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Ausbildung Pferdewirt/-in: Bundesweite Netzwerktagung am Ammersee

29.05.2018

Mehrere Personen und Pferd in Reithalle
Quelle: Roland Dörr

Rund 30 Berufsschullehrkräfte im Ausbildungsberuf Pferdewirt/-in trafen sich vom 27. bis 28. April auf Einladung der Staatlichen Berufsschule München-Land zu einer Tagung im Haus der bayrischen Landwirtschaft in Herrsching am Ammersee. Das Treffen wurde bereits zum vierten Mal organisiert und findet im zweijährigen Rhythmus in jeweils unterschiedlichen Bundesländern statt.

Neben dem Erfahrungsaustausch standen die Themen "Schnittstelle berufsfachliche und berufspraktische Kompetenz" sowie "Einbindung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Pferdefütterung im Berufsschulunterricht" im Mittelpunkt.

Bei der Umsetzung des bundesweit geltenden Rahmenlehrplanes in den verschiedenen Bundesländern gibt es durchaus Unterschiede. Beispielhaft gezeigt wurde dies am Lernfeld "Pferdesportler ausbilden". In Bayern werden Theorie und Praxis in enger Zusammenarbeit mit dem bayerischen Reiter- und Fahrerverband verknüpft. Die theoretischen Grundlagen werden im Unterrichtsraum besprochen, die praktische Umsetzung findet in der benachbarten Olympiareitanlage München-Riem statt. Demonstriert wurde, wie die Schülerinnen und Schüler bei der Umsetzung der Reitlehre angeleitet werden. Dafür stehen in Bayern während des Blockunterrichts an zwei Nachmittagen drei Pferdewirtschaftsmeister für den Unterricht der Klassen zur Verfügung. Während ein Teil der Schülerinnen und Schüler reitet, unterrichten die anderen ihre Klassenkameraden. Dies wird im Video festgehalten. Auf dieser Grundlage erfolgt anschließend eine Auswertung für jeden Einzelnen.

Der Austausch unter den Lehrkräften zeigte, dass in manchen Bundesländern ähnliche Ansätze umgesetzt werden, während andere Standorte nicht über eine direkte Anbindung an eine entsprechende Pferdesportanlage und die personellen Ressourcen verfügen. Einigkeit bestand darüber, dass die Berufsschule im Bereich der Vermittlung von berufspraktischen Inhalten nicht zuständig ist. Vielmehr kann die Berufsschule nur ein ergänzendes Angebot umsetzen, um die unterschiedlichen Schwerpunkte der Ausbildungsbetriebe auszugleichen.

Die Exkursion zum Haupt- und Landgestüt Schwaiganger mit knapp 300 Pferden der Rassen Haflinger, Süddeutsches Kaltblut und Warmblut ermöglichte den Teilnehmern Einblicke in moderne Pferdezucht und -haltung. Bei der Führung durch die Stallungen und über das Gelände erläuterte Landstallmeister Dr. Eberhard Senckenberg Zielsetzungen seiner züchterischen Arbeit in den vergangenen zwei Jahrzehnten und informierte über geplante Veränderungen im Bereich des Gestüts. Bei ihrem Besuch erhielten die Lehrkräfte auch konkreten Einblick in die Ausbildungstätigkeit des Haupt- und Landgestüts. Auszubildende simulierten eine Prüfungssituation im für die Fachrichtung "Pferdehaltung und Service" relevanten Sperrfach "Kundenberatung". Dabei gelang es den angehenden Pferdewirten ihre berufliche Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen und deutlich zu machen, wie wichtig es ist, Kunden in verständlicher Art und Weise zu beraten.

Im Mittelpunkt des zweiten Netzwerktages standen Informationen über neue Erkenntnisse in der Pferdefütterung. Prof. Dr. Hans Schenkel von der Universität Hohenheim stellte die Gründe für eine neue Festlegung der Bedarfswerte für Pferde dar. Die Energiebewertung wurde umgestellt von der verdaulichen auf die umsetzbare Energie. Eine weitere wesentliche Änderung betrifft die Verwertung des Eiweißes. Dabei ist die Betrachtung einzelner Aminosäuren und deren Verdaulichkeit im Dünndarm berücksichtigt.

Bisher wurden nur wenige Unterscheidungen hinsichtlich des vom Körpergewicht abhängigen Erhaltungsbedarfs und dem Leistungsbedarf, differenziert in leichte, mittlere und schwere Arbeit, vorgenommen. Die Gliederung der Leistung in verschiedene Komponenten wie die Rasse, das Alter, die körperliche Verfassung, das metabolische Körpergewicht, den Body Condition Score (BCS) usw. sind Gesichtspunkte, die künftig bei der Pferdefütterung stärkere Beachtung finden sollen.

Wie setzen wir die Veränderungen im Unterricht um? Welche Werte können Grundlage für Berechnungen im Unterricht sein? Wie kann verhindert werden, dass Theorie und Praxis nicht widersprüchlich sind? Diese und ähnliche Fragestellungen wurden von den Pädagogen sehr angeregt diskutiert.

Quelle: Roland Dörr, Berufliche Schule Münsingen