Service

Juniorenmeisterschaft und Fachtagung Hauswirtschaft

16.04.2018

Gruppenbild
Quelle: MdH

Unter der Schirmherrschaft von Herrn Prof. Dr. Lorz, Hessischer Kultusminister, fanden vom 16. bis 18. März in der Elisabeth-Knipping-Schule in Kassel – zeitnah zum Welttag der Hauswirtschaft am 21. März – die 29. Deutschen Juniorenmeisterschaften für Auszubildende in der Hauswirtschaft statt.

Der Bundesverband hauswirtschaftlicher Berufe MdH e.V. hatte die besten Auszubildenden im Beruf Hauswirtschafter/In, die bereits die Vorqualifizierung in ihren Bundesländern gewonnen haben, eingeladen. Eva-Maria Hausmann aus Petersaurach errang den ersten Platz und verteidigte damit die Meisterschaft für Bayern. Lucia Römer aus Laaber (ebenfalls Bayern) sicherte sich den zweiten Platz. Wie im Fußball ist Bayern also auch in der Hauswirtschaft momentan das Maß aller Dinge. Dritte wurde Anna-Lena Mönig aus Meschede (NRW).

Der Ausbildungsplatzrückgang in der Hauswirtschaft ist dramatisch, ebenso das Fehlen von qualifizierten Fach- und Führungskräften. Im Rahmen der 28. Deutschen Juniorenmeisterschaft der Hauswirtschaft veranstaltete KlöberKASSEL – Wissen für die Hauswirtschaft die Fachtagung "Zukunftsberuf Hauswirtschaft". Im Mittelpunkt stand die Frage, mit welchen Maßnahmen dieser Entwicklung begegnet werden kann, damit auch in Zukunft professionelle hauswirtschaftliche Dienstleistungsangebote bereitgestellt werden können.

Die Unternehmensberaterin Marie Christine Klöber eröffnete als Veranstalterin die Fachtagung und informierte die rund 60 Teilnehmenden über die aktuelle Lage auf dem hauswirtschaftlichen Ausbildungsmarkt: In den vergangenen zehn Jahren sind über 9.000 Ausbildungsplätze verloren gegangen. Bei der Gegenüberstellung der aktuellen Ausbildungsvergütungen von 181 Ausbildungsberufen rangiert die Ausbildung zur Hauswirtschafterin laut Bundesinstitutes für berufliche Bildung mit durchschnittlich 686 Euro am unteren Ende der Skala.

Der erste Vortrag "Leistungen zeigen - Image stärken" von Ralf Klöber, selbstständiger Berater und Trainer, verdeutliche mit vielen praktischen Beispielen, wie die hauswirtschaftlichen Abteilungen ihre Dienstleistungen und Produkte präsentieren sollten. Er forderte ein selbstbewusstes Auftreten und ein professionelles Marketing. Die Trilogie von Basis-, Erwartungs- und Überraschungsqualität sollte dazu gezielt eingesetzt werden. Noch wichtiger sei der Einsatz von Bildern, um Leistungsangebote gut darzustellen. Seine Abschlussbotschaft zum Thema Verpflegungsleistung: "Essen kommt von Es(s)thetik".

Die Präsidentin des Deutschen Hauswirtschaftsrates, Dorothea Simpfendörfer, stellte den aktuellen Diskussionsstand im Neuordnungsverfahren des Ausbildungsberufs Hauswirtschafter/-in vor. Sogenannte Sorge-Berufe, neu zusammengefasst unter der Abkürzung SAHGE-Berufe aus den Feldern Soziale Arbeit (SA), haushaltsnahe Dienstleistungen (H), Gesundheit und Pflege (G), Erziehung und Bildung (E), erfahren auch auf politischer Ebene zunehmend Anerkennung. Sorgearbeit (Care) umfasst Tätigkeiten der Zuwendung, Versorgung und Pflege für sich und andere. Die SAHGE-Berufe seien ein Wirtschaftsfaktor keine Kostenverursacher, betonte Simpfendörfer und belegte dies mit dem aktuellen Arbeitsmarktanteil von 18 Prozent. 80 Prozent der hier Beschäftigten seien weiblich.

Dr. Sabine Tomm, im Berufsbildungswerk Südhessen gGmbH für die Entwicklung neuer Leistungsangebote verantwortlich, stellte als positives Praxisbeispiel ihr Modellprojekt "Fachpraktiker/-in Hauswirtschaft mit Zusatzqualifikation Altenpflegehelfer/-in" vor. Wie altersbedingte Krankheiten den Alltag beeinflussen, wurde bei der Fachtagung sehr konkret: So konnten die Teilnehmenden die Auswirkungen verschiedener Augenkrankheiten selbst testen; anhand einer Schaufensterpuppe wurden motorische Einschränkungen demonstriert.

Unter der Überschrift "In die Zukunft – führen" zeigte Dr. Gabriele Mönicke, bona fide Unternehmensberatung GbR aus Kassel, auch mit Blick auf hauswirtschaftliche Führungskräfte Kompetenzen auf, die gute Führung ausmachen. Sie erläutere, wie wichtig es sei, die eigene Haltung zum Thema "Führung" zu kennen und ernst zu nehmen sowie den wertschätzenden Umgang mit Menschen zu achten. Sie formulierte folgende Voraussetzungen für gelingende Führung:

  • Mitarbeitende wollen sich verbunden fühlen.
  • Mitarbeitende wollen gestalten und sich einbringen.
  • Mitarbeitenden wollen Vertrauen.
  • Mitarbeitende wollen gefordert werden und können so wachsen.
  • Mitarbeitende wollen die Sinnhaftigkeit ihres Tuns erleben und erhalten so Zugriff auf ihre Ressourcen.

In den Pausen hatten die Teilnehmenden der Fachtagung die Möglichkeit, die Fachausstellung zu besuchen und sich über neue Methoden und Techniken im Hauswirtschaftsbereich zu informieren.  Die durch die Referate gewonnenen Impulse konnten nachmittags im Kreativ-Quadrat in kleinen Teams weiterentwickelt werden, und zwar unter folgenden Fragestellungen: "Mitarbeiter/-innen gewinnen, fördern, begleiten" und "Image gestalten, verbessern, präsentieren". Ziel war es unter bestimmten Thesen, die nicht zwingend aus dem hauswirtschaftlichen Kontext stammten, neue Denkansätze und Lösungen zu formulieren. Die Ergebnisse werden anderen Foren zum Weiterdenken zur Verfügung gestellt.

Quelle: René Krabbe, MdH, KlöberKASSEL