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Eine wachsende Zahl von Landwirtsfamilien sichert die Zukunft ihres Betriebes durch zusätzliche Einkommensquellen ab und orientiert sich dabei an den sich dynamisch verändernden Märkten und den Bedarfen im ländlichen Raum. „Green Care – Soziale Landwirtschaft“ gehört aktuell zu den innovativsten Feldern der Einkommensdiversifizierung. Die Verbindung von landwirtschaftlicher Produktion und sozialer Arbeit hat positive Effekte für den landwirtschaftlichen Betrieb und für den ländlichen Raum.

Die Möglichkeiten, in diesem Arbeitsgebiet tätig zu werden, sind äußerst vielfältig: Sie reichen von Wohn- und Tagespflegeangeboten, über stundenweise Betreuung, Urlaub auf dem Bauernhof für Menschen mit Beeinträchtigungen, der Gründung eines inklusiven Bauernhofkindergartens bis hin zu refinanzierten Beschäftigungsplätzen für junge Menschen mit Beeinträchtigungen. Je nach Angebot und Zielgruppe gestalten sich auch das benötigte Know-how und die Finanzierungswege sehr unterschiedlich.

So bietet die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein seit 2020 einen 14-tägigen Lehrgang an, der Landwirtinnen und Landwirte dazu qualifiziert, auf ihren Betrieben Angebote für Menschen mit Pflege- und Betreuungsbedarf zu initiieren. Bisher haben 65 Landwirtinnen und Landwirte an diesem Lehrgang teilgenommen. Diese Angebote sollen sowohl zum Familieneinkommen der Betriebe beitragen als auch den Betroffenen zugutekommen und die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum unterstützen.

Der Lehrgang bildet die Voraussetzung für die Anerkennung nach der Alltagsförderungsverordnung (AföVO) des Landes Schleswig-Holstein. Diese Qualifizierung ist – neben der Sicherstellung einer qualitätsgerechten Leistungserbringung – Grundlage, um Leistungsansprüche der pflegeversicherten Hofbesucherinnen und Hofbesucher gegenüber den Pflegekassen geltend zu machen und wird auch in anderen Bundesländern zur Anerkennung als Betreuungsangebot akzeptiert.

Innovative Projekte fördern

Seit November 2023 ist der Green-Care-Lehrgang Teil eines größeren Innovationsprojekts: Innovationen in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft praxisnah, lösungsorientiert und interdisziplinär zu fördern – genau dieses Ziel verfolgt die Europäische Innovationspartnerschaft „Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft“ (EIP Agri). Im Rahmen des dreijährigen EIP-Agri-Vorhabens „Green Care – Weiterentwicklung von landwirtschaftlichen Betrieben durch Integration sozialer Angebote“ soll der Lehrgang durch Aufnahme weiterer Angebotsmöglichkeiten, wie beispielsweise Angebote der Eingliederungshilfe, und Zielgruppen optimiert werden. Dieses geschieht in Wechselwirkung mit anderen Projektzielen:

  • dem Aufbau von Leuchtturmprojekten auf den zehn teilnehmenden Projekthöfen,
  • der Etablierung eines Netzwerks und
  • der Entwicklung eines Leitfadens, der andere Höfe dabei unterstützen wird, Angebote dieser Art zu initiieren.

Der Lehrgang "Green Care – Soziale Landwirtschaft" richtet sich an alle Betriebe, die im Bereich der Sozialen Landwirtschaft bereits aktiv sind oder planen, in diesen Betriebszweig neu einzusteigen.

Stimmiges Lehrgangskonzept

Die 14 Lehrgangstage mit insgesamt 120 Unterrichtseinheiten erstrecken sich von April bis Oktober und finden in sechs Blöcken von einem bis vier Tagen auf sieben verschiedenen Höfen mit bereits umgesetzten Angeboten der Sozialen Landwirtschaft statt. So finden sowohl Praxis als auch Theorie breiten Raum. Die Lehrgangsleitung Maria Nielsen führt durch das umfangreiche Programm; unterstützt wird sie durch zahlreiche Fachreferenten. Die Lehrgangsteilnehmenden bekommen im Anschluss an den Lehrgang in einem festlichen Rahmen – im besten Falle auf einem der teilnehmenden Höfe – ihre Zertifikate von der Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein Ute Volquardsen überreicht.

Der Lehrgang bietet einen „bunten Strauß“ an Themen:

  • Zielgruppen (Was bietet der Hof für die verschiedenen Bedürfnisse?);
  • Angebotsformen (Welche Möglichkeiten gibt es, wie setzt man sie um? Welche Qualifizierung ist erforderlich?);
  • Vermieter oder Betreiber (Was macht für den Hof mehr Sinn?);
  • Lebenslage Pflegebedürftigkeit, Krankheit, Behinderung und soziale Faktoren;
  • individuelle Entwicklung von passgenauen Angeboten;
  • organisatorische Rahmenbedingungen, rechtliche Grundlagen und Fördermöglichkeiten;
  • Chancen des neuen Bundesteilhabegesetzes; ALA – Andere Leistungsanbieter (Wie werden Landwirte und Landwirtinnen zu entlohnten Beschäftigungsgebern für Menschen mit Beeinträchtigung?)
  • Praxis pur: Einblicke in Tiergestützte Interventionen (TGI) mit Nutztieren;
  • Kostenkalkulation und Preisfindung, Marketing;
  • Akteure auf dem Betreuungs- und Pflegesektor (Mit wem können Höfe kooperieren?);
  • Situation pflegender Angehöriger, Rolle der Helfenden, Selbstsorge;
  • Hygienemaßnahmen und Unfallverhütung;
  • fachgerechte Kommunikation mit den Akteuren und der Zielgruppe.

Element der Daseinsvorsorge

Der Blick auf die Versorgungsstrukturen von Pflege, Betreuung und Pädagogik macht deutlich: Aufgrund des Mangels an Fach- und Assistenzkräften sind ländliche Räume oft unterversorgt. Es zeigt sich bundesweit, dass soziale Angebote auf Bauernhöfen beliebte Arbeitsplätze für Mitarbeitende aus diesen Bereichen sind. Die Höfe leisten somit einen erheblichen Beitrag zur Daseinsvorsorge des ländlichen Raums.

Die Nachfrage nach sozialen Angeboten auf landwirtschaftlichen Betrieben ist sehr viel höher als das aktuelle Angebot. Der Green-Care-Lehrgang befähigt Landwirtinnen und Landwirte, neue Betriebszweige erfolgreich zu entwickeln und mit einem weiteren, betrieblichen Standbein in die Zukunft des eigenen Hofes zu investieren. Die Soziale Landwirtschaft ist allerdings weit mehr als nur ein wirtschaftliches Modell: Sie ist ein wichtiger Bestandteil der sozialen Infrastruktur im ländlichen Raum. Sie trägt zur Integration von Menschen mit besonderen Bedürfnissen bei, schafft Arbeitsplätze und stärkt das Gemeinschaftsgefühl in der Region.