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Ein nachhaltiger Umgang mit der Ressource Boden ist für grüne Betriebe essenziell. Politische Vorgaben wie die Ackerbaustrategie 2035 (s. https://www.praxis-agrar.de/pflanzenbau/ackerbaustrategie) verstärken den Druck, Bodenschutz noch intensiver in die landwirtschaftliche Bewirtschaftung sowie in die Qualifizierung der (angehenden) Fachkräfte einfließen zu lassen. Bodenschutz, Humusmanagement und nachhaltige Bodenbearbeitung sind daher bereits seit Jahren feste Lehrplaninhalte an Berufsschulen und Universitäten. Für landwirtschaftliche Praktikerinnen und Praktiker gibt es inzwischen zahlreiche Beratungsangebote, die zeigen, wie sich Böden ertragreich bewirtschaften lassen, ohne ihre Fruchtbarkeit und Gesundheit zu gefährden. Durch den Bund oder die EU geförderte Programme (s. auch Beitrag zu EU-Projekt „TRAILS4SOIL“ im Juli 2026 auf der Plattform B&B Agrar) unterstützen den Transformationsprozess zu gesunden Böden, indem Beratungsleistungen für landwirtschaftliche Betriebe stark bezuschusst werden oder sogar kostenfrei erfolgen. Einer der bundesweiten Maßnahmen ist das sogenannte Modul 225 „Bodenschutz und Bodenfruchtbarkeit“. Es vermittelt praxisnahe Methoden zur standortangepassten Humuswirtschaft, zur Erosionsminderung und zur Optimierung der Fruchtfolge, um den Boden langfristig gesund und fruchtbar zu erhalten. Die Kosten der Beratung werden zu einem großen Teil aus Mitteln der EU durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) sowie durch Kofinanzierungen von Bund und Ländern getragen. Die genaue inhaltliche Ausgestaltung und Umsetzung obliegen den jeweiligen Bundesländern.

Baden-Württemberg: Geförderte Beratungen

In Baden-Württemberg ist der Infodienst Landwirtschaft, Ernährung, Ländlicher Raum, das zentrale Fachportal der Landwirtschaftsverwaltung in Baden-Württemberg (alternativer Name: Beratung.Zukunft.Land) für die generelle Beratung und Information zuständig. Die Beratungsleistungen vor Ort in den Betrieben werden vorrangig aber nicht durch ihn oder andere staatliche Stellen durchgeführt, sondern von zugelassenen, nicht staatliche Beratungsorganisationen. Die Beratungsunternehmen können über die Webseite www.beratung-bw.de gesucht werden. Soll eine durch Fördermittel finanzierte Beratungsleistung in Anspruch genommen werden, so finden Interessenten über das Portal einen für ihren Standort zuständigen Berater. Die Bioland Beratungsdienst GmbH ist mit ihren regionalen Standorten der größte private Beratungsanbieter in Baden-Württemberg zum Thema Bodenschutz und Bodenfruchtbarkeit.

Bayern: Breites Angebotsspektrum

In Bayern werden die Beratungsangebote zu Bodenschutz und Bodenbearbeitung primär von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) sowie dem Kuratorium für die Beratung der bayerischen Landwirtschaft (LKP) wahrgenommen. Am Beispiel des Freistaates zeigt sich das mittlerweile sehr weite Spektrum an unterschiedlichen Methoden und Instrumenten der Beratung und Wissensvermittlung. Eher konventioneller Art sind die „Agrarökologischen Lehr- und Erlebnispfade“ der LfL sowie die vom Bayerischen Landesamt für Umwelt eingerichteten „Bodenlehrpfade“. Hier können Böden praxisnah erlebt werden, Lehrstationen informieren zu Bodentypen, Entstehungsgeschichte und Nutzungseignung. Weiterhin gehört der „Bodenkoffer“ dazu, mit dem Bodenstruktur, -art und -leben direkt vor Ort untersucht werden können.

