenzieller Schritt, bei dem auch Gef├╝hle eine gro├če Rolle spielen. Unterst├╝tzung bei der Gestaltung dieses komplexen Prozesses, bei dem rechtliche, ├Âkonomische, soziale und pers├Ânliche Rahmenbedingungen zu ber├╝cksichtigen sind, finden Landwirtinnen und Landwirte bundesweit.

Artikel als PDF herunterladen

Welche Angebote gibt es zum Thema Hof├╝bergabe in der landwirtschaftlichen Beratung? Welche neuen Beratungsformate haben sich in den vergangenen Jahren etabliert? Wie hat sich die Nachfrage nach Beratung zu diesem Thema entwickelt? B&B Agrar hat in den Bundesl├Ąndern nachgefragt und im Folgenden Informationen aus den L├Ąndern zusammengestellt. 

Hessen: Einen landwirtschaftlichen Betrieb zu erwerben oder zu ├╝bergeben, ist eine herausfordernde Aufgabe. Beratungskr├Ąfte der hessischen Offizialberatung im Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), Bereich "├ľkonomie & Verfahrenstechnik", bieten hier Unterst├╝tzung an ÔÇô egal, ob die Hof├╝bergabe klassisch innerhalb der Familie erfolgen soll oder an Fremde, an Existenzgr├╝ndende oder an Nachfolgerinnen und Nachfolger ohne landwirtschaftliche Ausbildung. Die Beratungsnachfrage steigt, da j├╝ngere Hofnachfolgerinnen und Hofnachfolger oder interessierte Geschwister eher Beratung nachfragen, mehr Fremde oder Existenzgr├╝ndende eine Hofnachfolge anstreben und bei wirtschaftlich- oder famili├Ąr-kritischer Hofnachfolge heute eher als fr├╝her eine Unterst├╝tzung durch eine externe Beratung als hilfreich erachtet wird.

Folgende Themen werden im Beratungsprozess aufgegriffen:

  • Erfassung und Sichtbarmachen der Vorstellungen der Beteiligten,
  • Auswertung des Ist-Betriebs,
  • grunds├Ątzliche Hinweise zur Hof├╝bergabe mit "Fahrplan",
  • wirtschaftliche Perspektiven des "Zielbetriebs" f├╝r den ├ťbernehmer,
  • Ermittlung der Tragbarkeit von Versorgungsleistungen und Abfindung,
  • Ermittlung des Ertragswerts f├╝r die Erbauseinandersetzung (Ertragswertverfahren),
  • sozio├Âkonomische Beratung bei problematischer Hof├╝bergabe.

Neben der klassischen Beratung durch den LLH wird (bei kritischen Hof├╝bergaben) eine Komplement├Ąrberatung in Zusammenarbeit mit "Familie & Betrieb - Landwirtschaftliche Familienberatung der Kirchen in Hessen und Rheinhessen" (F&B-LFB) angeboten (s. B&B Agrar 3-2020, S. 12f). Die Hessische Hofb├Ârse ist ein Angebot des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen in Zusammenarbeit mit der Hessischen Landgesellschaft und erm├Âglicht ├╝ber kostenlose Gesuche oder Angebote, dass sich potenzielle Hof├╝bernehmende und -abgebende treffen k├Ânnen.

Alle Beratungsangebote sind im Beratungskatalog des LLH zu finden. Weitere Informationen und eine Brosch├╝re "Hinweise zur landwirtschaftlichen Betriebsgr├╝ndung" gibt es unter: https://llh.hessen.de/unternehmen/unternehmensfuehrung/soziooekonomie/

Nordrhein-Westfalen: Die im landwirtschaftlichen Umfeld t├Ątigen Organisationen wie die Landwirtschaftskammer, die Landwirtschaftsverb├Ąnde, der Landfrauenverband und die Landjugendorganisationen bieten j├Ąhrlich wiederkehrend Seminare und Vortragsveranstaltungen zum Themenfeld Unternehmens├╝bergabe an (Beispiel: "Betriebs├╝bergabe ÔÇô Erfolgreich an einem Strang ziehen", 9. Februar 2021, Haus D├╝sse, Referenten: Richard Niehues sowie Harald Schmid). F├╝r Beratungskunden der Landwirtschaftskammer, die in Unternehmerkreisen organisiert sind, wird das Thema Hof├╝bergabe in Informationsschreiben per Mail oder Fax aufgegriffen oder in Gruppenberatungen zum Thema gemacht.

