
Innovationen sind der Schlüssel für eine resiliente und zukunftsfähige Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft. Der Strategieplan der EU zur Durchführung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) unterstreicht die Bedeutung neuer Lösungen, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Herausforderungen aufgreifen. Das EU-Programm EIP-Agri (Europäische Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“) unterstützt diesen Wandel. Doch wie lässt sich dieser Praxisbezug im Unterricht verankern? Antwort bietet ein didaktisch erprobter Unterrichtsbaustein des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL), der innovative Projekte auf landwirtschaftlichen Betrieben dazu nutzt, Lernende aktiv für Chancen und Möglichkeiten durch Innovationen zu sensibilisieren.
Unternehmerische Kompetenzen
Entwickelt wurde das Konzept in Bayern durch das EIP-Netzwerk an der Staatlichen Führungsakademie in Landshut. Dort kommt es mit Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF) bereits landesweit erfolgreich zum Einsatz. Gemeinsam mit der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume für die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (DVS) und dem BZL wurde daraus ein Unterrichtsbaustein gestaltet, der bundesweit umgesetzt werden kann. Besonderes Augenmerk liegt auf der Verknüpfung von Theorie und Praxis. Durch den Kontakt mit echten Innovationsprojekten – gefördert durch EIP-Agri – erhalten die Teilnehmenden einen realistischen Einblick in betriebliche Veränderungsprozesse.
Ziel des Workshops ist es, Lernenden das Rüstzeug zu geben, um innovative Ideen nicht nur zu denken, sondern diese in der Landwirtschaft lebendig werden zu lassen. Dabei werden zentrale unternehmerische Kompetenzen geschult:
- Innovationsfähigkeit entwickeln,
- Netzwerkdenken fördern,
- Problemlösungsstrategien erkennen,
- Öffentlichkeitsarbeit als Erfolgsfaktor verstehen.
EIP-Agri
Ein gutes Angebot, Innovationen finanziell und ideell zu fördern, ist das EU-Programm EIP-Agri, die „Europäische Innovationspartnerschaft für Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit”. Hierbei können Landwirtinnen und Landwirte gemeinsam mit Wissenschaft, Beratung und Unternehmen eigene Ideen umsetzen. Die EU und die Bundesländer unterstützen dabei Projekte im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure wird die Lösungsfindung beschleunigt; die Praxistauglichkeit und die Akzeptanz steigen. Aktuell sind mit 500 Projekten, verteilt über das gesamte Bundesgebiet, in jedem Bundesland beeindruckende Beispiele für kreative und erfolgversprechende Innovationsprojekte zu finden. Die EIP-Projekte greifen vielerlei Themenbereiche auf, welche von der Entwicklung neuer Agrarrobotik bis zur Sozialen Landwirtschaft oder zum Aufbau neuer Betriebszweige reichen. Weitere Informationen: www.dvs-gap-netzwerk.de/eip
Drei Unterrichtsphasen

Der Baustein ist modular gestaltet und lässt sich je nach Schulform, Bundesland oder Zeitrahmen flexibel anpassen. Der Ablauf gliedert sich in drei zentrale Phasen:
Phase eins bietet einen spielerischen Einstieg und somit die Möglichkeit zur Motivation für das Thema durch die Fragen, mit was die Lernenden innovative Veränderungen auf ihrem Betrieb verknüpfen und welchen Mehrwert sie sich daraus erwarten. Gemeinsam wird der Begriff Innovation erarbeitet und anhand praktischer Beispiele definiert.
In der zweiten Phase lernen die Studierenden in einer kurzen Einführung zu EIP-Agri (s. Infokasten), die Vorteile des gemeinsamen Entwickelns und Umsetzens von Projektideen kennen. Es erfolgt die Vorstellung eines konkreten EIP-Projekts durch die mitwirkenden Akteure, welche den Innovationsprozess schildern und in einem Praxisteil ihre Entwicklung vorstellen. Die Teilnehmenden analysieren die Innovation in Einzel- und Gruppenarbeit mit vorgegeben Fragestellungen auf Analysebögen und vertiefen die Erkenntnisse durch individuelle Fragen.
In der dritten Phase steht der Transfer des Gelernten im Fokus: Inwiefern werden dadurch die grundsätzliche Einstellung zu Innovationen in der Landwirtschaft und die zukünftige Tätigkeit auf dem landwirtschaftlichen Betrieb beeinflusst? Zudem soll jeder einzelne Teilnehmende reflektieren, inwieweit er/sie glaubt, aktuell Veränderungen anstoßen zu können.
