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Dem Projekt zur Landesgartenschau in der Drachenstadt Furth im Wald im Naturpark Oberer Bayerischer Wald war ein schulinterner Wettbewerb vorausgegangen. Dabei sollten die gärtnerischen Auszubildenden in der Fachrichtung Zierpflanzenbau einen Themengarten rund um ein Tiny House planen. Die Aufgabe verlangte, dass die Besucherinnen und Besucher den Garten nicht sofort überblicken können, sondern ihn Stück für Stück entdecken. Das Siegerteam überzeugte mit dem Motiv „Der schlafende Drache“. Durch ein ausgeklügeltes Farb- und Höhenkonzept entstand der räumliche Eindruck eines schillernden, liegenden Drachens, dessen Körper aus fünf unterschiedlich gestalteten Beeten besteht. Jedes Beet verfolgte ein eigenes gestalterisches Konzept, das zusammen das Gesamtbild des Drachens bildete und gleichzeitig für Spannung sorgte, weil die Sichtlinien der Besucherinnen und Besucher bewusst unterbrochen wurden.

Planung und Durchführung

Die Projektphase begann mit einer intensiven Konzeptentwicklung. Die Auszubildenden erstellten Skizzen, definierten die räumliche Anordnung der Beete und legten die Farb- und Höhenverhältnisse fest. Das Höhenprofil wurde unterschiedlich angeordnet, um einen möglichst dynamischen Verlauf zu erzeugen.

Parallel zur konzeptionellen Arbeit erfolgte die Produktion der benötigten 6.000 Jungpflanzen. Die Kulturzeit erstreckte sich von Februar bis Mai, sodass die Pflanzen zum Zeitpunkt der Pflanzung bereits ein kräftiges Wurzelsystem entwickelt hatten. Eine erste Abhärtungsphase der Pflanzen wurde ab Ende April eingeleitet, damit eine optimale Standfestigkeit gewährleistet wurde.

Nach dem letzten Frost im späten April wurde die Bodenfläche vorbereitet: Ein lockerer Untergrund und das Aufschütten des Pflanzsubstrats mit einer optimalen Luftführung und Düngung sorgte für die ideale Basis der Bepflanzung. Die eigentliche Pflanzung erfolgte in den definierten Beeten, wobei die Anordnung so gewählt wurde, dass die Sichtlinien der Besucherinnen und Besucher gezielt gelenkt und die Spannung des Drachen-Motivs verstärkt wurde.

Herausforderungen und Lösungen

Die größte Herausforderung bestand darin, eine durchgehende Blüte über den gesamten Ausstellungszeitraum zu sichern, obwohl die klimatischen Bedingungen stark schwankten. Durch die Kombination von früh, mittel und spätblühenden Stauden und einjährigen Beet- und Balkonpflanzen konnte eine lückenlose Farbpalette erzielt werden, ohne dass einzelne Phasen der Trockenheit oder Kälte die Blüte unterbrachen.

Ein weiteres Problem war die Standfestigkeit der Bepflanzung bei windigen Frühsommer- oder Herbsttagen. Die Auswahl von Pflanzen mit tiefem, faserigem Wurzelsystem und die Verwendung eines Substrats, das sowohl hohe Wasserhaltekapazität als auch gute Drainage bietet, erwies sich als entscheidend. Eine Mulchschicht trug zusätzlich zur Bodenfeuchte bei und schützte die Pflanzen vor extremen Temperaturschwankungen.

Die räumliche Gestaltung des Gartens stellte zudem eine gestalterische Herausforderung dar: Die Besucherinnen und Besucher sollten den “Drachen” nicht sofort vollständig erfassen, sondern zum Umherwandern animiert werden. Durch das versetzte Höhenprofil und die gezielte Farbabstufung wurde dieses Ziel erfolgreich umgesetzt. Den Weg hin zum Tiny-House säumte das stilisierte Rückgrat des “Schlafenden Drachens”. Dieses wurde aus Weiden (Salix caprea) konstruiert und baute eine Brücke zum umliegenden Ufer des Chamb, eines Nebenflusses des Regen.

Ergebnisse und Erkenntnisse

Die Realisierung des Projekts war nur durch die enge Zusammenarbeit verschiedener Partner möglich. Firmen stellten die Kulturtöpfe beziehungsweise bewurzelten Jungpflanzen bereit und lieferten das spezielle Substrat. Materialspenden kamen vom Verband Garten und Landschaftsbau Oberpfalz und dem Bayerischen Gärtnerei Verband e. V. Das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus Bayern gewährte finanzielle Mittel, um das Projekt zu ermöglichen.

Der Themengarten „Der schlafende Drache“ erfüllte die Vorgaben der Dauerbepflanzung vollständig: Über 137 Tage blühte die Anlage ohne nennenswerte Lücken und die Pflanzen zeigten eine bemerkenswerte Standfestigkeit gegenüber Wind, Trockenheit und Frost. Die Besucherreaktionen bestätigten die gestalterische Zielsetzung – das räumliche Spannungserlebnis wurde positiv wahrgenommen und regte zu wiederholtem Besuchen an.

Gleichzeitig wurde eindrucksvoll demonstriert, wie ein angewandtes Lernfeld Projekt in der Ausbildung von Gärtnerinnen und Gärtnern der Fachrichtung Zierpflanzenbau/Garten- und Landschaftsbau erfolgreich umgesetzt werden kann. Durch die eigenständige Planung, Produktion und Pflege über den gesamten Ausstellungszeitraum hinweg haben die Auszubildenden praxisrelevante Kompetenzen in Projektmanagement, Pflanzenkunde und nachhaltiger Gartenbewirtschaftung erworben. Die gewonnenen Erkenntnisse hinsichtlich Pflanzenwahl, Substratnutzung und Bewässerungsstrategien bilden eine wertvolle Wissensbasis für zukünftige Gartenprojekte.