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WiN ist die Abkürzung für Weiterbildung im Netzwerk für Frauen im Agrarbereich. Das Weiterbildungsangebot gibt es bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen seit 17 Jahren. WiN entwickelte sich aus den damaligen regionalen Arbeitsgemeinschaften für Frauen in der Landwirtschaft heraus, die bis heute eine wichtige Zielgruppe bilden. Aber auch Männer, die Interesse an den vielseitigen Themen haben, sind willkommen.

Ziel und praktische Umsetzung

Ziel der Weiterbildung ist es, insbesondere Frauen für aktuelle Herausforderungen in Landwirtschaft und Gartenbau zu stärken. Studien belegen, dass Frauen sehr häufig im Agrarbüro arbeiten. Laut einer bundesweiten Studie aus dem Jahr 2022 sind 62 Prozent der Frauen für das Büro zuständig (Thünen-Institut, 2022). Frauen möchten gut informiert sein, um ihre Aufgaben sicher und kompetent zu bewältigen. Dafür brauchen sie Lerninhalte, die praxisnah sind und sich flexibel sowie möglichst unkompliziert in den Alltag einfügen lassen. Mit WiN wird allen Anforderungen Rechnung getragen. 

Kurze Online-Seminare mit kompakten Inhalten kommen der Lebens- und Arbeitssituation der Zielgruppe entgegen. Bei der Themenauswahl stehen die Frauen und ihre konkrete Aufgabensituation an der Schnittstelle Familie und Betrieb an erster Stelle. Ebenso wichtig ist der fachliche Austausch, der durch kurze Vorträge mit anschließender Fragerunde ermöglicht wird. Ein interner Kriterienkatalog, der die Anforderungen an ein WiN‑Seminar definiert, ist ein hilfreicher Kompass bei der Planung.

Ein sechsköpfiges Team konzipiert das WiN-Programm für ein Jahr. Das heißt: Rund 50 Veranstaltungen werden geplant, im WiN-Programm für NRW angekündigt und im Folgejahr durchgeführt. Alle Veranstaltungen werden Ende November veröffentlicht und können online gebucht werden. Jede Mitarbeiterin aus dem WiN-Team ist für die Betreuung ihrer eigenen WiN‑Seminare verantwortlich.

Vielfalt im Abonnement

Das Herzstück von WiN ist das Abonnement. Mit dem WiN-Abo können beliebig viele Seminare aus dem aktuellen Jahresprogramm ausgewählt und gebucht werden. Dank der Online-Formate gibt es dabei in der Regel keine Teilnahmebegrenzung. Zusätzlich sind auch Einzelbuchungen möglich. Das sind die Themenbereiche bei WiN:

  • Büro, Organisation, Digitalisierung;
  • Dokumentationspflichten, Agrarförderung;
  • persönlichkeitsbildende Themen, Kommunikation;
  • Betrieb, Einkommensalternativen, Finanzen, Steuern;
  • Gesundheit, Ernährung, Arbeitssicherheit.

In den Kreisen Borken und Coesfeld gibt es ein zusätzliches Angebot: feste Gruppen, die sich in Präsenz treffen, eigene Veranstaltungen durchführen und darüber hinaus das gesamte WiN‑Programm nutzen dürfen. Gemeinschaft und Austausch stehen hier im Mittelpunkt.

Büroarbeit im Fokus

Drei weitere Angebote ergänzen WiN und unterstützen Frauen, insbesondere bei der Büroarbeit: 

  • Newsletter: Die Website Netzwerk-Agrarbüro und der Agrarbüro-Newsletter, der dort kostenfrei abonniert werden kann (www.netzwerk-agrarbuero.de). Der Agrarbüro‑Newsletter ist mehr als ein gewöhnlicher Newsletter. Er übernimmt die Rolle eines digitalen Coaches, der praktische Impulse gibt und zur Umsetzung anregt. Wichtige Termine und Fristen sind ebenfalls enthalten – monatlich oder als Jahresübersicht im PDF-Format zum Download. Die Öffnungs- und Klickraten sind erfreulich hoch und zeigen, dass die Inhalte für die Empfängerinnen und Empfänger relevant sind.
  • Hof-Check: Der GQS NRW Hof-Check (GQS: Gesamtbetriebliche Qualitätssicherung) bietet für diejenigen eine hervorragende Hilfe, die sich einen individuellen gesamtbetrieblichen Überblick über alle Anforderungen von EU-Recht, Fachrecht und privatwirtschaftliche Systeme wie zum Beispiel QS- und QM-Milch wünschen. Der Hof-Check steht als Web-Anwendung oder als Programm eGQSNRW zum Download zur Verfügung (https://www.nrw.gqs-hofcheck.de). 
  • E‑Learning: Das Selbstlernangebot „Büromanagement im landwirtschaftlichen Unternehmen“ bietet Frauen, die flexibel sowie zeit- und ortsunabhängig lernen möchten, die Möglichkeit, sich gezielt für die Büroarbeit weiterzubilden (https://www.landwirtschaftskammer.de/netzwerk-agrarbuero/win-weiterbildung-im-netzwerk/e-learning.html). Es stehen 26 didaktisch aufbereitete Lernmodule mit Fokus auf die Büroarbeit zur Verfügung. Alle Module sind in kleine Kapitel gegliedert, die einen überschaubaren Lernaufwand ermöglichen. Konkrete Aufgabenstellungen regen dazu an, sich im Betrieb mit Verantwortlichen auszutauschen und bei Bedarf die Büroorganisation gezielt weiterzuentwickeln.

