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Ein Praxisbeispiel aus der Unterrichtsplanung in der Hauswirtschaft verdeutlicht das Spannungsfeld: Eine KI sollte ein Einstiegsszenario für eine Lernsituation entwerfen, in der die Lernenden ein Konzept zur Sicherstellung der Lebensmittelsicherheit für eine Kindertagesstätte entwickeln sollten. Der Entwurf klang zunächst überzeugend, blieb jedoch allgemein. Die Abläufe der Kita-Verpflegung wurden kaum erkennbar, die berufliche Wirklichkeit nur bedingt abgebildet. Lange Sätze und zahlreiche unerklärte Fachbegriffe erschwerten zusätzlich das Verständnis. Auch im Sinne einer Problemorientierung entsprach der Entwurf nicht den Erwartungen: Die KI gab bereits den vollständigen Arbeitsauftrag vor und nahm damit die beabsichtigte Klärung des Handlungsbedarfs vorweg. Die Lernenden sollten die berufliche Herausforderung jedoch selbst erkennen, Fragen zu möglichen Gefahren bei der Verpflegung entwickeln und daraus notwendige Handlungsschritte ableiten.

Die KI brachte letztlich einen Entwurf ins Rollen, „gebrauchsfertig“ war er jedoch nicht: Der Nutzen lag im Rohmaterial. Für den tatsächlichen Unterrichtseinsatz blieben didaktische Reduktion, fachliche Aktualisierung und das professionelle Urteil der Lehrkraft unverzichtbar.

Einsatz nicht ohne Prüfung

Sinnvoll eingesetzt unterstützt KI bei der Skizzierung von Lernsituationen, beim Verfassen von Fachtexten, Glossaren, Übungsaufgaben, Visualisierungsideen oder Rückmeldebögen. Ein umfangreicher Fachtext lässt sich rasch in eine sprachsensible Variante übertragen, in eine Fachworttabelle überführen oder in Form gestufter Hilfekarten aufbereiten. Auch für Beratungsprozesse und die Lernortkooperation entstehen zügig erste Entwürfe für Gesprächsleitfäden, Checklisten, Informationsschreiben oder Ablaufpläne.

Dieses Einsatzspektrum spiegelt sich in einer explorativen Befragung des Bundesinstituts für Berufsbildung unter 246 Ausbildungsverantwortlichen wider. Die Ergebnisse der nicht repräsentativen Erhebung sprechen zudem nicht für eine pauschale Zeitersparnis, sondern verweisen auf Rechtsunsicherheiten, Qualifizierungsdefizite und Zeitmangel (Nahm, Isenmann, 2026, S. 404-405). Der erste Entwurf ist schnell generiert, die fachliche sowie didaktische Freigabe erfordert jedoch Zeit und Expertise.

Jeder generierte Text zieht Prüfprozesse nach sich. Entsprechen Fachbegriffe, statistische Angaben, geltende Gesetzeslage und Sprachniveaus den curricularen Anforderungen? Spiegelt das Material die berufliche Wirklichkeit authentisch wider? Diese Prüfung und die anschließende Überarbeitung sind unverzichtbare Kernaufgaben von Lehrkräften.

KI-Tools auswählen

Bestenlisten digitaler Werkzeuge sind im dynamischen KI-Umfeld schnell überholt. Hilfreicher ist eine Einteilung nach ihrer Funktion. Für die Unterrichtspraxis eignen sich vor allem folgende Werkzeuggruppen:

  • Text- und Dateiassistenten wie ChatGPT, Claude oder Gemini unterstützen bei Recherche, bei der Planung und Gestaltung von Lernsituationen sowie bei der sprachlichen Anpassung von Fachtexten und Arbeitsblättern.
  • Quellengebundene Assistenten wie NotebookLM beantworten Fragen auf Grundlage ausgewählter Dokumente und erleichtern es, Aussagen auf die verwendeten Quellen zurückzuführen.
  • Bildgeneratoren wie gpt-images und FLUX können Arbeitsabläufe, Maschinen oder Modelle veranschaulichen und damit die Materialerstellung ergänzen.
  • Coding-Agenten wie Codex oder Claude Code erstellen funktionsfähige Applikationen und Websites.
  • Schulisch bereitgestellte KI-Chatbots ermöglichen Lernenden die Nutzung von KI in einem institutionell geregelten Rahmen.

