
Auszubildende, die gesellschaftliche Verantwortung im Rahmen der Ausbildung übernehmen, entwickeln wichtige soziale Kompetenzen wie Teamgeist, Flexibilität, Einfühlungsvermögen und Verantwortungsbewusstsein. Dies begünstigt den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung und lässt die Auszubildenden auch persönlich wachsen. Davon profitieren sie auch im späteren Berufsleben (s. Tabelle 1).

Geeignete Angebote finden
Die aktuelle Auszubildendengeneration hat eine starke Bindung an Werte wie Nachhaltigkeit, Vielfalt und Inklusion. Aufgrund dieser Werteorientierung sind Auszubildende durchaus motiviert, sich sozial zu engagieren. Sie benötigen hierfür allerdings geeignete Angebote. An diesem Punkt sind Ausbildungsverantwortliche gefragt: Sie können „Andockpunkte“ für soziales Engagement definieren und organisieren – und sollten dabei idealerweise die Interessenslage der Auszubildenden berücksichtigen. Möglicherweise ist der Ausbildungsbetrieb bereits auf unterschiedlichen Betätigungsfeldern engagiert, unter denen die Auszubildenden dann wählen können. Folgende Themen eignen sich beispielsweise für soziales Engagement:
- Mitarbeit bei Projekten des Umwelt- und Naturschutzes,
- ehrenamtliche Tätigkeit bei Sportvereinen, Feuerwehr oder Rettungsdiensten,
- Unterstützung von wirtschaftlich und/oder gesundheitlich hilfsbedürftigen Menschen,
- Beteiligung an Anti-Rassismus-Initiativen.

Es motiviert die Auszubildenden, wenn sie selbst Ideen beisteuern können, um die Aktivitäten eines sozialen Engagements zu entwickeln und auszugestalten. Allerdings haben die Auszubildenden erfahrungsgemäß vielfach recht aufwendige Einfälle, die für einen Ausbildungsbetrieb kaum zu realisieren sind, weil sie die organisatorischen und finanziellen Möglichkeiten des Unternehmens übersteigen.
Hier ist Pragmatismus gefragt: Auf keinen Fall sollte ein vorgebrachter Vorschlag einfach „abgeschmettert“ werden. Vielmehr ist es empfehlenswert, die Grundidee beizubehalten und bei der konkreten Ausgestaltung den Fokus auf regionales und/oder innerbetriebliches Engagement zu lenken. Damit kann sichergestellt werden, dass die Vorhaben auch realisierbar sind und nicht an der Frage der personellen beziehungsweise finanziellen Ressourcen scheitern. So bleiben auch die Auszubildenden motiviert – bei gleichzeitiger Steigerung der Machbarkeit. Tabelle 2 nennt dazu Beispiele. Je nach Unternehmensgegenstand und -größe sollte der Zeitaufwand für diese Aktivitäten in den Ausbildungsalltag integriert sein oder über zusätzlichen Urlaub/Freizeitausgleich abgegolten werden.

Ansatzpunkte innerhalb des Betriebs
Auszubildende können ihr soziales Engagement auch innerhalb des Ausbildungsbetriebes zeigen. Dort gibt es vielfältige Ansatzpunkte für sozial verantwortliches Handeln – bei einzelnen Personen oder bei unterschiedlichen Gruppierungen in der Belegschaft. Im direkten Gespräch oder über innerbetriebliche Umfragen kristallisieren sich schnell Betätigungsfelder heraus, welche für die anderen Betriebsangehörigen von Interesse sind und von ihnen als sinnvoll erachtet werden.
Für die Auszubildenden stellt es eine wichtige Erkenntnis dar, dass für echtes soziales Engagement nicht unbedingt externe Kooperationspartner oder exotische Schauplätze benötigt werden. Soziale Verantwortung kann auch im „Hier und Jetzt“ des Ausbildungsbetriebs entwickelt werden. Die Tabelle 3 zeigt Möglichkeiten, wie sich dies innerhalb des Unternehmens realisieren lässt. Auch hier versteht es sich von selbst, dass der zeitliche Aufwand für die genannten Aktivitäten nicht auf Kosten der Freizeit von Auszubildenden gehen sollte.

Vom „Ich“ zum „Wir“
Unter den genannten Voraussetzungen schafft das soziale Engagement nicht nur Nutzen für die beteiligten Auszubildenden, sondern auch in vielfacher Hinsicht für den Ausbildungsbetrieb:
- Auszubildende entwickeln eine erhöhte Loyalität zum Unternehmen, das ihnen diese außergewöhnlichen Lernerlebnisse bietet.
- Die erlangten sozialen Kompetenzen der Auszubildenden verbessern die Produktivität des Ausbildungsbetriebes.
- Der Zusammenhalt der Beschäftigten untereinander wird gestärkt.
- Kooperationspartner fühlen sich dem Ausbildungsbetrieb verbunden und sprechen gut über ihn.
- Das soziale Engagement wirkt sich insgesamt positiv auf die Wahrnehmung des Ausbildungsbetriebes in der Öffentlichkeit aus.




