Artikel herunterladen

pdf, 306 KB
Download

Die empirische Erhebung zu den Bedarfen und dem Nutzen digitaler Möglichkeiten fand im Februar und März dieses Jahres statt und bildet die Grundlage für das Teilprojekt "Wissenstransfermanagement zur zielgruppengerechten Aufarbeitung von Erkenntnissen der digitalen Landwirtschaft (WiLan)" im Rahmen des Projekts "Betriebliches Datenmanagement und Farm Management Information Systems (FMIS)" (s. Infokasten). Ziel ist es dabei, Möglichkeiten und Empfehlungen für ein sicheres sowie selbstbestimmtes Datenmanagement in der Landwirtschaft aufzuzeigen. Durch Praxistests von digitalen Markttechnologien in den Bereichen Waren-, Maschinenmanagement und digitales Agrarbüro sowie durch gezielten Wissenstransfer sollen praktikable Lösungen entwickelt werden.

Das Teilprojekt WiLan zielt darauf ab, Bildungsangebote optimal an den Bedarf der Zielgruppen anzupassen. Gemeinsam mit dem Auftragnehmer, der agrathaer GmbH in Müncheberg, soll ein Portfolio an Bildungsangeboten entwickelt, evaluiert und erstellt werden. Diese Bildungsangebote richten sich an Auszubildende, Fachschülerinnen und -schüler, Meisteranwärterinnen und -anwärter, Studierende, Technikerinnen/Techniker, Lehrkräfte, Ausbildende sowie landwirtschaftliche Betriebe. Für einen effizienten Wissenstransfer sind die Erfassung sowie die Analyse der Bedarfe und des Nutzens von digitalen Möglichkeiten in der Landwirtschaft essenziell.

Bedarfsanalyse

Es wurde eine quantitative Online-Umfrage durchgeführt, um Informationen zu digitalen Themen, spezifischen digitalen Anwendungen, Kommunikationskanälen und bekannten Wissenstransfer-Strukturen zu sammeln. Die Umfrage umfasste elf Fragen und wurde von 298 Personen aus den Bereichen landwirtschaftliche Unternehmen sowie Aus-, Fort- und Weiterbildung beantwortet (85 Studierende, Meisteranwärterinnen/Meisteranwärter, Technikerinnen/Techniker und Fachschülerinnen/Fachschüler, 25 Lehrkräfte, 58 Betriebsleitende, 53 Inhaberinnen/Inhaber, 41 Mitarbeitende und 36 Führungskräfte).

Die Umfrage ergab, dass die größten Informations- und Bildungsdefizite in den Bereichen "Vernetzung von Software", "digitales Warenmanagement" und "digitales Agrarbüro" bestehen (s. Abbildung 1). Diese Defizite wurden von allen Teilnehmergruppen festgestellt, wobei die Zielgruppe "Aus-, Fort- und Weiterbildung" besonders betroffen war. Hier lagen die prozentualen Werte über dem Durchschnitt, was auf einen erhöhten Bedarf an spezifischen Bildungsangeboten in diesen Bereichen hinweist.

Die am häufigsten genutzten Bildungsangebote in der Zielgruppe "Aus-, Fort- und Weiterbildung" waren:

  • Winterschulungen (62 Prozent),
  • Videos (59 Prozent),
  • Vorträge (59 Prozent),
  • Feldtage (53 Prozent).

In der Zielgruppe „Landwirtschaftliche Betriebe“ sah die Rangfolge der genutzten Bildungsangebote wie folgt aus:

  • Winterschulungen (65 Prozent),
  • Vorträge (54 Prozent),
  • Feldtage (40 Prozent),
  • Artikel (31 Prozent).

Die Befragung zu den Bildungsangeboten, die gern in der Zielgruppe „Aus-, Fort- und Weiterbildung“ genutzt würden, zeigte eine Präferenz für interaktive Bildungsangebote. Die Rangfolge der gewünschten Angebote war:

  • Apps (57 Prozent),
  • Winterschulungen (46 Prozent),
  • Workshops (43 Prozent),
  • Feldtage (40 Prozent).

