
Anfang Februar ist „Kompass“ in die dritte Runde gegangen. Seit 2023 unterstützt das Mentoring-Programm jedes Jahr zehn Frauen auf ihrem Weg in der Landwirtschaft. Ob Hofnachfolgerin, Quereinsteigerin oder Beschäftigte im vor- und nachgelagerten Bereich – entscheidend sind eine Tätigkeit in der Landwirtschaft sowie die Bereitschaft, sich auf etwas Neues einzulassen und sich aktiv mit den eigenen beruflichen Zielen auseinanderzusetzen. Das Programm verfolgt das Ziel, die Frauen dabei zu unterstützen, ein überregionales Netzwerk aufzubauen, Kernkompetenzen wie Kommunikation und Präsentation zu schärfen und erste Einblicke in die Agrarpolitik zu erhalten.
Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen – dadurch steht das Mentoring-Programm in diesem Jahr in einem besonderen Licht. Diese globale Aufmerksamkeit unterstreicht die Relevanz derjenigen Themen, die das Programm bereits seit Jahren aufgreift: die Sichtbarkeit von Frauen in der Landwirtschaft, ihre berufliche Entwicklung sowie ihre wichtige Rolle in den Betrieben und im Ehrenamt.
Mentorin als Vertrauensperson

„Kompass“ besteht aus drei miteinander verzahnten Komponenten. Die erste Komponente betrifft das Mentoring selbst. Jede Teilnehmerin wird mit einer Mentorin zusammengebracht. Die Mentorin ist eine erfahrene Landwirtin oder Unternehmerin mit Ehrenamtserfahrung und Mitglied im DBV Unternehmerinnen Netzwerk. Ein Jahr lang begleitet sie die Teilnehmerin als Wegweiserin, Zuhörerin und Ratgeberin. Gerade bei herausfordernden Entscheidungen, bei Hofübergaben oder bei strategischen Überlegungen zur eigenen beruflichen Zukunft hilft es enorm, eine externe Vertrauensperson an der Seite zu haben. Dieser geschützte Raum bildet eine zentrale Säule des Programms. Häufig entwickelt sich aus dem Mentoring eine Verbindung, die weit über das eigentliche Programmjahr hinaus Bestand hat.
Vier Coaching-Module
Die zweite Komponente des Programms sind die vier Coaching Module, die über das Jahr verteilt in Berlin stattfinden und gleich zwei wichtige Zwecke erfüllen: Zum einen ermöglichen sie das Zusammenkommen von Mentorinnen und Mentees und fördern damit die Entwicklung vertrauensvoller, langfristiger Beziehungen innerhalb der Gruppe. Diese Gruppendynamik entsteht nicht zufällig, sondern wird durch die gemeinsame Arbeit, die intensiven Gespräche und die gemeinsamen Erlebnisse bewusst gestärkt. Auch dieses Netzwerk bleibt häufig über das Programm hinaus bestehen. Zum anderen dienen die Module der Stärkung zentraler Kompetenzen, die im beruflichen Alltag und im Ehrenamt von großer Bedeutung sind.
Im ersten Coaching Modul steht die Persönlichkeitsentwicklung im Mittelpunkt. Mithilfe eines Persönlichkeitstests analysieren die Teilnehmerinnen ihren individuellen Verhaltensstil und reflektieren, welche Auswirkungen dieser auf ihren Arbeitsstil und die Kommunikation mit Mitarbeitenden hat. Im Anschluss widmen sie sich den Themen Rhetorik und Schlagfertigkeit, also den Fähigkeiten, sich klar auszudrücken, souverän zu argumentieren und auch in herausfordernden Situationen angemessen zu reagieren.
Im zweiten Modul liegt der Schwerpunkt auf Zeitmanagement und Social Media. Beruf, Ehrenamt und Familie unter einen Hut zu bringen, kann eine große Herausforderung sein. Diese Erfahrung teilen viele Frauen in der Landwirtschaft. Im Modul lernen sie Strategien kennen, wie sie mit dieser Belastung umgehen und wie sie ihre eigene Resilienz stärken können. Am zweiten Tag dreht sich alles um die Welt der sozialen Medien, insbesondere um LinkedIn und Instagram. Fragen wie „Wie funktioniert der Algorithmus?“, „Was muss ich bei Musikrechten beachten?“ oder „Wie bekomme ich mehr Reichweite?“ stehen im Mittelpunkt. Vor allem geht es darum, wie Ideen und Botschaften wirksam vermittelt werden können. Social Media spielt auch in der Landwirtschaft eine immer größere Rolle: als Plattform für die Vermarktung und für die Aufklärung der Bevölkerung über landwirtschaftliche Themen. Deshalb ist es wichtig, dass auch hier starke weibliche Stimmen sichtbar sind.
