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Die Ausgangslage ist deutlich: 35 Prozent der Beschäftigten in der deutschen Landwirtschaft sind Frauen, aber nur neun Prozent der bayerischen Betriebe werden von einer Frau geführt – bundesweit sind es elf Prozent. Im Rahmen der Auftakt-Pressekonferenz Anfang Januar haben der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Günther Felßner und Landesbäuerin Christine Singer das Konzept der LandFrauen im Bayerischen Bauernverband zum UN-Jahr der Landwirtin 2026 vorgestellt. Ziel ist es, die bayerische Landwirtschaft deutlich weiblicher zu machen und die Zahl der weiblichen Betriebsleiterinnen bis zum Jahr 2035 auf 20 Prozent zu erhöhen. Eine ambitionierte Vision. „Wir brauchen mehr Sichtbarkeit weiblicher Vorbilder, zielgerichtete Beratungs- und Coachingangebote, finanzielle Unterstützung und verlässliche Perspektiven“, erläuterte die Landesbäuerin das Konzept. Sie freut sich, dass so das Bewusstsein für Frauen in der Landwirtschaft gepuscht wird. „Frauen sind oft zurückhaltender und weniger mutig als Männer“, so Singer.

Rahmenbedingungen verbessern

Passend zum UN-Jahr der Landwirtin gibt es die neue Online-Fortbildungsreihe „Zukunft Landwirtschaft – Online-Impulse für landwirtschaftliche Unternehmerinnen“. Die Reihe bietet praxisnahe Informationen, bequem von zu Hause aus, ohne Anreise. Es geht um Themen zu Betriebsführung, Absicherung, Finanzen und Zukunftsstrategien. Stattgefunden haben im Februar bereits Online-Veranstaltungen zur Vorbereitung eines Finanzierungsgesprächs sowie zu Gesundheitsangeboten der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) für Frauen und Unternehmerinnen in der Landwirtschaft. Im März folgt ein Erfahrungsaustausch zum Absatzweg Außer-Haus-Verpflegung. Diese Veranstaltungen sollen den Teilnehmerinnen helfen, sich mehr zuzutrauen. „Gerade Frauen packen neue Dinge an, deshalb sind der Erfahrungsaustausch untereinander und die Vernetzung wichtig“, betont die Landesbäuerin. Gleichzeitig sieht sie große Herausforderungen: „Frauen waren immer schon eine tragende Säule der Landwirtschaft, aber ohne Mitspracherecht, Eigentum und soziale Absicherung.“ Diese Defizite sollen nun angegangen werden: Mutterschutz bei Selbstständigen, soziale Absicherung und auch Beratung zur Hofübernahme von Frauen – sind nur einige der Themen. Die Vereinbarkeit von Familie und Betrieb bleibt eine Schlüsselfrage. 

Bereits am 30. Oktober vergangenen Jahres hat der erste „Tag der landwirtschaftlichen Unternehmerin“ in Bayern stattgefunden. Der Deutsche LandFrauenverband (dlv) und die LandFrauen im Bayerischen Bauernverband wollten mit dieser Veranstaltung die unternehmerische Stärke und Sichtbarkeit von Frauen in der Landwirtschaft gezielt fördern. Im Mittelpunkt standen Fachvorträge, Workshops und Talkrunden zu Betriebsführung, Hofübernahme und Digitalisierung. „Mit 50 Teilnehmerinnen aus allen Regionen Bayerns ein sehr erfolgreicher und längst überfälliger Tag“, resümiert Singer. Der Tag hat auch gezeigt, dass der Bedarf an Austausch, Weiterbildung und Vernetzung groß ist. Es waren viele neue landwirtschaftliche Unternehmerinnen dabei. „Auch hier wurde deutlich, dass Frauen oft lukrative Betriebszweige führen, aber ohne eigenes Eigentum.“ Für den ländlichen Raum entwickeln sich durch das Engagement der Unternehmerinnen positive Chancen: für mehr Leben, mehr Gemeinschaft und mehr Arbeitsplätze.

Chancengleichheit fördern

Die Bildungsaktivitäten des Rheinischen LandFrauenverbands (RhLV) gehen über das „Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft“ hinaus. Das Leitthema für die Jahre 2025 bis 2027 lautet: „Freiheiten wahrnehmen – Verantwortung übernehmen“ – und damit sind Gesellschaft und jede Einzelne angesprochen. Jedes Jahr hat einen anderen Schwerpunkt. 

2025 war es „Frauen und Finanzen“, 2026 ist es „Frauen und Parität“ und 2027 wird es „Frauen und Gesundheit“ sein“. Die deutschlandweite, 2023 veröffentlichten Studie zur Situation von Frauen in der Landwirtschaft hatte besondere Belastungssituationen identifiziert; deshalb wird es im kommenden Jahr konkrete Angebote zu Fürsorge- und Vorsorgemaßnahmen geben.

Beim aktuellen Jahresthema „Frauen und Parität“ geht es um Gleichberechtigung – im landwirtschaftlichen Betrieb, aber auch bei gesellschaftlichen und politischen Entscheidungen. „Für uns ist das ein unglaublich wichtiges Thema“, betont RhLV-Präsidentin Jutta Kuhles. „Wir LandFrauen werden uns 2026 für Chancengleichheit und Parität einsetzen. Frauenpolitik heißt, gleichberechtigte Teilhabe sichern!“ In vielen Bereichen sind Frauen immer noch benachteiligt. Genauso bedeutsam wie die Frauenpolitik sei es daher auch, genügend Frauen in die Politik zu bekommen, um diese Lücken zu minimieren.