Bei der Zielgruppe „Landwirtschaftliche Betriebe“ ergab sich folgende Rangfolge:

  • Winterschulungen (85 Prozent),
  • Vorträge (77 Prozent),
  • Apps (65 Prozent),
  • Feldtage (64 Prozent),
  • Workshops (55 Prozent).

Auf die Frage "Über welche Kanäle nutzen Sie Bildungsangebote?" entfielen 147 Antworten mit insgesamt 284 Nennungen. Rund zwei Drittel aller Nennungen verteilten sich auf die beiden Kanäle: Fachzeitungen/-presse (98) und Social Media (80), wie TikTok, Instagram sowie YouTube. Weitere Kanäle mit über zehn Nennungen waren: LfULG und Hersteller/Händler (s. Abbildung 2).

Digitale Formate stärken

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass es einen klaren Bedarf an erweiterten und modernen Bildungsangeboten gibt, insbesondere in den Bereichen Softwarevernetzung, digitales Warenmanagement und digitales Agrarbüro. Für einen effektiven Wissenstransfer sollten daher verstärkt interaktive und digitale Bildungsformate entwickelt und angeboten werden. Dies würde nicht nur den aktuellen Bedürfnissen der landwirtschaftlichen Betriebe gerecht werden, sondern auch die zukünftige Entwicklung und Digitalisierung der Landwirtschaft unterstützen.

Für einen effizienteren und zielgerichteten Wissenstransfer im Bereich digitaler Strategien und Erkenntnisse in der Landwirtschaft sollten zukünftig interaktive Bildungsangebote wie Apps und Workshops verstärkt berücksichtigt werden. Die bisherigen Bildungsangebote wie Winterschulungen und Feldtage behalten zwar ihre Bedeutung, jedoch zeigt sich eine klare Tendenz hin zu moderneren, interaktiven Formaten. Überlegenswert erscheint, im Bildungsangebot Winterschulung das Format Workshop zu integrieren.

Abschließend lässt sich festhalten, dass das Projekt "Betriebliches Datenmanagement und FMIS" wertvolle Erkenntnisse und Empfehlungen für ein sicheres und selbstbestimmtes Datenmanagement in der Landwirtschaft liefert. Durch die Kombination von Praxistests, Wissenstransfer und einer umfassenden Bedarfsanalyse können zielgerichtete Bildungsangebote entwickelt werden, die den aktuellen und zukünftigen Anforderungen der landwirtschaftlichen Betriebe entsprechen.


Machbarkeitsstudie

Am Projekt "Betriebliches Datenmanagement und FMIS" (Laufzeit: 2019 bis 2024) sind vier Projektbetriebe sowie zwei Referenten des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) beteiligt. Zu Beginn des Projekts wurde eine geeignete Methode zur Ist-Analyse der Datenströme in den Projektbetrieben entwickelt. Diese partizipative Ist-Analyse ermöglichte eine detaillierte Erfassung der aktuellen Datenflüsse und legte den Grundstein für die Projektion der Wunschsituation sowie die Priorisierung der einzelnen Schwerpunkte und Ziele. In einem Workshop mit einer größeren Anzahl von Landwirten wurden diese Schwerpunkte und Ziele diskutiert und abgestimmt; die Ergebnisse mündeten in ein Positionspapier.

Im Rahmen des Projekts wurden verschiedene am Markt verfügbare digitale Technologien in den Funktionsbereichen Warenmanagement, Maschinenmanagement und digitales Agrarbüro getestet. Diese Tests dienten dazu, die Machbarkeit und den Nutzen der Technologien in der Praxis zu evaluieren. Eine Machbarkeitsstudie zum Thema "Betriebliches Datenmanagement und FMIS in sächsischen Landwirtschaftsbetrieben" lieferte wertvolle Erkenntnisse und Empfehlungen für die Implementierung digitaler Lösungen.