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Der Landkreis Osnabrück hat ein Konzept zur Anpassung an die Klimafolgen auf den Weg gebracht. Dabei wurde Boden als Querschnittsthema berücksichtigt. In dem sich anschließenden Projekt RUKOLA gehört die Sensibilisierung für Bodenschutz zum Maßnahmenpaket. Unter anderem wurden vier Bildungsmodule entwickelt, um die Umsetzung regional differenzierter Anpassungsstrategien in der Landwirtschaft zu unterstützen.
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Böden stehen unter Druck, deshalb besteht Handlungsbedarf. Je nach Standort, Bodenart, Witterungsverlauf und Bewirtschaftung können unter anderem Humusabbau, Verdichtung, Beeinträchtigungen des Wasserhaushalts, zunehmender Oberflächenabfluss, Erosion und eine erhöhte Gefahr der Nitratauswaschung auftreten. Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsverteilungen, häufigere Trockenphasen und Starkregenereignisse können diese Risiken verstärken.

Sensibilisierungsmaßnahmen

Das vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) geförderte Projekt „Resilienzaufbau und Klimafolgenanpassung im Osnabrücker Land“, kurz: RUKOLA, ist ein Anschlussvorhaben zum Klimafolgenanpassungskonzept des niedersächsischen Landkreises. RUKOLA (Laufzeit: 2023 bis 2026) umfasst insgesamt acht Maßnahmen. Eine davon ist die „Sensibilisierung für Bodenschutz“. Innerhalb dieser Maßnahme werden zwei Teilprojekte umgesetzt:

  • die Entwicklung von Bildungsmodulen für die Landwirtschaft und
  • das Gartenmagazin „Mein Garten: Klimaanpassung sichtbar“.

Die Bildungsmodule sollen dabei unterstützen, Klimawandel, Bodenschutz und Anpassungsmaßnahmen praxisnah in Ausbildung, Weiterbildung und weitere Bildungsangebote einzubinden (kostenloser Download unter https://nc.lkos.de/index.php/s/qMF9arFmjqJQKrA). Ausgangspunkt war ein bodenkundlicher Fachaustausch im Frühjahr 2024. Dabei wurde unter anderem diskutiert, wie Wissen zu Bodenschutz und Klimafolgenanpassung transportiert werden kann. Im Mittelpunkt stand nicht die Frage, ob Landwirtschaft Bodenschutz betreibt, sondern wie sich vorhandenes Wissen, regionale Erfahrungen und neue fachliche Anforderungen gut in Ausbildung und Praxis miteinander kombinieren lassen.

Daraus entstand der Ansatz, hochwertige und einfach nutzbare Materialien zur Verfügung zu stellen. Sie sollen die bestehende Bildungsarbeit unterstützen und Themen wie Klimawandel, Bodenschutz und Anpassungsmaßnahmen in vorhandene Inhalte integrieren. Entwickelt wurden die Materialien vor allem für Lehrkräfte in der landwirtschaftlichen Berufsausbildung. Ihr Einsatz ist jedoch breiter angelegt: Die Unterlagen können auch in der überbetrieblichen Ausbildung, bei Projekttagen, Fortbildungen, Schulungen oder anderen Bildungsangeboten im landwirtschaftlichen Kontext genutzt werden. Damit richten sich die Bildungsangebote auch an Ausbildende, Beratungskräfte und weitere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.

Baukastenprinzip


Die Materialien sind als Materialpool und Baukasten konzipiert. Je nach Zielgruppe, Zeitrahmen und Vorwissen können einzelne Inhalte ausgewählt, gekürzt, kombiniert oder ergänzt werden. Das ist wichtig, weil Bodenschutz und Klimafolgenanpassung in der landwirtschaftlichen Bildung nicht überall unter denselben Voraussetzungen behandelt werden. Standort, Betriebsform, Lehrjahr, Unterrichtsziel und regionale Erfahrungen unterscheiden sich. Der Baukasten soll deshalb ermöglichen, die Inhalte passgenau in vorhandene Bildungsangebote einzubinden.

