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Die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik (HAUP) Wien ist das pädagogische Zentrum für die Ausbildung von Lehrenden und Beratenden im Agrar- und Umweltbereich. Sowohl der ländliche als auch der urbane österreichische Wirtschaftsraum werden in Zukunft zunehmend von einem strukturellen, ökologischen und gesellschaftlichen Wandel beeinflusst sein. Die HAUP ermöglicht eine wissenschaftlich fundierte berufsfeldbezogene Ausbildung. Die Studierenden erwerben pädagogische, fachliche und persönliche Schlüsselkompetenzen unter der Perspektive der Nachhaltigkeit, um den beruflichen und gesellschaftlichen Herausforderungen gewachsen zu sein. „Green Care“ ist seit Gründung der Hochschule 2007 ein wesentlicher Bestandteil der Fort- und Weiterbildung und fördert die Diversifizierung der kleinstrukturierten Landwirtschaft in Österreich.

Weiterbildungen in diesem Gebiet (s. Tabelle) bieten Landwirtinnen und Landwirten die Möglichkeit, neue Tätigkeitsfelder auf landwirtschaftlichen Betrieben zu erschließen und Kooperationen mit regional ansässigen Sozialeinrichtungen einzugehen.

Weiterbildungen

MSc Lehrgang: Green Care – Pädagogische, beraterische und therapeutische Interventionen mit Tieren und Pflanzen: Der Masterlehrgang ist ein einzigartiges, innovatives Weiterbildungsangebot und richtet sich an Personen, die sich wissenschaftlich fundiert und praxisnah mit der Schnittstelle von Natur, Pädagogik, Beratung und Therapie beschäftigen möchten. Der Lehrgang umfasst 120 ECTS-Anrechnungspunkte und erstreckt sich über sechs Semester. Im Lehrgang ist das Zertifikat zum/zur „Diplomierten Trainer/Trainerin der Erwachsenenbildung“ enthalten. Der Lehrgang vermittelt Kompetenzen in Kommunikation, Moderation, Didaktik, Beratung, Projektmanagement, Organisationsentwicklung und wissenschaftlichem Arbeiten im praxisnahen Kontext zu Green Care. Besonderes Augenmerk liegt auf der Anwendung tier- und pflanzengestützter Interventionen für unterschiedliche Zielgruppen wie Kinder, ältere Menschen oder Menschen mit Beeinträchtigungen.

Highlights im Studium sind die Internationale Exkursion und der Praxisunterricht auf Green-Care-Betrieben. Die Studierenden lernen, Green-Care-Projekte zu konzipieren, umzusetzen und zu evaluieren – stets mit Bezug zur eigenen Berufspraxis. Das Studium wird seit 2012 abgehalten, 2025 startet der siebte Masterlehrgang Green Care; es gibt über 100 Alumni aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.

Lehrgang Akademische Expertin/Akademischer Experte Gartentherapie: Der Universitätslehrgang findet in Kooperation mit der Weiterbildungsuniversität Krems seit 2006 statt. Im November 2025 startete der zwölfte Lehrgang. 220 Alumni aus dem gesamten deutschsprachigen Raum implementieren gartentherapeutische Methoden im Bereich Landwirtschaft, Gartenbau, Medizin und Therapie. Die beiden inhaltlichen Schwerpunkte: Gartentherapie im pädagogischen, sozialtherapeutischen Setting und Gartentherapie im medizinisch klinischen Setting können einzeln im Rahmen von Certificate Programs besucht werden. Inhaltliche Schwerpunkte sind: Kommunikation, Konzepte der Gartentherapie, Zielgruppen und Handlungsfelder, Pädagogik und Sozialtherapie in der Gartentherapie, gärtnerische Grundlagen und die Wechselwirkung zwischen Menschen und der Natur. Der Lehrgang richtet sich an Personen, die mit Pflanzen, Natur- und Gartenräumen arbeiten (möchten) und die therapeutisches Potenzial im Garten als Ressource für Menschen nutzen (möchten). Ziel ist es, das vorhandene Wissen aus einem Grundberuf (zum Beispiel Gartenbau, Landwirtschaft, Pädagogik, Medizin, Sozialarbeit) durch fundiertes gartentherapeutisches Fachwissen zu erweitern und professionell einzusetzen.

Lehrgang Akademische Expertin/Akademischer Experte HIPS-Reittherapie: Der berufsbegleitende Hochschullehrgang „HIPS – Heilsames, intuitives Pferdesetting“ findet in Kooperation mit dem Vierkanthof Dell’mour, Hartberg statt. Die HIPS-Reittherapie ist eine körpertherapeutisch orientierte, interdisziplinäre und forschungsbasierte Methode, die Menschen jeden Alters mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen oder Verhaltensauffälligkeiten begleitet. Der Lehrgang findet seit 2019 statt. Es gibt 30 Alumni; der vierte Lehrgang startet im Februar 2026. Angesprochen sind Personen mit Interesse an pferdegestützten Interventionen, insbesondere Leitende von Green-Care-Betrieben, Personen, die in den Berufsfeldern der Physio-, Ergo- und Logotherapie, Reitpädagogik und Reittherapie tätig sind. Inhalte des Lehrgangs reichen von Ethik, Pferden im reittherapeutischen Setting, Praxisanalyse in unterschiedlichen Anwendungsgebieten bis zur Ökonomie und Kommunikation. Der Theorie-Praxis-Transfer ist Teil der begleiteten wissenschaftlichen Abschlussarbeit.