Für die individuelle Unterrichtsvorbereitung reicht meist ein freiwillig eingerichteter persönlicher Zugang, sofern keine personenbezogenen oder vertraulichen Daten eingegeben werden. Beim Einsatz mit Lernenden gelten die schulischen Vorgaben zu Registrierung, Datenspeicherung und Transparenz. Für vertrauliche Rückmeldungen oder personenbezogene Leistungsbewertungen sind öffentlich zugängliche Standard-Tools ungeeignet.

Einen institutionellen Ansatz bietet AIS.chat. Über schulische Zugänge arbeiten Lernende in datenschutzkonformen Klassendialogen. Personenbezogene Angaben dürfen dennoch nicht in Eingabeaufforderungen verwendet werden (Ministerium für Schule und Bildung NRW, 2026).

Sinnvoll ist somit kein bestimmtes Produkt für alle Zwecke. Geeignet ist ein Werkzeug, wenn es einen konkreten Arbeitsschritt unterstützt, fachlich überprüfbare Ergebnisse liefert und für den vorgesehenen Einsatz institutionell abgesichert ist.

Präzise Prompts reichen nicht

Ein guter Prompt definiert Lerngruppe, Fachkontext, Lernfeldinhalte, gefordertes Format und Qualitätskriterien. Beim Entwurf einer Lernsituation führen konkrete Angaben zu Ausbildungsberuf, Vorwissen, zeitlichem Umfang sowie vorgegebenen Fachquellen zu deutlich besseren Resultaten. Auch gewünschte Sprachniveaus oder methodische No-Gos lassen sich vorab festlegen.

Diese Vorgehensweise dient als praxisnahe Orientierungshilfe, nicht als Erfolgsgarantie. Eine Forschungsübersicht von Lee und Palmer (2025) identifiziert vergleichbare Kernbestandteile und stellt klar, dass es keine allgemeingültige Formel für perfekte Ergebnisse gibt. Für die Unterrichtspraxis zählt die Qualität der fachlichen Vorarbeit mehr als elaborierte Formulierungen. Ohne fundierte Quellenvorgabe und Lerngruppenanalyse generiert die KI meist austauschbare, uniforme Texte. Aber auch eine präzise Eingabe bleibt immer nur der Ausgangspunkt für die fachliche Detailprüfung des Outputs durch die Lehrkraft.

Aufgaben verändern

Eigene schulpraktische Erfahrungen zeigen, dass Lernende KI-Anwendungen häufig unkritisch einsetzen. Nachhaltiges Lernen findet so kaum statt. Wenn KI Aufgaben nahezu fehlerfrei beantworten kann, verliert das reine Endprodukt seine Aussagekraft für die Leistungsbeurteilung. Vielmehr müssen Recherchepfade, Bewertungsentscheidungen und fachliche Begründungen sichtbar gemacht werden.

Ein Beispiel aus der Hauswirtschaft: Lernende sollten Convenience-Produkte für eine Hochschulmensa nach Qualität, Kosten und Gästeerwartungen auswählen. Bei komplexen Fragen, etwa zur Bewertung von Lebensmittelzusatzstoffen, nutzten sie einen KI-Chatbot als Entscheidungshilfe. Sie formulierten gezielte Prompts, stellten Fachquellen bereit und glichen die Antworten anschließend mit diesen ab. Auf dieser Grundlage trafen und begründeten sie ihre Produktauswahl. KI unterstützte die Abwägung, ersetzte aber nicht das fachliche Urteil.

Das Beispiel zeigt, dass sich durch KI der Beurteilungsfokus verschiebt: Nicht das Endprodukt steht im Mittelpunkt, sondern der Prozess der Quellenkritik, der Umgang mit Unsicherheiten, die iterative Überarbeitung sowie die Urteilsfähigkeit.

Entsprechend fordert die Kultusministerkonferenz eine Weiterentwicklung der Aufgaben- und Prüfungskultur (KMK, 2025, S. 6-7). Erlaubte Hilfsmittel und Offenlegungspflichten müssen vorab transparent festgelegt werden. Seit August 2026 müssen Anbieter generativer KI auch erzeugte Texte grundsätzlich maschinenlesbar kennzeichnen und als künstlich erzeugt erkennbar machen (Europäische Union, 2024, Art. 50 Abs. 2). Anthropic führt ein solches Verfahren für den Chatbot Claude ein, weist aber darauf hin, dass es nur eine wahrscheinliche Beteiligung anzeigt, bei kurzen Texten an Grenzen stößt und Erzeugung nicht von starker Überarbeitung unterscheiden kann (Anthropic, 2026).

