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Weit über 100 hochmotivierte und fachkundige junge Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet versammelten sich im Juni am Wassergut Canitz in Sachsen mit dem Ziel, gemeinsam Zukunft zu entwerfen. Innerhalb von zwei intensiven Tagen entstanden acht differenzierte Zukunftsbilder, die in einem 16-Punkte-Plan verdichtet wurden. Die Ergebnisse wurden auf der Hauptbühne der Öko-Feldtage öffentlich vorgestellt und unter großem Applaus an das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) übergeben. Es war ein Moment, in dem Beteiligung sichtbar wurde – und seither echte politische Wirkung entfaltet.

Thematischer Rahmen

Das Organic Future Camp wurde initiiert und finanziert durch das BMLEH im Rahmen des Bundesprogramms ökologischer Landbau (BÖL) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und von der Münchener Schweisfurth Stiftung konzipiert. Bei der Durchführung wurde mit der Bonner PR-Agentur m&p public relations, dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL und weiteren Partnern zusammengearbeitet.

Das OFC wurde als mehrmonatiges kreatives Beteiligungsformat für junge Menschen aus der gesamten Wertschöpfungskette der Land- und Lebensmittelwirtschaft konzipiert und dabei bereits in der Entwicklung von einem zehnköpfigen Team aus jungen Experten beraten und begleitet. Auf Grundlage bisheriger Beteiligungsprozesse (Zukunftskommission Landwirtschaft, EU-Agrardialog, Bio-Strategie 2030) wählte das „Junge Expertise Team (JET)“ acht Themenfelder für das OFC aus. Die Verzahnung mit der ministeriellen Arbeit erfolgte über eine interne Hausabfrage dazu, an der sich 26 BMLEH-Referate aktiv mit einer Bedarfserhebung beteiligten. Aus diesem gemeinsamen Prozess gingen schließlich die acht zentralen Herausforderungen (Challenges) des OFC hervor. Diese Challenges bildeten den thematischen Rahmen für das Camp und wurden methodisch in einer mehrstufigen Gruppenstruktur bearbeitet.

Veränderungsszenarien

Im Zentrum des Camps stand die Aufgabe, eine gemeinsame Vision für die Zukunft der Land- und Lebensmittelwirtschaft zu entwickeln. Spaß, Austausch und Netzwerken sollten natürlich ebenfalls nicht zu kurz kommen. Die Teilnehmenden arbeiteten dafür in acht thematischen Reisegruppen, die je eine der Challenges bearbeiteten und von professionellen Moderatorinnen und Moderatoren unterstützt wurden. Innerhalb jeder Reisegruppe wurden vier sogenannte Aspekte-Crews gebildet: kleine Arbeitsgruppen, die sich gezielt einem Teilaspekt der Challenge widmeten. Als zentrales strukturiertes Beteiligungsinstrument wurde eigens für das OFC der sogenannte Veränderungskompass entwickelt, der einer einfachen Logik mit zwei Eckpunkten folgte: wovon mehr – wovon weniger? Sichtbar gemacht wurde dies in vier Quadranten: Was wollen wir aufbauen? Was wollen wir stärken? Was wollen wir vermindern? Was wollen wir aufhören?

Das Organic Future Camp startete seine inhaltliche Arbeit mit motivierenden Keynotes des BMLEH und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), gefolgt von der „Lernreise“, sechs spannenden themenübergreifenden Impuls-Workshops mit Referentinnen und Referenten aus Wissenschaft und Bio-Branche. Mit diesen neuen wertvollen Inspirationen an Bord arbeitete dann jede Aspekte-Crew zunächst eigenständig an einem Veränderungskompass. Insgesamt entstanden auf diese Weise 32 kleine Veränderungsszenarien, die im zweiten Schritt innerhalb der jeweiligen Challenges zusammengeführt wurden. So entstanden acht große Zukunftsbilder (eines pro Challenge). Diese visualisierten klar und in einfachen Worten, was sich die Teilnehmenden für die Zukunft der Land- und Lebensmittelwirtschaft wünschen oder welche Forderungen sie stellen.

