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Mobile Lehre: Universität erprobt Lehre via Handy

09.05.2014 erstellt von Universität Hohenheim

Jugendliche mit Handy
Copyright: Tyler Olson - Fotolia.com

Smart durch Smartphone: Unterschiedliche Modellprojekte der Universität Hohenheim verbinden mittels Handy Lernstoff und reale Welt für eine nachhaltigere Wissensvermittlung. Dies ist didaktisches Neuland.

Sie schwärmen durch die Weinberge, Supermärkte, Fußgängerzonen und zoologischen Gärten und machen die Welt zu einer Ansammlung digital markierter Lernorte: Als Teil ihrer Ausbildung fotografieren Studierende der Universität Hohenheim Praxisbeispiele für den Vorlesungsstoff, zapfen Hintergrundinformationen zu markierten Pflanzen und Tieren ab, dokumentieren das Wachstum von Weintrauben, holen via live-Chat Expertenmeinungen ein oder steigen über Foren in die Diskussion mit Kommilitonen ein. Möglich macht dies eine spezielle App.

Das Konzept

Derzeit wird die App an allen drei Fakultäten der Universität in mehreren Pilotprojekten unterschiedlich eingesetzt. Nicht ausgeschlossen, dass sie einmal noch breiter angewendet werden. "Die Möglichkeiten sind noch nicht ausgereizt", meint Prof. Dr. Michael Kruse, Prorektor für Lehre.

Das Konzept gibt die Möglichkeit, gelernte Informationen mit Erlebnissen zu verknüpfen und dieses Wissen zu verinnerlichen - oder selbst zum Lehrer für Mitstudierende zu werden. Der große Vorteil: Studierende können sich die Zeit dafür selbst einteilen. Heraus kommen ganz persönliche Mini-Exkursionen oder hochindividuelle Kurzpraktika.

Dabei solle die Mobile Lehre aber nicht das Konzept der Vorlesung ersetzen. "Das Gelernte soll Studierenden unter die Haut gehen und ihren Blick auf die Welt verändern." Die App sei kein Selbstzweck sondern "ein didaktisches Mittel, das von den Professoren genutzt werden kann, um die - vor allem - räumlich beschränkten Vorlesungen zu erweitern."

Beispiel Agrarwissenschaften: das Smartphone im Weinberg

Im Weinberg der Universität nestelt eine Studentin zwischen den Blättern eines Rebstocks. In einer Hand ruht der Fruchttrieb mit den ersten Trauben, in der anderen das Smartphone. Auf dem Display: eine Checkliste, um die Entwicklung der Trauben wissenschaftlich zu bewerten.

Die angehende Agrarwissenschaftlerin besucht die Vorlesung Biologie der Rebe. Ihre Aufgabe: Die Rebenentwicklung von zwei Sorten zu analysieren. Von April bis Juli besucht sie bis zu zweimal pro Woche ihre Reben, bewertet die Rebenentwicklung von Blüte bis zur Traube, schießt ein Foto und schickt Bild und Ergebnisse via Smartphone an eine spezielle Lernplattform der Universitäten.

Das Handy-Display zeigt ihr auch die Ergebnisse der Kommilitonen und erlaubt Vergleiche: reift die eigene Sorte besonders schnell oder langsam? Haben sie von Sonnenwochen besonders profitiert oder reagiert sie sehr empfindlich auf Regen? Bei Unklarheiten schickt sie eine Frage an den Dozenten - oder stellt sie in eine Art Forum des Kurses ein, so dass alle Studierenden darüber diskutieren können.

Kein Ersatz für den Professor

Seit Sommersemester 2013 ergänzt Dr. Nikolaus Merkt die Wirklichkeit des Weines durch Virtualität. "In der Vergangenheit fiel mir auf, dass das Thema der Reben-Entwicklung und ihrer Stadien für viele Studierenden meistens zu abstrakt war", erinnert sich der Dozent. "Sie konnten es nicht nachvollziehen, weil sie es nie erlebt, sondern nur davon gehört hatten. In der Prüfung haben sie die Fragen zu den Entwicklungsstadien dann trotz gewissenhafter Vorbereitung meist falsch beantwortet."

Trotzdem könne die App die Vorlesung nicht komplett ersetzen. "Ich sehe die Mobile Lehre als Möglichkeit zur Vertiefung und Festigung des Stoffes, aber nicht als Ersatz für den Professor." Auch im Sommersemester 2014 will Dr. Merkt das Konzept wieder anbieten.

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