
Schulleiter Uwe Mohr erläutert die Hintergründe für den Standort der Fachschule: „In Bayern werden seit jeher die meisten Milchwirtschaftlichen Laboranten – etwa ein Drittel der Laboranten im gesamten Bundesgebiet – ausgebildet. Deshalb hat Bayern vor 36 Jahren auch federführend die Fortbildungsmöglichkeit zum Milchwirtschaftlichen Labormeister mit auf den Weg gebracht. Die Nachfrage nach dieser Fortbildung ist einfach zu gering, um sie noch in anderen Bundesländern anbieten zu können.“ Mit Stolz verweist der Schulleiter auf die „enormen Kompetenzen auf diesem Gebiet“ – auch aufgrund des Lehr- und Versuchslabors, dessen Akkreditierung nach dem weltweit gültigen Standard DIN EN ISO/IEC 17025 erfolgte.
Die Fortbildung zur Labormeisterin/zum Labormeister steht in erster Linie dem Berufsnachwuchs bayerischer Molkereien offen. „Aufgrund freier Kapazitäten nehmen wir aber auch gern Fortbildungswillige aus anderen Bundesländern und benachbarten deutschsprachigen Ländern auf“, sagt Mohr. Pro Jahr besuchen etwa 14 bis 20 Studierende aus dem genannten Einzugsgebiet die Bildungseinrichtung, die zur Staatlichen Fachschule für Agrarwirtschaft Triesdorf gehört. Ihnen stehen bis zu 21 Plätze im angeschlossenen Wohnheim zur Verfügung.
Zugangsvoraussetzungen
Zugangsvoraussetzung für die zweisemestrige Fortbildung ist zum einen eine erfolgreiche Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Milchwirtschaftliche Laborantin/Milchwirtschaftlicher Laborant oder einem ähnlichen Ausbildungsberuf wie zum Beispiel Chemisch-Technische Assistentin/Chemisch Technischer Assistent (CTA). Zum anderen muss eine mindestens zwölfmonatige einschlägige Berufspraxis nachgewiesen werden. „Dabei kann es sich um eine Tätigkeit in einem milchwirtschaftlichen Labor, aber auch in einem Labor mit vergleichbarer Untersuchungstätigkeit im Lebensmittelbereich – HACCP (Hazard Analysis and Critical Control Points) und Audits – handeln“, präzisiert der Schulleiter.
Die meisten Studierenden haben einen wichtigen Teil ihrer Ausbildung am bereits erwähnten Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchanalytik in Triesdorf absolviert und dabei unter anderem ihre Bereitschaft zu sorgfältigem und genauem Arbeiten unter Beweis gestellt. Schließlich kontrollieren sie die Qualität von Milch und Milchprodukten – eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. „Aus den Molkereien geht kein Produkt hinaus an die Verbraucher, das nicht von milchwirtschaftlichen Laboranten untersucht worden ist“, sagt Uwe Mohr.
Lernen mit Praxisnähe
Auf dieses Fundament baut die Fortbildung, an der zu etwa 80 Prozent Frauen teilnehmen, vertiefend auf. In Triesdorf werde großer Wert auf Praxisnähe gelegt, betont der Schulleiter. Wichtige Lerninhalte sind zum Beispiel:
- Analytik in der Milch- und Lebensmittelwirtschaft,
- Verifizierung und Validierung von Untersuchungsprozessen,
- Qualitätsmanagement und Eigenkontrollsysteme im Lebensmittelbereich,
- lebensmittelrechtliche Vorschriften unter anderem im Bereich Lebensmittelhygiene und Deklaration von Milchprodukten,
- Labororganisation,
- Einführung in Lean Management,
- Kostenrechnung im Labor,
- dynamische Investitionsrechnung,
- Reklamationsmanagement sowie
- Digitalisierung von Laborprozessen.
Als weitere Schwerpunkte kommen gemäß Milchwirtschaftlicher-Labormeister-Prüfungsverordnung Berufsausbildung, Mitarbeiterführung und Persönlichkeitsbildung dazu. „Über die Inhalte der Prüfungsverordnung hinaus vermitteln wir in der Fachschule auch Kompetenzen in Rhetorik, Kommunikation, Präsentations- und Moderationstechniken sowie fachbezogene Kommunikation in englischer Sprache“, ergänzt Uwe Mohr. Dafür stehen insgesamt sieben Lehrkräfte zur Verfügung, die zum Teil neben dem Fachschulunterricht weitere Aufgaben am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchanalytik wahrnehmen.
Am Ende der beiden Semester steht sowohl eine Fachschulabschlussprüfung als auch eine Labormeisterprüfung an. Wer sie besteht, erhält folglich auch zwei Zeugnisse und darf sich zum einen „Staatlich geprüfte/r Wirtschafter/in für Milchwirtschaftliches Laborwesen – Bachelor Professional in Agrarwirtschaft“ (Fachschulabschluss) und zum anderen „Milchwirtschaftliche/r Labormeister/in – Bachelor Professional im Milchwirtschaftlichen Laborwesen“ nennen.
Berufliche Perspektiven
Die beruflichen Einsatzmöglichkeiten sind breit gefächert: „Viele Absolventen übernehmen mittlere und gehobene Führungsaufgaben in Einrichtungen der Lebensmitteluntersuchung“, erklärt Uwe Mohr. Dazu zählen naheliegenderweise Molkereilabore, aber zum Beispiel auch Labore für Trinkwasser und Mikrobiologie sowie im Pharmabereich. Auf den ersten Blick vielleicht überraschend: „Milchwirtschaftliche Laboranten und Labormeister können überall dort arbeiten, wo untersucht wird“, sagt Mohr: „Die Branche spielt da überhaupt keine Rolle, da wir Grundkompetenzen vermitteln, die in der Analytik überall vergleichbar sind. Es spielt keine große Rolle, ob man einen Käse, ein Futtermittel oder eine Wurst mikrobiologisch untersucht – die Verfahren ähneln sich oder sind sogar gleich. Unsere Absolventinnen und Absolventen können ‚Labor‘, egal welches.“
Zu den möglichen Berufsfeldern zählen auch Qualitätsmanagement und -sicherung, Forschung, Produktentwicklung und Lebensmittelüberwachung. Außerdem erlangen die Labormeister nach einer gewissen Berufspraxis die Ausbildereignung. „Weniger Schichtarbeit, mehr Führungsaufgaben, mehr Verantwortung, mehr Anerkennung, mehr Geld und mehr Zufriedenheit“, fasst der Schulleiter die Vorteile der Fortbildung zusammen.
Fachschule für Milchwirtschaftliches Laborwesen
Fachschule für Milchwirtschaftliches Laborwesen
Steingruberstraße 10
91746 Weidenbach
Tel.: 08161 86401611