Im September soll die von landwirtschaftlichen Organisationen getragene "NRW-Initiative au├čerfamili├Ąre Hof├╝bergabe" starten. Im Rahmen dieser Initiative sollen Abgeberinnen und Abgeber sowie ├ťbernehmende, begleitet durch eine Vertrauensstelle, gezielt zueinander gebracht werden. Besonderer Wert wird darauf gelegt, Ziele, W├╝nsche und Erwartungen der Beteiligten in Einklang zu bringen, um eine erfolgreiche au├čerfamili├Ąre Hof├╝bergabe zu gew├Ąhrleisten. 

Rheinland-Pfalz: Die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz bietet schon seit vielen Jahren die Beratung zur Betriebs├╝bergabe im Rahmen ihrer betriebswirtschaftlichen Beratung an. Im Wesentlichen werden hier mit den ├ťbergebenden und den ├ťbernehmenden die einzelnen Schritte einer Betriebs├╝bergabe besprochen, es wird die Ertragswertberechnung erstellt und es wird daraus ableitend die H├Âhe der dauernden Last an die ├ťbergebenden beziehungsweise die H├Âhe der Abfindung der weichenden Erben erl├Ąutert und moderiert. Die Landjugendakademie bietet zusammen mit dem Bauernverband ein- bis zweimal im Jahr ein Seminar f├╝r Familien an, die sich im Prozess der Hof├╝bergabe befinden.

Zwei M├Ąnner im Gespr├Ąch -  Klick f├╝hrt zu Gro├čansicht im neuen Fenster
Die zuk├╝nftige Betriebs├╝bernahme will gut vorbereitet sein. Foto: kali9/E+ via Getty Images

Das Land Rheinland-Pfalz f├Ârdert seit 2019 die betriebswirtschaftliche Beratung landwirtschaftlicher Unternehmen. Die LWK RLP ist akkreditierter Beratungsanbieter f├╝r alle Beratungsleistungen dieser gef├Ârderten Beratung. In diesem Rahmen kann den Betrieben eine aktive Begleitung auch ├╝ber einen l├Ąngeren Zeitraum in der Phase der Betriebs├╝bergabe angeboten werden. So kann man sich der Betriebs├╝bergabe sowohl von der betriebswirtschaftlichen Seite als auch von der menschlich-emotionalen Seite ohne Zeitdruck n├Ąhern. Im Rahmen dieser Beratung kann sowohl eine Risikoanalyse f├╝r den Betrieb aus Sicht des ├ťbernehmenden als auch eine Betriebsentwicklungsplanung unter Ber├╝cksichtigung von gegebenenfalls notwendigen Investitionen durchgef├╝hrt werden.

Zudem besteht bei der LWK im Rahmen des Beratungsangebotes "Familienmoderation" die M├Âglichkeit der professionellen Begleitung bei Konflikten in der Phase der Betriebs├╝bergabe. Auch die Beratung zur Betriebs├╝bergabe unter fremden Dritten findet mittlerweile Ber├╝cksichtigung im Beratungsangebot.

Die Nachfrage ist konstant bis leicht steigend. Innerhalb dieses Beratungssegmentes hat die Anzahl der konfliktbeladenen Betriebs├╝bergaben und der Betriebs├╝bergaben unter fremden Dritten allerdings zugenommen

Saarland: Eine kostenfreie Hof├╝bergabeberatung f├╝r Landwirte erfolgt durch die Landwirtschaftskammer f├╝r das Saarland und den Bauernverband. Dies geschieht als besondere Sparte der sozio├Âkonomischen Beratung und wird finanziert durch die Landesregierung des Saarlandes.

Im Schnitt der Jahre werden zwischen zehn und 15 Betriebe insgesamt beraten. Es handelt sich hierbei in der Regel um gr├Â├čere Betriebe, meistens im Haupterwerb. Diese Nachfrage ist relativ kontinuierlich.

Zus├Ątzlich kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Anfragen nach Beratungen von Betriebsneugr├╝ndungen, jedoch eher im Bereich Nebenerwerb bis zehn Hektar.