Kern der Wissensvermittlung der LfL sind nach wie vor Veranstaltungen, Arbeitskreise und Vorträge. Hinzugekommen sind digitale Tools, um unter anderem junge Leute (aber nicht nur diese), wie Auszubildende, Studierende und Junglandwirte oder Junglandwirtinnen, noch effektiver adressieren zu können. Der zuständige Ansprechpartner des LfL, Florian Ebertseder, erklärt: „Wir erarbeiten Handlungsempfehlungen für den Bodenschutz und bringen diese zunehmend auch durch das Internet in die Praxis. So hat die LfL nun einen Auftritt auf Instagram sowie einen Newsletter und einen Kanal auf YouTube, der abonniert werden kann.“ Ganz besonders populär seien, so Ebertseder, der „Regensimulator“ und die App „ABAG Interaktiv“. „Beim Simulator handelt es sich um ein mobiles Versuchsgerät, das Starkregenereignisse simuliert und mit dessen Hilfe Bodenerosion, Wasseraufnahme und die Schutzwirkung verschiedener Bodenbedeckungen praxisnah aufgezeigt werden können. Mit dem ‚ABAG interaktiv‘, ABAG steht für ‚Allgemeine Bodenabtragsgleichung‘, können Landwirtinnen und Landwirte das Erosionsrisiko ihrer Felder besser einschätzen und darauf aufbauend standortgeeignete Fruchtfolgen bestimmen.“

Das bayerische Landwirtschaftsministerium bietet darüber hinaus mit den „Hoffluencern“ einen weiteren Online-Service, der vor allem auf junge Leute zugeschnitten ist. Hierbei handelt es sich um Unternehmer und Unternehmerinnen aus unterschiedlichen grünen Berufen, die auf Social-Media-Kanälen wie Instagram oder Facebook authentische Einblicke in ihre tägliche Arbeit geben. Junge Leute erhalten somit viele Tipps und Ratschläge für die erfolgreiche betriebliche Praxis – inklusive der nachhaltigen Bodenbewirtschaftung.

Sachsen: Betriebsplan Natur

In Sachsen zeigt der „Betriebsplan Natur“, wie Landwirtschaft und Naturschutz kooperieren und voneinander profitieren können. Dieser Plan wurde vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG Sachsen) entwickelt und 2008 eingeführt. In einem gemeinsamen Abstimmungsprozess werden Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung des Gesamtbetriebs zwischen dem landwirtschaftlichen Praktiker und einem Fachexperten entwickelt. Aktuell nehmen 71 Betriebe an dem Programm teil, die insgesamt über 60.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche bewirtschaften.

Das LfULG führt weiterhin regelmäßig einschlägige Seminare durch, darunter die „Bodenschutz – Grundlagen“, die Informationen zu Bodenkarten, Bodenfunktionen und nachhaltiger Bodenbewirtschaftung vermitteln. Jährlich finden auch spezifische Veranstaltungen für Studierende der Fach- und Hochschulen sowie Auszubildende an den Berufsschulzentren statt.

Dr. Kerstin Jäkel vom Fachreferat Pflanzenbau des LfULG Sachsen erläutert: „Studierende und Auszubildende kommen aber nur zu uns und zu unseren Fachtagen, wenn die ausbildende Stelle das organisiert.“ Im Fokus der Behördenarbeit liege in erster Linie die Forschung und Wissensvermittlung für Landwirte und Landwirtinnen. Jäkel: „Für besondere Fälle hat der Freistaat darüber hinaus ein spezialisiertes Unternehmen beauftragt, welches die Landwirtinnen und Landwirte beim Bodenschutz ausführlich berät.“

Niedersachsen: Beratung für Extremböden

Die Herausforderungen des Bodenschutzes sind in Zeiten des Klimawandels auch schon bei landwirtschaftlich wertvollen Böden groß. Noch mehr ist dies bei Grenzertragsböden der Fall, bei denen eine agrarwirtschaftliche Nutzung vor der Einführung des Kunstdüngers kaum oder gar nicht möglich war. Moorböden kommen vor diesem Hintergrund zusätzlich eine gesellschaftlich besonders große Bedeutung zu, weil sie wie keine andere Bodenart die negativen Folgen des Klimawandels aufgrund ihrer ausgeprägten Fähigkeit, Treibhausgase zu binden, reduzieren helfen.

