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Die wachsende therapeutische Erfahrung und auch die zunehmende Professionalisierung haben dazu geführt, dass erste Krankenkassen gartentherapeutische Präventionsprogramme fördern. Die Deutsche Rentenversicherung hat es inzwischen möglich gemacht, dass Gartentherapie in der medizinischen Rehabilitation von den jeweiligen Einrichtungen kodiert werden kann. Grundlage ist die Klassifikation therapeutischer Leistungen (KTL). Diese Leistungsdokumentation trägt entscheidend zur Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Prozesse in einer Rehabilitation bei.

Für die im Bereich Gartentherapie oder Gartenpädagogik aktiven Personen, ganz gleich, ob sie aus den therapeutischen, den pädagogischen oder auch aus den Grünen Berufen kommen, wird es deshalb besonders wichtig, eine gute fachliche Zusatzqualifizierung vorweisen zu können. Der Dachverband der Gartentherapie, die Internationale Gesellschaft GartenTherapie IGGT e.V., hat aktuell die Anforderungen an Weiterbildungen im europäischen Austausch verschärft und hat eine im gesamteuropäischen Kontext erstellte Kompetenzenliste als Grundlage für die entsprechenden Lehrpläne entwickelt. Letztlich sind diese Maßnahmen neben der Praxiserfahrung und den unterschiedlichen Vorausbildungen die wichtigsten Grundlagen für eine Registrierung als Gartentherapeut oder Gartentherapeutin.

Qualitätsstandards

Die IGGT fungiert dabei als qualitätssichernder Dachverband, der zwar selbst keine Weiterbildungen durchführt, jedoch die Maßstäbe setzt und Regularien schafft, nach denen diese Maßnahmen anerkannt werden. Dieses beinhaltet auch die Berechnung, wie viele Weiterbildungspunkte mit den Abschlüssen der jeweiligen Maßnahmen erreicht werden können. Punkte, die bei einer späteren möglichen Registrierung als Gartentherapeutin oder -therapeut bei der IGGT bedeutsam sind. Aktuell sind 145 Gartentherapeutinnen und -therapeuten registriert. Für all jene, die überlegen, auf die ein oder andere Art einen Schritt in Richtung Gartentherapie oder Gartenpädagogik zu wagen, erscheint es also sinnvoll zu schauen, welche Weiterbildungsmaßnahmen die IGGT zurzeit als anerkannt listet und auch welche Anzahl an Punkten es für diese gibt.


Definition Gartentherapie nach IGGT

Gartentherapie ist eine interdisziplinäre Methode, bei welcher pflanzen- und gartenorientierte Aktivitäten und Erlebnisse genutzt werden, um zielgerichtet Interaktionen zwischen Mensch und Umwelt zu initiieren und zu unterstützen, mit dem Ziel der Förderung von Lebensqualität und der Erhaltung und Wiederherstellung funktionaler Gesundheit.


Soziale Innovationen

Chance für Grüne Berufe

Für Personen, die eine direkte Betätigung als Gartentherapeut oder Gartentherapeutin anstreben, sind Weiterbildungsmaßnahmen ein Muss. Egal ob man sich später der Arbeit mit Menschen mit Demenz widmet oder ob Kinder im Zentrum der therapeutisch-pädagogischen Arbeit stehen sollen – eine gute Wissensbasis wird immer benötigt. Aber auch Praktikerinnen und Praktiker aus der grünen Branche können aus der Beschäftigung mit Gartentherapie und Gartenpädagogik eine Reihe von Benefits für ihre Arbeit ziehen. Denn dahinter steht immer die Einstellung, dass mit Planung, Anlage oder Pflege von Gärten und Landschaften, wie auch mit der Kultivierung von Pflanzen, positive Auswirkungen auf den Menschen verbunden sind. Kunden suchen nicht nur gärtnerische Beratung, sondern auch einen zwischenmenschlichen Austausch. Gärten werden zunehmend als Wohlfühlraum, als Ausgleich und zum Erhalt der inneren Balance benötigt. Grundsätzlich wird der gesundheitliche Wert von Gärten und Pflanzen immer bedeutsamer, das gilt insbesondere für Zielgruppen wie Kindergärten oder Altenheime. Deshalb wird auch das dazugehörige Hintergrundwissen immer wichtiger.