Sachsen: Das Angebot des S├Ąchsischen Landesamtes f├╝r Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) zum Thema Hof├╝bergabe wird im Wesentlichen vom Beratungsdienst zur Einkommens- und Verm├Âgenssicherung unterbreitet. Auf der Website wird in K├╝rze ein Flyer ver├Âffentlicht, der das Beratungsangebot zur Hof├╝bergabe beschreibt. Dieser ist derzeit in Arbeit. Unterst├╝tzung wird angeboten:

  • bei der langfristigen Vorbereitung, Planung und Kommunikation,
  • beim W├Ąhlen des richtigen Zeitpunktes,
  • beim Heranf├╝hren des Hofnachfolgers an betriebliche Unterlagen,
  • bei der Kl├Ąrung der famili├Ąren Voraussetzungen,
  • bei der ├ťberpr├╝fung der wirtschaftlichen Voraussetzungen,
  • bei der Ergr├╝ndung pers├Ânlicher W├╝nsche und Vorstellungen,
  • bei Kontaktaufnahme zum Steuerberater, Rechtsanwalt, SVLFG u.a.

Eine rechtliche und steuerliche Beratung erfolgt nicht.

Das Beratungsangebot zur Einkommens- und Verm├Âgenssicherung richtet sich an landwirtschaftliche und gartenbauliche Betriebe, die aus verschiedensten Gr├╝nden in eine wirtschaftliche Problemlage geraten sind. H├Ąufig spielte in den Beratungen der Generationswechsel im Unternehmen eine Rolle. Deshalb wurde entschieden, eine orientierende Beratung zum Thema Hof├╝bergabe in Form eines Gespr├Ąches vor Ort anzubieten, erweitert im Einzelfall durch Vermittlung und Gespr├Ąchsgestaltung zwischen den Familienmitgliedern und durch betriebswirtschaftliche Berechnungen sowie Beratung zu Aspekten der F├Ârderung im Agrarbereich.

Beratung wird nicht nur bei der "klassischen" Hof├╝bergabe nachgefragt. Die F├╝hrung des Unternehmens im Nebenerwerb ist zunehmend ein Thema, vereinzelt erfolgen auch Existenzgr├╝nderberatungen und Beratungen zur au├čerfamili├Ąren Hof├╝bergabe.

Sachsen-Anhalt: Beratung ist in Sachsen-Anhalt im Wesentlichen privatwirtschaftlich organisiert. Die Beratung erfolgt durch freiberufliche Beratende oder Besch├Ąftigte in Beratungsunternehmen. Die Inanspruchnahme von Beratungsdienstleistungen durch Landwirtinnen und Landwirte findet freiwillig und auf vertraglicher Grundlage entsprechend der nachgefragten und vereinbarten Beratungsinhalte statt.

Zur Qualit├Ątssicherung besteht in Sachsen-Anhalt ein System der Anerkennung von privaten Beraterinnen und Beratern, aktuell nach der Berateranerkennungsverordnung vom 29. April 2019. Zust├Ąndige Beh├Ârde f├╝r die Anerkennung ist die Landesanstalt f├╝r Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt. Die "Liste anerkannter Beratungskr├Ąfte nach VO" finden sich auf der Webseite der Landesanstalt f├╝r Landwirtschaft und Gartenbau (allgemeine Ausf├╝hrungen zur Beratung). Unter dem Beratungsschwerpunkt "Unternehmensberatung" sind auch die Berater registriert, die eine spezielle Beratung zum Thema Betriebs├╝bergabe anbieten (Kategorie=Spezialgebiet e)).

Die Landesanstalt f├╝r Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt bietet im Rahmen der sozio-├Âkonomischen Beratung eine Erstberatung zum Thema Betriebs├╝bergabe an (Kontakt). Die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH betreibt eine Hofb├Ârse und bietet eine spezielle Beratung f├╝r Junglandwirte an.

Ein gro├čer Teil von Betriebsgr├╝ndungen erfolgte 1990 beziehungsweise Anfang der 1990er Jahre. Viele Wiedereinrichter waren damals zwischen 30 und 40 Jahre alt. Hier steht in zunehmendem Ma├če ein Generationswechsel an mit entsprechendem Bedarf nach Informationen zur Hof├╝bergabe.

Zum Thema Hof├╝bergabe informieren auch zwei Beitr├Ąge in der B&B Agrar 3-2020, S. 23f und S. 25f.