Thematische Dauerbrenner

Themen zur Absicherung gehören im WiN‑Programm immer dazu, weil sie für Frauen im Betrieb besonders wichtig sind. Viele Teilnehmerinnen haben die Finanzen des Betriebs fest im Blick. Das zeigen die hohen Anmeldezahlen zu Finanz‑ und Steuerthemen sowie zu Seminaren, in denen es um die praktische Umsetzung von Antragsverfahren geht, etwa zur EU‑Agrarförderung oder zum Agrardieselantrag.
Große Nachfrage gibt es auch bei neuen und aktuellen Themen wie Künstliche Intelligenz im Agrarbüro, digitalem Unterschreiben oder digitaler Belegablage. Ebenso beliebt sind die klassischen kurzen Online‑Seminare zu Aufräumen, Ablageorganisation und PC‑Anwendungen, die seit Jahren zuverlässig gut besucht sind.

Aktuelle Qualifizierungstrends

Auf Grundlage der Rückmeldungen aus WiN‑Seminaren, dem Agrarbüro‑Newsletter, eigenen Umfragen und dem Selbstlernangebot (E-Learning) zeichnet sich nun der nächste Schritt in der Bildungsarbeit für Frauen rund um das Agrarbüro ab. Gleichzeitig ist klar: Das Agrarbüro ist nicht ausschließlich „Frauensache“. Deshalb richtet sich das aktuelle Projekt „AgrarBüroCommunity“, das im Frühjahr 2026 startet, ausdrücklich an alle Interessierten.

Das Pilotprojekt, das ebenfalls durch eine Landesinitiative finanziert wird, verfolgt das Ziel, ein neues Online‑Format für alle auszuprobieren, die im Agrarbüro arbeiten. Der fachliche Input und mögliche Lösungsansätze kommen dabei ausschließlich von den Teilnehmenden selbst. 

Zwei Referentinnen der Landwirtschaftskammer NRW, beide mit langjähriger Erfahrung in der Bildungsarbeit, übernehmen die organisatorische und moderierende Rolle. Gleichzeitig soll das Projekt dazu beitragen, den Bedarf an zukünftigen Weiterbildungsformaten rund um das Agrarbüro zu identifizieren und darauf aufbauend zielgruppenspezifische Angebote zu entwickeln. 

Im Fachbereich Landservice, Regionalvermarktung hat Weiterbildung einen hohen Stellenwert. Neben den etablierten Lehrgängen in der Bauernhofpädagogik, an denen überwiegend Frauen, aber zunehmend auch Männer teilnehmen, entsteht ein neuer Lehrgang „Green Care“ zur Qualifizierung und Netzwerkbildung. Ergänzend wird eine Qualifizierung im Erlebnis‑ und Eventmarketing für landwirtschaftliche und direktvermarktende Betriebe entwickelt. Ziel ist es, neuen landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern sowie Mitarbeitenden praxisrelevantes Grundwissen zu vermitteln und den wertvollen Erfahrungsaustausch in Präsenz zu ermöglichen. 

Wie sich die kommenden Jahre entwickeln, bleibt offen. Der Trend zu größerer Flexibilität und zunehmend heterogenen Interessen setzt sich jedoch fort. Eine kontinuierliche Ausrichtung an den Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppen und die Anpassung an aktuelle Entwicklungen bleiben zentrale Herausforderungen für die Weiterbildung. Der Ausbau nischengerechter Angebote gewinnt daher weiter an Bedeutung.

Fazit: WiN ist ein starkes Netzwerk für Frauen im Agrarbereich. Aus früheren Arbeitsgemeinschaften für Frauen in der Landwirtschaft hat sich ein modernes Weiterbildungsnetzwerk entwickelt, das Frauen aus Landwirtschaft und Gartenbau gleichermaßen anspricht. Die Vielfalt der Interessen lässt sich heute gut über einen Veranstaltungspool abbilden, aus dem jede Teilnehmerin das passende Angebot wählen kann. Online‑Formate erleichtern die Teilnahme erheblich, weil so Weiterbildung möglich ist, ohne Hof, Kinder oder Altenteiler organisieren oder lange Wege zurücklegen zu müssen. Das kommt besonders jungen Frauen entgegen.

Die Erfahrungen zeigen, dass Teilnehmende bei fachlichen Themen in gemischten Gruppen gut miteinander arbeiten und voneinander lernen. Spezifische Weiterbildungsangebote für Frauen bleiben jedoch nach wie vor wichtig. Themen wie die eigene Absicherung, die Rolle als Hofnachfolgerin oder Betriebsleiterin, Finanzen und psychische Gesundheit oder das Netzwerken unter Gleichgesinnten profitieren von einem geschützten Rahmen, in dem ein persönlicher Austausch mit Fokus auf die spezifischen Rollen von Frauen möglich ist.


Literatur und Links

Thünen-Institut, Georg-August-Universität (2022): Studie zur Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Landwirtschaft Frauen.Leben.Landwirtschaft  https://www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/_laendliche-Regionen/Ehrenamt/policy-brief-frauen-leben-landwirtschaft.pdf?__blob=publicationFile&v=5 (Abruf:10.3.2026)

Informationen zu den Landesinitiativen NRW: https://www.landwirtschaftskammer.de/wir/projekte/initiativen/index.htm (Abruf:10.3.2026)