Green Care

Der Begriff Green Care fasst alle Interventionen zusammen, die die positive und unterstützende Wirkung der Natur, von Tieren und Pflanzen nutzen, um Menschen zu helfen und sie zu fördern. Dabei geht es konkret um die Förderung der körperlichen und seelischen Gesundheit, der sozialen Gegebenheiten, aber auch um pädagogische Maßnahmen und die der persönlichen Entwicklung. Bekannte Beispiele sind etwa tiergestützte Interventionen, Gartentherapie oder Lernort Bauernhof. In Fällen, in denen eine Verbesserung des jeweiligen Zustandes nicht mehr erreicht werden kann (etwa in Fällen schwerer Demenz), soll mithilfe dieser Maßnahmen zumindest der gegenwärtige Zustand möglichst lange aufrechterhalten werden.

Dazu bedarf es eines konkreten und speziell entwickelten Programms mit vordefinierten Zielsetzungen, deren Erreichung auch dokumentiert und evaluiert wird.

(vgl. https://www.greencare.at/green-care


Fachtagungen

Internationaler Forschungsdialog Green Care online: Wie kann die gesundheitsfördernde Wirkung von Pflanzen und Tieren erforscht werden? Welche Aspekte sind zu beachten und wie werte ich die Ergebnisse aus? Der Internationale Forschungsdialog Green Care befasst sich mit aktuellen Studien und Themen rund um dieses spannende und junge Forschungsgebiet. Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland stellen die Ergebnisse der Studien vor und beantworten Fragen aus der Praxis. Studierende, Praktiker und interessierte Personen sind zum Dialog eingeladen. Der Forschungsdialog findet jährlich im Herbst statt, die Teilnahme ist kostenlos.

Fachtag Gartentherapie: Im Rahmen des Fachtags wird sowohl für Interessierte als auch für Profis theoretisches und praktisches Wissen rund um die Gartentherapie vermittelt. Der Fachtag findet seit 2007 jährlich im Frühjahr an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik statt und ist kostenlos. Austausch und Vernetzung – auch international – sind wichtige Aspekte des Fachtages. Darüber
hinaus bieten Workshops praxisnahe Impulse zur Umsetzung von Gartentherapie-Projekten im eigenen Betrieb oder therapeutischen Umfeld. Die Teilnahme ermöglicht den Austausch mit Gartentherapeutinnen und Gartentherapeuten, liefert wertvolle neue Ideen und fördert Kontakte im wachsenden Feld „Green Care“.

Green Care Jour Fixe online: Zweimal jährlich findet ein offenes Treffen zum Thema „Green Care“ statt, bei dem der länderübergreifende Austausch gefördert wird. Präsentiert werden dabei aktuelle Entwicklungen von Projekten und Initiativen aus dem In- und Ausland.

Digitale Medien

Website Green Care Österreich: Die zentrale Plattform für die Themen Naturgestützte Interaktion, soziale Landwirtschaft und gesundheitsfördernde Angebote im Kontext der Natur bietet eine große Download-/Publikationssektion: Strategien, Leitbilder, Fachtexte und E-Paper sind eine wertvolle Ressource für Studierende und interessierte Personen aus der Praxis (www.greencare.at).

Fachzeitschrift Green Care: Das kostenlose E-Paper “Green Care – die Fachzeitschrift für naturgestützte Interaktion” wird von der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik viermal pro Jahr herausgegeben. Sie widmet sich allen Fachbereichen von Green Care und hat mit ihren Best-Practice-Beispielen, neuen Forschungsergebnissen, Hinweisen auf Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Hintergrundinformationen, aktuellen Literatur- und Veranstaltungshinweisen sowie Tipps und Services sowohl für Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger als auch für Expertinnen und Experten viel zu bieten. Dabei werden in jeder Ausgabe unterschiedliche Berufsgruppen und Fachgebiete von Green Care abgedeckt (www.greencare.at/fachzeitschrift/).

Fazit

Die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien bietet ein breites Weiterbildungsangebot im Bereich Green Care. Sie vernetzt Landwirtschaft, Pädagogik, Gesundheit und Soziales und fördert so den fachlichen Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft. Durch das Masterstudium und die Hochschullehrgänge unterstützt sie Fachkräfte bei der Professionalisierung naturgestützter Angebote. Regelmäßige Fachtage, Workshops und Forschungsprojekte stärken den Wissenstransfer und die Weiterentwicklung des Green-Care-Gedankens. Damit fungiert die Hochschule als Plattform für Bildung, Innovation und Kooperation im Schnittfeld von Menschen, Natur und Landwirtschaft.