Breiter Konsens sichtbar

Parallel dazu arbeitete ein Team kontinuierlich an der Verdichtung übergreifender Aussagen. Noch am Abend des zweiten Tages wurden die ersten 14 Thesen eines gemeinsamen 16-Punkte-Plans im Plenum vorgestellt und in soziometrischen Aufstellungen, also durch körperliches Positionieren im Raum, diskutiert. Änderungswünsche und Er-gänzungen wurden aufgenommen. Ein freiwilliges Redaktionsteam überarbeitete bis spät in die Nacht die Inhalte, ergänzte zwei weitere Punkte sowie eine Präambel. Die finale Abstimmung erfolgte um 23 Uhr. Alle 16 Punkte wurden fast einstimmig angenommen. Mit dem Schwung, der sich aus diesem breiten Konsens entwickelte, wurde anschließend ausgelassen auf der OFC-Party gefeiert.

Am dritten Tag des Camps wurde der 16-Punkte-Plan auf der Hauptbühne der Öko-Feldtage offiziell an Dr. Burkhard Schmied, Leiter der Abteilung 7 (Landwirtschaftliche Erzeugung, Gartenbau, Agrarsozialpolitik, Steuern, Agrarstatistik) im BMLEH, übergeben. Die öffentliche Resonanz war überwältigend: breite Zustimmung, starke Rückmeldungen aus der Fachöffentlichkeit und klare Signale des Ministeriums, die Impulse in zukünftige Strategien einzubeziehen. „Wir nehmen die Ergebnisse sehr ernst. Wir schauen uns jeden einzelnen Punkt genau an und prüfen, was wir in unserem Haus umsetzen können und wo wir Partner brauchen, zum Beispiel in anderen Ressorts oder auf Ebene der Länder. Unser Ziel ist klar: Wir wollen dem ökologischen Landbau eine noch bessere Zukunft in Deutschland ermöglichen“, betonte Schmied. Sein Dank ging an alle Teilnehmenden, die an den Zukunftsbildern mitgearbeitet haben.

Teilnahme am politischen Diskurs

Die Methodik des Organic Future Camps überzeugt durch ihre klare, einfache Struktur. Sie ermöglichte allen Teilnehmenden – unabhängig von Vorwissen oder Bildungshintergrund – eine gleichwertige demokratische Beteiligung auf Augenhöhe. Durch die kleinteilige Gruppenstruktur, professionelle Moderationsbegleitung und das iterative Zusammenführen von Ideen entstand ein inklusiver Prozess, der alle Perspektiven sichtbar machen konnte. Die visuelle Arbeitsweise erleichterte das Verständnis und machte auch komplexe Themen auf einen Blick vergleichbar.

Besonders hervorzuheben ist, dass das OFC nicht auf Konsens abzielte, sondern auf das Sichtbarmachen von Resonanzfeldern. Auch Einzelmeinungen wurden dokumentiert und Differenzen konnten stehenbleiben. So entstand ein ehrliches und breit getragenes Bild dessen, was jungen Menschen in der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft wichtig ist.

Das OFC zeigt darüber hinaus, dass Beteiligung mehr ist als ein Format – sie ist eine Haltung. Durch die Kombination aus klarer Struktur, kreativen Methoden und der Bereitschaft, junge Perspektiven ernst zu nehmen, wurde eine Atmosphäre geschaffen, in der Veränderung tatsächlich greifbar wurde. Die Beteiligung als Kern des Prozesses wurde von allen mit großem Engagement und Verantwortungsbewusstsein ausgefüllt. Martina Englhardt-Kopf, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: „Es beeindruckt mich, mit wie viel Engagement und Weitblick junge Menschen ihre Vision für die Land- und Lebensmittelwirtschaft von morgen formulieren. Die Ergebnisse des Organic Future Camps zeigen: Die nächste Generation will mitgestalten – verantwortungsbewusst, konstruktiv und lösungsorientiert.“

Die Verstetigung von Formaten wie dem OFC ist eine der erklärten Forderungen der Teilnehmenden. Unter Punkt 16 heißt es: „Junge Perspektiven auf eine nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft der Zukunft sehen es als notwendig an, dass Land- und Lebensmittelthemen Teil des täglichen politischen Diskurses werden und junge Perspektiven dauerhaft aktiv einbezogen werden.“