Zu den Materialien gehören ein Word-Skript, Präsentationsbausteine und Arbeitsmaterialien. Das Skript enthält Hintergrundwissen, Quellen, Praxisbeispiele, Fachbegriffe, Lernziele und didaktische Hinweise. Die Präsentation bietet Folien als Bausteine für Unterrichts- und Inputphasen, ergänzt durch Impulse, Arbeitsaufträge, Quizfragen und Zusatzmaterialien, die je nach Lehrjahr oder Leistungsniveau eingesetzt werden können.

Inhaltlich führen die vier Module von den fachlichen Grundlagen über die Zusammenhänge zwischen Klima und Boden bis zu betrieblichen Handlungsmöglichkeiten:

  • Das erste Modul behandelt den allgemeinen Klimawandel. Es geht um den Unterschied zwischen Wetter und Klima, um Ursachen des Klimawandels sowie um globale und regionale Auswirkungen. Damit wird eine gemeinsame fachliche Grundlage geschaffen.
  • Das zweite Modul widmet sich den Grundlagen des Bodens. Behandelt werden Bodenaufbau, Bodenfruchtbarkeit und zentrale Bodenfunktionen. Humus und Bodenleben spielen dabei eine wichtige Rolle, weil sie wesentlich für Bodenstruktur, Wasserhaltefähigkeit und Nährstoffverfügbarkeit sind. Das Modul macht deutlich, dass Boden nicht nur Standort, sondern ein lebendiges und empfindliches System ist.
  • Im dritten Modul steht der Zusammenhang zwischen Klima und Boden im Mittelpunkt. Thematisiert werden unter anderem Erosion, Verdichtung, Wasserhaushalt, Humus und Bodenleben. Damit wird sichtbar, wie Extremwetterereignisse auf Böden wirken und warum Böden, deren Struktur oder Wasserhaushalt bereits beeinträchtigt ist, auf weitere klimatische Belastungen besonders empfindlich reagieren können.
  • Das vierte Modul richtet den Blick auf Anpassungsmaßnahmen. Es behandelt Möglichkeiten, die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Böden zu stärken und Bodenschutz im betrieblichen Alltag umzusetzen. Dazu zählen der Erhalt und Aufbau einer stabilen Bodenstruktur, Humusaufbau, Bodenbedeckung, angepasste Fruchtfolgen, Erosionsschutz und der Umgang mit Trockenstress.

Regionale Praxisfragen

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Praxisbezug. Die Materialien regen dazu an, Beispiele aus dem eigenen Betrieb, aus der Region oder aus aktuellen Wetterereignissen einzubeziehen. Dadurch können abstrakte Begriffe wie Klimafolgenanpassung oder Bodenresilienz mit konkreten Erfahrungen verbunden werden. Im Projektverlauf zeigte sich zudem, dass eine stärkere Regionalisierung der Materialien sinnvoll ist. Deshalb wurden die Module in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Osnabrück, weiter auf die Einbindung in die überbetriebliche landwirtschaftliche Ausbildung im Landkreis Osnabrück ausgerichtet.

Der Nutzen der Bildungsmodule liegt darin, Bodenschutz und Klimafolgenanpassung nicht als zusätzliches Einzelthema zu behandeln, sondern mit konkreten landwirtschaftlichen Fragestellungen zu verbinden: Wie kann ein Boden Starkregen besser aufnehmen? Welche Rolle spielt Humus in Trockenphasen? Wie lassen sich Erosionsrisiken mindern? Welche Bewirtschaftungsmaßnahmen helfen, Bodenfruchtbarkeit langfristig zu erhalten? Solche Fragen verbinden Bodenschutz, Klimaanpassung und Wirtschaftlichkeit.

Damit sollen die Bildungsmodule dazu beitragen, Bodenschutz und Klimafolgenanpassung stärker in Ausbildung, Weiterbildung und Beratung einzubinden. Sie bieten Lehrkräften, Ausbildenden, Beratungskräften und weiteren Multiplikatorinnen und Multiplikatoren eine fachlich fundierte Grundlage, die an die vorhandene Bildungsarbeit anschließt und regionale Erfahrungen einbezieht.