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Agrarlehrer tagten: Mehr Ökolandbau in der Ausbildung

12.06.2018

Gruppenfoto
Die Veranstaltungsteilnehmer der Bundesringtagung auf dem weiträumigen Bildungscampus, Quelle: Günter Denninger

Nicht zuletzt wegen der wachsenden Bedeutung des ökologischen Landbaus ist aus Sicht des Bundesrings Agrarwirtschaftlicher Berufsschullehrer (BAB) die Modernisierung und die Vereinheitlichung des berufsschulischen Lehrplans auf Bundesebene dringend geboten. Was bedeutet dies für die Lehrerbildung?

Über diese und andere Fragestellungen diskutierten 17 Lehrkräfte für berufliche Schulen der Landwirtschaft bei der jüngsten Bundesringtagung im Mai im beruflichen Bildungszentrum in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern). In der Abteilung Landwirtschaft werden dort Tierwirte, Forstwirte und Fachkräfte für Agrarservice ausgebildet.

Zunehmendes Umweltbewusstsein der Verbraucher lässt die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln weiterhin stark steigen. Die Bundesregierung strebt daher an, die Anbaufläche, die nach Regeln des ökologischen Landbaus bewirtschaftet wird, von derzeit circa zehn Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen auf 20 Prozent zu erhöhen. Daraus erwächst ein Qualifizierungsbedarf der agrarwirtschaftlichen Fachkräfte in der Aus- und Weiterbildung, den Bettina Stiffel vom Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau in Niedersachsen (KÖN) beschrieb. Sie ist Mitarbeiterin im Projekt "Mehr Ökolandbau in der Aus- und Weiterbildung von Landwirten, Gärtnern und Winzern". Im Auftrag des Bundeministeriums für Landwirtschaft und Ernährung (BMLE) analysiert ihre Arbeitsgruppe, in welchem Umfang die Thematik "Ökologische Landbau" in der Ausbildung- und Weiterbildung vermittelt und geprüft wird (s. B&B Agrar 3-2017, Online-Spezial). Erste Ergebnisse zeigen, dass der Blick auf die Länderlehrpläne einen Flickenteppich ergibt. In den meisten Bundesländern sind die über 20 Jahre alten Bildungspläne gültig. Und da spielt die Thematik "Ökolandbau" nur eine untergeordnete Rolle. Vor allem Bayern (neuer Lehrplan) und Hessen (Ergänzungen zum bestehenden Lehrplan) integrieren den Themenkomplex stärker in den Berufsschulunterricht. Natürlich sollte, so Bettina Stiffel, Ökolandbau auch Gegenstand der überbetrieblichen Ausbildung sowie bei den praktischen Abschlussprüfungen sein. Im Juli führt die Arbeitsgruppe in Baden-Württemberg ein Dialogforum "Ökolandbau" durch, zu dem die Akteure der landwirtschaftlichen Bildung geladen werden.

Vernetzung

Die weitere Vernetzung mit den Bildungsakteuren in der Agrarwirtschaft ist eines der zentralen Ziele des Bundesrings, um im Bereich der beruflichen Bildung als kompetenter Partner wahrgenommen zu werden. So konnten bei der jüngsten Tagung mit Martin Lambers vom Deutschen Bauerverband (DBV), Laura Lafuente vom Zentralverband Gartenbau (ZVG) sowie Gerd Alscher und Dr. Gisela Spangenberg von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fachschulleiter zahlreiche Kooperationspartner begrüßt werden. Fragen zur Gewinnung von Berufsnachwuchs, Qualitätssicherung der Aus- und Weiterbildung sowie Qualifizierung und Gewinnung von Lehrkräften treiben alle Bildungsakteure um und wurden intensiv diskutiert.

Agrarlehrerausbildung

An dieser Diskussion beteiligten sich auch Dr. Heidi Müller-Weichbrodt, Humboldt Universität zu Berlin, und Antje Eder, Technische Universität München, als Vertreterinnen der universitären Lehrerausbildung. Es zeigt sich, dass es gerade in der Ausbildung von Agrarlehrern erhebliche Unterschiede gibt. Während Bayern und Berlin auf ein grundständiges Agrarlehrer-Studium setzen, werden in vielen Bundesländern Agrarwissenschaftler nur über das Referendariat pädagogisch qualifiziert oder erhalten über den Direkteinstieg nur eine pädagogische Zusatzqualifikation. Gerade im Bereich der Lehrerausbildung gibt es nach Ansicht der Veranstaltungsteilnehmer einen großen Handlungsbedarf. Für die nächsten fünf Jahre sagen alle Experten für den Berufs- und Fachschulbereich einen hohen Lehrerbedarf voraus, weil eine Pensionierungswelle zu erwarten ist.

Antje Eder (TUM München) hat die Einführung der neuen Lehrpläne in Bayern (Grundstufe 2016) im Ausbildungsberuf "Landwirt/-in" wissenschaftlich begleitet. Sie berichtete, dass die einzelnen Berufsschulen von Anfang an der Lehrplanentwicklung beteiligt waren (Bottom-Up-Verfahren) und während der Implementierungsphase durch Umsetzungshilfen und laufende Lehrerfortbildungen unterstützt wurden. Unterrichtsmaterialien für das Lernfeldkonzept wurden entwickelt und der bayernweite Austausch der Unterlagen initiiert. Im Feedback gab es von den Lehrkräften viel Lob für den neuen Lehrplan. Dies führte Antje Eder nicht nur auf die inhaltliche Modernisierung zurück, sondern auch auf die Einbindung der Lehrkräfte in den Prozess (Transparenz) und auf die intensive Lehrerfortbildung.

Digitalisierung

Mit Blick auf das Zukunftsthema Digitalisierung stellten Carsten Lindner und Dr. Gerd Over fest, dass die Ausstattung der Schulen und die pädagogischen Umsetzungskonzepte vielfach unzureichend seien. Gerade in der Agrarwirtschaft mit bundesweit geringen Schülerzahlen sei es daher für Verlage wirtschaftlich nicht sehr lukrativ, zum Beispiel Software für die Agrarberufe zu entwickeln.

Ausbildungszahlen

Insgesamt berichten die Agrarlehrer aus den Bundesländern von konstanten Ausbildungszahlen, allerdings häufig mit dem Hinweis auf das "relativ niedrige Niveau". In einigen Ländern führt die Konzentration von Schulstandorten zu langen Anfahrtswegen für die Auszubildenden, was wiederum zu sinkenden Ausbildungszahlen in diesen Berufen führt. Auszubildende für den Agrarbereich sind in allen Regionen gesucht; lediglich im Garten- und Landschaftsbau gelingt es, durch gute Rahmenbedingungen genügend Nachwuchs zu gewinnen.

Quelle: Günter Denninger, Bundesvorsitzender Bundesring Agrarwirtschaftlicher Berufsschullehrer (BAB)