Diese strukturierte Vorgehensweise erlaubt es Lehrkräften, innovationsorientierten Unterricht ohne aufwendige Vorbereitung durchzuführen. Der Unterrichtsbaustein bietet dabei didaktische Sicherheit und Praxisnähe. Bei zwei Workshops in Pfaffenhofen und Rosenheim wurden Lehrkräfte und Interessierte aus ganz Deutschland geschult. Die Themen: „Larvenmast“ und „Automatisierte Ampferbekämpfung“. Die Workshops zur Umsetzung des BZL-Unterrichtsbausteins wurden filmisch begleitet (abrufbar bei YouTube: s. u.). Weitere Workshops sind in Bayern, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz in Planung.
DVS
Die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume für die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (DVS) bringt Akteure zusammen, die sich bundesweit für lebenswerte ländliche Regionen engagieren. Hierzu führt sie Veranstaltungen durch, informiert auf der Webseite www.dvs-gap-netzwerk.de, bei Facebook und Instagram und gibt regelmäßige Publikationen (Zeitschrift LandInForm, Newsletter landaktuell) heraus. Über den Veranstaltungsverteiler sind die neuesten Informationen erhältlich.
Lernen an realen Projekten
Im Mittelpunkt steht das Lernen an realen Herausforderungen aus der landwirtschaftlichen Praxis. Studierende begegnen Menschen, die den Mut hatten, gemeinsam neue Ideen zu entwickeln und Innovationen ins Leben zu rufen oder diese bereits erfolgreich umsetzen. Im direkten Austausch diskutieren sie miteinander und erfahren hautnah, wie aus mutigen Ideen greifbare Realität wird. Davon profitieren beide Seiten. Bei den Studierenden fördert der Workshop als Unterrichtsformat die Selbstwirksamkeit („Ich kann etwas verändern“), die Zukunftskompetenz, das unternehmerische Denken sowie das Interesse am Austausch und die Offenheit für die Zusammenarbeit. Julia Arndt, Lehrerin und Abteilungsleiterin Agrarwirtschaft beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück stellt fest: „Die Möglichkeit, auf Betriebsleiter und Praktiker zu treffen, sorgt für Authentizität. Die Schüler setzten sich mit der Fragestellung ganz anders auseinander. Der emotionale Bezug bringt sie dazu, sich zu öffnen und neue Gedanken für die Problemstellung und die Lösung zulassen.“

Der Austausch mit den Fachschülerinnen und Fachschülern beeinflusst auch die Projektarbeit: „Die Studierenden haben mich nachhaltig beeindruckt, weil sie eine hohe Innovationskraft zeigen. Sie haben eine Motivation, sich mit neuen Themen zu beschäftigen, nach links und rechts zu blicken, um vielleicht den eigenen Betrieb zu optimieren und fit für die Zukunft zu machen.“ sagt Tobias Söltl, Gründer und Geschäftsführer der Agritech Solutions GmbH sowie Projektleiter in mehreren EIP-Projekten. „Bei einem gemeinsamen „Blick in die Zukunft“ bringen die Studierenden nicht selten durch ihre Sicht von außen gute Ideen ein, wie Projekte durch kleine Stellschrauben erfolgreich weiterentwickelt werden können.“
Ob Schleswig-Holstein, Sachsen oder Nordrhein-Westfalen – der Unterrichtsbaustein ist so angelegt, dass regionale Innovationsprojekte eingebunden werden. EIP-Agri-Projekte gibt es in jedem Bundesland. Eine Übersicht liefert die EIP-Projektdatenbank mit rund 500 laufenden und abgeschlossenen Vorhaben und deren Ansprechpersonen (inklusive Kontaktdaten). Lehrkräfte können über die DVS-Seite regionale Projekte recherchieren und Kontakt zu Praxispartnern herstellen. Dabei geht es bei Innovation nicht nur um Technik oder neue Produkte – sondern auch um soziale Innovation, Kooperation, Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung.
Innovationskultur verankern
Das vorgestellte Unterrichtsformat ist mehr als ein Workshop: Es ist ein Werkzeug zur Verankerung unternehmerischer Innovationskultur in der Ausbildung. Es zeigt, wie Lernende durch reale Projekte motiviert werden können, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen – auch wenn es Hürden und Schwierigkeiten gibt. Der Unterrichtsbaustein macht Mut zur Innovation – und liefert zugleich das methodische Rüstzeug dafür. Mit dieser praxiserprobten Methode wird der Grundstein gelegt für eine innovative Betriebsführung im ländlichen Raum – bundesweit, praxisnah und wirkungsvoll.
Links
EIP-Datenbank der DVS:
www.dvs-gap-netzwerk.de/eip-projekte
Unterrichtsbaustein auf dem Bildungsserver Agrar:
https://www.bildungsserveragrar.de/lehrmaterialien/unterrichtsbausteine/innovationen-neue-ideen-im-betrieb-umsetzen/
Beispiele aus Bayern:
https://www.stmelf.bayern.de/ministerium/forschung/innovationsworkshops/index.html
Link zum Video:
https://youtu.be/yJLWHIzgCKU