Wie bedeutsam die konkrete Einbettung von Aufgaben im Kontext von KI ist, zeigt eine mathematikdidaktische Studie mit knapp 1.000 Lernenden: Bei freier KI-Nutzung stiegen die Übungsleistungen zunächst an, in anschließenden Leistungstests ohne KI-Unterstützung sank das Ergebnis im Vergleich zur Kontrollgruppe jedoch um 17 Prozent. Eine didaktisch reglementierte Tutor-Variante verhinderte diesen Leistungsabfall, erzielte aber keinen messbaren Mehrwert (Bastani et al., 2025). Zwar lässt sich dieser Befund nicht unbesehen auf alle Bereiche übertragen, er spricht jedoch klar für gezielte Phasen vertiefter Eigenleistung ohne KI, praktische Erprobungen und eigenständige Fachargumentationen.

Rechtsgrundlagen prüfen

Ein KI-Gesetz für Schulen existiert in Deutschland bislang nicht. Maßgeblich sind Datenschutzvorgaben, Urheberrecht, der EU-AI-Act sowie landesspezifische Schul- und Prüfungsordnungen. Für die rechtssichere Praxis ist daher eine Auseinander-setzung mit diesen Grundlagen unerlässlich. Der Trendmonitor Spezial der Telekom-Stiftung analysierte 56 Regelwerke und zeigte, dass sich 87 Prozent von 1.054 befragten Lehrkräften verständliche rechtliche Orientierung wünschen (Schmid et al. 2026).

Personenbezogene Merkmale wie Namen, Zensuren, sonderpädagogischer Förderbedarf, Gesundheitsdaten, Fotos oder identifizierbare Schülerleistungen dürfen keinesfalls in offene KI-Systeme eingegeben werden. Ebenso wenig gehören urheberrechtlich geschützte Lehrwerke, offizielle Prüfungsunterlagen oder vertrauliche Betriebsdaten in externe Eingabefelder. Eine kontinuierliche Sensibilisierung im Kollegium durch Fortbildungen, Leitfäden und fachlichen Austausch ist daher essenziell (Datenschutzkonferenz, 2024).

Kooperation und Weiterbildung

Ein offener Erfahrungsaustausch im Kollegium über gelungene sowie unzureichende Unterrichtsversuche mit KI-Einsatz ist für eine erfolgreiche Schulpraxis zentral. Fachgruppen können verbindlich festhalten, welche Anwendungen sich bewährt haben, welche didaktisch geeignet sind und welche rechtlich ausgeschlossen bleiben. Eine geteilte Sammlung für geprüfte Fachquellen, erprobte Prompts und typische Fehlerquellen sichert den systematischen Wissenstransfer. Für den Einstieg empfiehlt sich ein strukturierter Ablauf:

  • didaktische Zielstellung wählen,
  • Fachquellen festlegen,
  • KI-Rohfassung generieren,
  • Material fachlich prüfen, im Unterricht durchführen und im Team evaluieren.

Nicht jeder Testlauf muss dauerhaft archiviert werden. Ein echter Mehrwert entsteht durch praxiserprobte Positiv- und Negativbeispiele samt kurzer didaktischer Begründung.
Strukturierte Lernpfade zu Ausbildung, Prompting, Leistungsbewertung und Rechtsfragen bietet beispielsweise die Plattform Leando (s. Beitrag Schütt, September 2026). Spezifische Angebote wie der KI-Campus-Kurs für weiterführende Schulen oder der Selbstlernkurs zu KI-Kompetenzen für Lehrkräfte unterstützen den Kompetenzaufbau.

Unterstützungsmodelle der Zukunft

Auch wenn fundierte Eingaben weiterhin wichtig bleiben, wandelt sich die Art des Arbeitens mit generativen Werkzeugen. Entscheidend ist eine klare Vorstellung des gewünschten Endprodukts, um den Nachbereitungsaufwand gering zu halten. Pauschale Eingaben führen selten zu praxistauglichen Ergebnissen – das Formulieren zielgerichteter Aufgabenstellungen erfordert fachliche Tiefe. Spezifische Prompting-Tricks treten dabei zunehmend in den Hintergrund.