Qualifizierungsangebote

Neben den Studiengängen der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien (s. weiterer Schwerpunktbeitrag) sowie der Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften, also Einrichtungen in Österreich und der Schweiz, gibt es im deutschsprachigen Raum mittlerweile eine ganze Reihe von Weiterbildungen. Dabei existieren aktuell sowohl kürzere, oft thematische geprägte Weiterbildungen mit einer eher geringeren Punktzahl, als auch solche, die berufsbegleitend die größere und notwendige Basis bieten, um den Schritt Richtung Gartentherapie und Gartenpädagogik zu gehen. Nachfolgend werden einige von der IGGT als anerkannt gelistete Qualifizierungsprogramme vorgestellt:

  • Eine Weiterbildung im Bereich der integrativen Gartentherapie bietet das Fritz Perls Institut/Europäische Akademie für bio-psychosoziale Gesundheit, Naturtherapien und Kreativitätsförderung an (https://www.eag-fpi.com/kurzzeitausbildungen/naturnahe-therapieformen/weiterbildung-garten-landschaftstherapie/). Diese Weiterbildung findet in Kooperation mit der Gesellschaft für Gartenbau und Therapie (GGuT) im nordrhein-westfälischem Hückeswagen statt und bietet insbesondere eine Verbindung zum Konzept der integrativen Therapie.
  • Das Institut für Naturheilkunde in Erfurt hat bereits vor mehr als zehn Jahren eine Weiterbildung entwickelt (https://gartentherapie-ausbildung.de/). An insgesamt 22 Wochenenden sowie einem Abschlusswochenende werden hier die unterschiedlichsten Themen vermittelt.
  • Relativ neu, aber auch von der IGGT anerkannt ist die Weiterbildung an der Akademie für Gartentherapie – AGaThe im Wangeliner Garten in Mecklenburg-Vorpommern (https://www.ausbildung-gartentherapie.de/). Hier werden die Teilnehmenden an zehn Wochenenden an die Gartentherapie herangeführt.
  • Eine weitere Möglichkeit der Weiterqualifizierung bietet Neue Wege gUG auf dem Landhof Neulingen (https://www.neue-wege-gug.de/). Die Weiterbildung umfasst 13 Wochenenden.

All diesen Weiterbildungsmaßnahmen ist es gemeinsam, dass sie über durchschnittlich ein Jahr an mehreren unterschiedlichen Wochenenden die notwendigen Inhalte zu gärtnerischen, medizinisch-therapeutischen oder speziellen gartentherapeutischen Themen vermitteln. Die zu erreichenden Registrierungspunkte sind dabei selbstverständlich abhängig vom jeweiligen Umfang.

Einen anderen Weg gehen zwei weitere Weiterbildungsformate, die auf größere Seminarblöcke setzen:

Daneben werden in Grünberg vom Institut für Garten und Therapie thematisch geprägte Spezial-Wochenendseminare, wie „Floristik in der Gartentherapie”, „Gartentherapie mit Kindern und Jugendlichen”, „Gartentherapie in der Arbeitstherapie und Psychiatrie” und viele andere angeboten. Denjenigen, die in den Bereich der Gartentherapie „reinschnuppern“ wollen, verschafft ein Orientierungsseminar einen ersten Überblick über das therapeutische Tätigkeitsfeld.

Alle Weiterbildungsmaßnahmen richten sich an ein breites Publikum und sind davon geprägt, dass hier Teilnehmende aus den unterschiedlichsten Bereichen und Disziplinen zusammenkommen: aus der Therapie, der Pädagogik, der sozialen Arbeit, aber auch aus der Floristik, dem Gartenbau oder der Landwirtschaft. Schon allein dieses ist ein Mehrwert.

Das Zusammenspiel von Garten, Therapie, Pädagogik und Gesundheit erhält wachsende gesellschaftliche Bedeutung. Mit dieser Entwicklung wachsen aber auch die Ansprüche an diejenigen, die sich hier einbringen (wollen). Wer dieses Thema ernsthaft vertiefen möchte, dem bieten sich – wie gezeigt – gute Bildungsmöglichkeiten.


Link

Internationale Gesellschaft GartenTherapie IGGT e.V.: https://iggt.eu/de/