Die „Landwirtschaftliche Moorschutzberatung Elbe-Weser" ist ein neues Beratungsangebot der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für die Landkreise Cuxhaven, Osterholz, Rotenburg (Wümme) und Stade – Regionen, die immer noch verhältnismäßig großen Moorflächen aufweisen. Sie soll als zentrale Anlaufstelle fungieren, um Moorbewirtschaftung, Klimaschutz und Naturschutz zu verbinden – etwa durch Wiedervernässung. Betriebe erhalten zunächst eine erste Orientierung über möglichen Maßnahmen und Fördermöglichkeiten. Wenn sie in der Folge eine konkrete Maßnahme durchführen wollen, helfen ihnen hierfür besonders qualifizierte Berater und Beraterinnen weiter. Auch speziell für Junglandwirtinnen und Junglandwirte und Auszubildende sollen in naher Zukunft spezifische Angebote vorliegen. Wolfgang Ehrecke, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, erläutert: „Ein allgemeines niedersachsenweites Instrument besteht derzeit zwar noch nicht. Gegenwärtig hat die Landwirtschaftskammer im Rahmen eines Projektauftrages aus der Zukunftsregion Moorregion Elbe-Weser aber für vier Landkreise die Aufgabe bekommen, ein Vortragsangebot zum Thema Landwirtschaftlicher Moorschutz für Auszubildende und Meisterschüler zu erarbeiten. Zudem behandeln die Berufsschulen in Regionen mit Moorböden das Thema Boden und es ist ebenfalls wichtiger Bestandteil bei regionalen Feldtagen für die Azubis.“

Bodenlotsen und -praktiker

Wie können die Landwirtinnen und Landwirte selbst zu fachlich Beratenden für ihre Kollegen und Kolleginnen werden? Zum Beispiel, indem sie sich zu Bodenlotsen und Bodenpraktikern ausbilden lassen. Ein Träger für diese Weiterqualifizierung ist die Akademie der Maschinenringe, die vom Bundesverband der Maschinenringe e.V. gegründet wurde. Sie dient als zentrale Bildungsplattform für die rund 230 regionalen Maschinenringe in Deutschland und deren Mitgliedsbetriebe.

Bei den Ausbildungen zum Bodenlotsen und -praktiker handelt es sich um eine Kooperation des Maschinenrings mit der Initiative „BODEN.BILDUNG“ der Bioland Stiftung (s. auch Beitrag zur Initiative „BODEN.BILDUNG“ im Juli 2026 auf der Plattform B&B Agrar). Die ausgebildeten Bodenlotsen sollen, so die Träger, „als Multiplikatoren agieren, um das Verständnis für die Ressource Boden in der Landwirtschaft und der Öffentlichkeit zu stärken“. Bei der Fortbildung zum „Bodenpraktiker“ lernen Landwirtinnen und Landwirte vor allem, wie sie ihre Böden auch bei den heutigen und zukünftigen klimatischen Veränderungen fruchtbar und gesund erhalten. Den Kursteilnehmenden wird beigebracht, Böden physikalisch, chemisch und biologisch zu analysieren, zu bewerten und eigene Verbesserungsstrategien für ihren Betrieb zu entwickeln. Die Fortbildung erstreckt sich über ein Jahr, umfasst Praxistage auf landwirtschaftlichen Betrieben, Online-Seminare und den Erfahrungsaustausch. Termine unter bodenbildung.org .


Links

Akademie der Maschinenringe: https://akademie.maschinenring.de

Initiative BODEN-BILDUNG: https://bioland-stiftung.org/boden-bildung/

Erosionsschutz-App ABAG-Interaktiv des Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): https://abag.lfl.bayern.de/

Regensimulator des Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): https://www.youtube.com/watch?v=PzjiubMdygY 

Infodienst Landwirtschaft Baden-Württemberg: https://www.landwirtschaft-bw.de/Lde/Startseite 

Suchportal Beratungsunternehmen: https://www.beratung-bw.de 

Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Sachsen: https://www.lfulg.sachsen.de/ 

Bodenschutz in Sachsen: https://www.boden.sachsen.de/bodenfunktionen-und-bodenschutz-17816.html