Guter Unterricht entsteht somit auch künftig nicht auf Knopfdruck. Ein reflektiert genutztes Werkzeug kann wertvolle Impulse und Entwürfe liefern. Ob daraus eine reale zeitliche und didaktische Entlastung resultiert, entscheidet sich bei der fachlichen Prüfung und der unterrichtlichen Weiterverarbeitung.

Der Blick nach vorn richtet sich deshalb nicht allein auf leistungsfähigere Modelle, sondern auf Anwendungen, die Überprüfbarkeit und eine sichere Nutzung gezielt unterstützen. Fachdidaktische Fundierung, konsequente Prüfarbeit und rechtssicheres Handeln bleiben die Grundpfeiler eines produktiven KI-Einsatzes. Entsprechend gewinnen Systeme an Relevanz, die quellengestützt auf geschützten, institutionellen Serverstrukturen arbeiten. Ein solches Vorhaben stellt das Projekt FALKO (Fachdidaktischer Assistent in der Lernfeld- und Kompetenzorientierung) der Universität Bonn dar (s. Beitrag Brutzer, Schemmer, Schmitt, September 2026). Als RAG-System greift FALKO gezielt auf geprüfte Fachkorpora zu und bettet diese transparent in seine Modellantworten ein.


Literatur und Links

Anthropic (2026): How Claude’s text watermark works. URL: https://www.anthropic.com/news/claude-text-watermark (Abruf: 26.8.2026)

Bastani, H.; Bastani, O.; Sungu, A. et al. (2025): Generative AI without guardrails can harm learning: Evidence from high school mathematics. In: Proceedings of the National Academy of Sciences, 122. Jg., H. 26, Art. e2422633122. URL: https://doi.org/10.1073/pnas.2422633122 (Abruf: 16.8.2026)

Datenschutzkonferenz (2024): Orientierungshilfe Künstliche Intelligenz und Datenschutz. URL: https://www.datenschutzkonferenz-online.de/media/oh/20240506_DSK_Orientierungshilfe_KI_und_Datenschutz.pdf (Abruf: 16.8.2026)

Kultusministerkonferenz (2025): Handlungsempfehlung für die Bildungsverwaltung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz in schulischen Bildungsprozessen. Beschluss vom 10. Oktober 2024, überarbeitete Fassung März 2025. URL: https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2024/2024_10_10-Handlungsempfehlung-KI.pdf (Abruf: 15.8.2026)

Lee, D.; Palmer, E. (2025): Prompt engineering in higher education: a systematic review to help inform curricula. In: International Journal of Educational Technology in Higher Education, 22. Jg., Art. 7. URL: https://doi.org/10.1186/s41239-025-00503-7 (Abruf: 16.8.2026)

Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen (2026): Zugang zu AIS.chat. URL: https://www.lernen-digital.nrw/zugang-zu-AIS.chat (Abruf: 15.8.2026)

Nahm, O.; Isenmann, M. (2026): Generative KI in der beruflichen Bildung: Erste empirische Befunde. In: Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026, S. 404-408. URL: https://www.bibb.de/dienst/publikationen/de/21037 (Abruf: 16.8.2026)


Bundesinstitut für Berufsbildung (o. J.): Leando-Lernwelt. Praxisnahe Unterstützung für Ausbildungskräfte und Prüfungspersonal. URL: https://leando.de/learnmap/13736 (Abruf: 16.8.2026)

KI-Campus (2026): KI-Kompetenzen für Lehrkräfte. URL: https://ki-campus.org/lernangebote/kurse/ki-kompetenzen-fuer-lehrkraefte (Abruf: 17.8.2026)

Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen (2026): KI-Selbstlernkurs. URL: https://www.lernen-digital.nrw/AIS.chat/ki-selbstlernkurs (Abruf: 19.8.2026)

Schmid, U.; Blanc, B.; Goertz, L. et al. (2026): Trendmonitor Spezial. Regelwerke zu KI an Schulen. Überblick und Analyse. Bonn. URL: https://www.telekom-stiftung.de/fileadmin/media/analysen/pdf/trendmonitor-spezial-ki-regelwerke.pdf (Abruf: 16.8.2026)
 


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