Die rheinischen Kreis- und Ortsverbände werden zu dem Thema Veranstaltungen durchführen. Der Kreisverband Rhein-Sieg lud beispielsweise am 19. März zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Frauen-Parität ein. Beim „Tag der LandFrauen“ am 9. Mai auf der Landesgartenschau in Neuss geht es unter anderem um „Junge LandFrauen und ihre vielen Rollen – Vereinbarkeitsfragen auf dem Prüfstand“.

Gleichzeitig wirkt das Schwerpunktthema „Frauen und Finanzen“ aus dem vergangenen Jahr noch nach. Aufgrund der hohen Nachfrage werden kurzfristig für Februar und Oktober kostenfreie Online-Workshop für jeweils 30 Frauen angeboten, in denen es ausschließlich um Vermögensaufbau mit ETFs (Exchange Traded Funds) geht. „Altersvorsorge und Zukunftsplanung für Frauen“ sind im März auch Thema beim Agrar-Forum 2026, einem Diskussions- und Informationsforum der Sparkasse Aachen für LandFrauen und Landwirte. 

Unabhängig vom UN-Jahr gibt es im Rheinischen LandFrauenverband mehrere berufsständische Formate für Frauen: das Frauen Agrar Netzwerk (FAN) und auch das Veranstaltungsformat LandImPuls – Impulse für die Zukunft vom Land.


Starke Frauen – starkes Land

Neben dem Förderprogramm „Innovative Maßnahmen für Frauen im ländlichen Raum“ gibt es seit 2022 das Projekt „Starke Frauen - starkes Land“, das Frauen gezielt im sozioökonomischen Bereich stärken will. Es ist ein bundeslandweites Projekt der drei LandFrauenverbände in Baden-Württemberg und wird gefördert durch das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg. Frauen in Familienbetrieben füllen viele Rollen aus – Unternehmerin, Kümmerin, Partnerin, Familienmanagerin, Ehefrau und häufig auch Mutter, Tochter oder Schwiegertochter – und damit verbunden sind ganz besondere Herausforderungen. Die Überlastung ist immer nur einen Schritt entfernt. Genau dort setzt das Projekt an. Die Themen reichen von Stressbewältigung und Kommunikation in der Familie bis zum Generationswechsel im Betrieb. Die Treffen beinhalten einen Impulsvortrag durch eine Expertin oder einen Experten sowie die Arbeit in Kleingruppen. Die Frauen befinden sich dort in einem geschützten Raum, können sich untereinander austauschen, voneinander lernen und ein Netzwerk bilden.


Existenzgründungen ermöglichen

Der LandFrauenverband Württemberg-Hohenzollern e. V. ist einer der kleinsten Landesverbände deutschlandweit. Über den anerkannten Träger der ländlichen Erwachsenenbildung, dem Bildungs- und Sozialwerk der Landfrauen e. V., wird ein umfassendes und sehr niederschwelliges Weiterbildungsangebot auf Landes-, Kreis- und Ortsebene angeboten. Aktuell läuft wieder ein „Coaching für Existenzgründerinnen im Ländlichen Raum“. In acht Schulungstagen und einem zusätzlichen Online-Abend wird Grundlagenwissen zur Gründung und zum Aufbau einer eigenen Existenz vermittelt.

Durch den Austausch in der Gruppe gibt es ein direktes Feedback zu den eigenen Ideen. „Die Teilnehmerinnen kommen aus unterschiedlichen Bereichen und mit unterschiedlichen Biografien“, erläutert Martina Krattenmacher, Landesgeschäftsführerin im LandFrauenverband Württemberg-Hohenzollern e. V. Das Coaching kann zu fairen Konditionen angeboten werden, weil es durch Mittel der Europäischen Union (ELER) und Mittel des Landes Baden-Württemberg im Rahmen des Programms „Innovative Maßnahmen für Frauen im Ländlichen Raum“ (IMF) gefördert wird (s. Beitrag auf der Plattform B&B Agrar März 2026, "Frauen gezielt unterstützen"). Die Frauen können sich im Anschluss unabhängig von der Landwirtschaft selbstständig machen.

Das Coaching findet bereits seit vielen Jahren statt. „Dabei wird die eigene Businessidee auf Herz und Nieren geprüft und wichtiges Grundlagenwissen vermittelt – vom Businessplan, über Zielgruppenanalyse und Umsatzrentabilitätsplanung bis zu Vermarktung und Fördermöglichkeiten“, betont Landesgeschäftsführerin Martina Krattenmacher. „Viele Frauen erkennen, dass das, was sie sich überlegt haben, funktioniert und dass sie es prinzipiell können. Außerdem sind sie sehr gut vorbereitet, um in die Existenzgründung zu starten.“

Dennoch bestätigt auch sie eine Beobachtung, die zeigt, wie viel Arbeit bis zur Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft vor ihnen liegt: „Wir stellen immer wieder fest, dass es viele Frauen gibt, die Betriebe leiten, die sich um alles kümmern, aber sich nicht als Unternehmerin fühlen – und wenn sie sich als Unternehmerin fühlen, dann gehört der Betrieb oft nicht ihnen.“ Auch bei Gesprächen mit Banken oder Fördermittelgebern werden sie oft nicht ernst genommen. Das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft soll das Hauptaugenmerk auch noch einmal darauf richten. „Wir müssen die Frauen befähigen zu sagen: Ich bin gleichberechtigter Teil des Unternehmens“, wünscht sich der LandFrauenverband.

In diesem Jahr findet in Stuttgart das Landwirtschaftliche Hauptfest statt, Süddeutschlands größte Fachmesse für Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft. Die LandFrauen werden gemeinsam mit dem Fachausschuss Unternehmerinnen des Landesbauernverbandes diese Großveranstaltung nutzen, um Frauen in den Mittelpunkt zu stellen und ihren Alltag sichtbar zu machen.