Das dritte Modul richtet sich auf die Themen Netzwerken und Agrarpolitik. Netzwerke sind ein entscheidender Erfolgsfaktor, nicht nur für die persönliche Entwicklung, sondern auch im beruflichen Kontext. Am ersten Abend der beiden Tage nehmen die Teilnehmerinnen am Parlamentarischen Abend des Deutschen Bauernverbandes teil, ein idealer Moment, das frisch Erlernte direkt in der Praxis anzuwenden. Der folgende Tag bietet tiefere Einblicke in die Arbeit des Bauernverbandes sowie in die Mechanismen der Agrarpolitik in Berlin. Die Teilnehmerinnen erleben hautnah, wie politische Entscheidungsprozesse ablaufen und welche Rolle Interessenvertretung dabei spielt.
Das vierte und abschließende Modul widmet sich dem Thema Resilienz und Wachstum. In diesen zwei Tagen blicken die Teilnehmerinnen zurück auf ihr persönliches Jahr im Programm, reflektieren das Gelernte und richten den Blick bewusst in die Zukunft. Welche Werkzeuge haben sie im Laufe des Programms an die Hand bekommen? Wie können sie diese einsetzen? In welchen Bereichen wollen sie sich weiterentwickeln? Das Modul dient dem bewussten, wertschätzenden Abschluss und soll die Teilnehmerinnen gestärkt in ihren Alltag zurückkehren lassen.
Starke Netzwerke
Die dritte Komponente des Mentoring Programms umfasst die verschiedenen Netzwerke, die innerhalb eines Jahres aufgebaut werden. Zum einen entsteht ein starkes Netzwerk zwischen den Teilnehmerinnen selbst. Durch die intensiven Module und die enge Verbindung zwischen Mentees und Mentorinnen entwickelt sich ein vertrauensvolles, unterstützendes Miteinander. Zum anderen entsteht ein Netzwerk innerhalb des Bauernverbandes. Die Teilnehmerinnen haben die Möglichkeit, an Veranstaltungen wie dem Bauerntag und der Grünen Woche teilzunehmen. Zudem ermöglicht das 2022 gegründete DBV Unternehmerinnen Netzwerk deutschlandweit den Kontakt und Austausch unter mehr als 200 Frauen aus der Landwirtschaft. Das Netzwerk für Landwirtinnen und landwirtschaftliche Unternehmerinnen im Deutschen Bauernverband bietet Weiterbildungen, informiert über agrarpolitische Themen und fördert Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung.
Fazit und Ausblick

Das Mentoring-Programm zielt darauf ab, junge Frauen in der Landwirtschaft zu empowern, sie zu unterstützen und sie gleichzeitig für die Übernahme von Ehrenämtern, besonders in der Landwirtschaft, zu begeistern. Es will Orientierung geben, ein Kompass für die Mentees sein, die vielleicht eines Tages selbst jungen Hofnachfolgerinnen und Landwirtinnen zur Seite stehen oder sich in der Agrarpolitik engagieren. Nur so lassen sich Perspektiven und Lebensrealitäten junger Landfrauen in der Politik abbilden und nachhaltige Veränderungen schaffen.
Im Februar 2027 startet „Kompass“ in die nächste Runde; die Bewerbungsphase beginnt im September 2026.
Links und Literatur
Weitere Informationen zum „Kompass Mentoring Programm“ (dritte Runde):
https://www.bauernverband.de/themendossiers/pflanzenschutz/themendossier/kompass-mehr-frauen-im-verband (Abruf: 9.3.2026)
https://www.bauernverband.de/presse-medien/pressemitteilungen/pressemitteilung/von-unternehmerinnen-fuer-unternehmerinnen (Abruf: 9.3.2026)




