
Aus Zwei mach Eins: Im Februar dieses Jahres wurden die ehemaligen Fachschulen für Landwirtschaft Döbeln und Großenhain an ihrem neuen Standort Nossen rund 30 Kilometer westlich von Dresden zusammengelegt. „Die Fachschule ist in das Förder- und Fachbildungszentrum (FBZ) eingebunden. Dafür wurde am Standort des bereits vorhandenen Landwirtschafts- und Umweltzentrums Nossen, das aus den Abteilungen 7 und 9 sowie der Staatlichen Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft besteht, der ehemalige alte Gasthof saniert und mit einem Neubau verbunden. Darin ist nun das FBZ mit der Fachschule untergebracht, die über moderne Technik verfügt“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Annett Rindfleisch. „Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich weitere Referate der Fachabteilungen des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.“
Vollzeitunterricht im Winter
Diese enge Nachbarschaft ermöglicht, insbesondere im pflanzenbaulichen Bereich, zahlreiche Synergieeffekte. Davon profitieren aktuell 14 Fachschüler und drei Fachschülerinnen, die den Abschluss „Staatlich geprüfte/r Wirtschafter/-in für Landwirtschaft“ anstreben. Wie auch in den drei anderen sächsischen Fachschulen für Landwirtschaft in Löbau, Plauen und Zwickau absolvieren sie eine zweijährige Fortbildung. „Sie nehmen zwei Winter lang jeweils vom 1. November bis 31. März bei uns am Vollzeitunterricht teil. Das Sommerhalbjahr verbringen sie dagegen in den Betrieben“, erklärt Annett Rindfleisch.
Zugangsvoraussetzung ist der erfolgreiche Abschluss einer Ausbildung in einem Grünen Beruf mit anschließender einschlägiger Berufstätigkeit von mindestens einem Jahr oder ein Abschluss in einem anderen Beruf mit mindestens fünf Jahren Tätigkeit in der Landwirtschaft. Wer die genannte Berufspraxis nicht nachweisen kann, muss sich zu einem in drei Abschnitte aufgeteilten, insgesamt zwölf Monate dauernden gelenkten Praktikum in einem landwirtschaftlichen Betrieb verpflichten.
Bildungsinhalte
Im fachrichtungsbezogenen Bereich, der insgesamt 1.220 Unterrichtsstunden umfasst, nehmen die Lernfelder „Unternehmen gründen und führen“ (240 Stunden), „Milch und Rindfleisch wirtschaftlich produzieren“ (150 Stunden), „Marktfrüchte und nachwachsende Rohstoffe wirtschaftlich erzeugen“ (140 Stunden), „Berufsnachwuchs ausbilden“ (120 Stunden) sowie „Rahmenbedingungen analysieren und in die Unternehmensführung integrieren“ (100 Stunden) den größten Raum ein. Dazu kommen ein fachrichtungsübergreifender Bereich mit insgesamt 80 Unterrichtsstunden in den Fächern Deutsch sowie Wirtschafts- und Sozialpolitik und ein 60 Stunden umfassender Wahlbereich.
Aktuell stehen an der Fachschule Nossen vier Hauptlehrkräfte zur Verfügung. „Ab dem Schuljahr 2025/2026 werden hier zusätzlich zwei junge Lehrer unterrichten, die frisch aus dem Referendariat kommen und im technischen Bereich sehr versiert sind“, freut sich Annett Rindfleisch. Ergänzt wird das – dann sechsköpfige – Kollegium durch Referentinnen und Referenten aus den unterschiedlichsten Bereichen, von denen einige aus dem benachbarten Förder- und Fachzentrum kommen. Zum Oktober 2025 bekommt der Standort Nossen mit Udo Heilmann zudem einen neuen Leiter.
Der Weg zum Landwirtschaftsmeister
Im Sommer 2026 werden die aktuellen Fachschülerinnen und Fachschüler ihren Abschluss in der Tasche haben – vorausgesetzt, sie legen erfolgreich die vier schriftlichen Prüfungsarbeiten und die praktische Prüfung in Form einer Ausbildungssituation mit Auszubildenden und einer Fallstudie ab. Was kommt danach? Die Einsatzmöglichkeiten sind breit gefächert und umfassen auch den gesamten vor- und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft. Allerdings arbeiten die allermeisten in landwirtschaftlichen Unternehmen, häufig auf der mittleren Führungsebene in einem größeren Betrieb oder sie wollen früher oder später den elterlichen Betrieb übernehmen, so Annett Rindfleisch.
Rund 70 Prozent der Absolventinnen und Absolventen melden sich direkt nach ihrem Abschluss zu dem an der Fachschule Nossen ebenfalls angebotenen eineinhalbjährigen Vorbereitungslehrgang für die Prüfung zum Landwirtschaftsmeister/ zur Landwirtschaftsmeisterin an. „Etwa zehn bis 20 Prozent machen erstmal mindestens ein oder zwei Jahre Pause, bevor sie den Landwirtschaftsmeister draufsatteln“, ergänzt die stellvertretende Schulleiterin und stellt klar: „Da die Meisterprüfung inhaltlich mit der Wirtschafter-Fortbildung verflochten ist, empfehlen wir den Besuch der Fachschule. Er ist aber keine Voraussetzung für die Teilnahme am Vorbereitungskurs.“ Diesen besuchen zurzeit 19 künftige Landwirtschaftsmeister, die bis zum Juli 2026 ihren Abschluss machen werden.
Tierwirtschaftsmeister Schäferei möglich
Fast ein Alleinstellungsmerkmal in Nossen, da bundesweit nur hier und in Bayern angeboten, ist der Vorbereitungslehrgang für die Prüfung zum Tierwirtschaftsmeister oder zur Tierwirtschaftsmeisterin Schäferei. „Er ist allerdings nur organisatorisch an die Fachschule Nossen angegliedert“, erklärt Annett Rindfleisch. „Der theoretische und praktische Unterricht findet über drei Jahre hinweg jeweils von September bis Dezember einmal pro Woche im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch statt.“ Auch hier gibt es aktuell 19 Absolventen, die im kommenden Jahr ihre Meisterprüfung ablegen werden.
Fachschule für Landwirtschaft Nossen
Waldheimer Straße 230
01683 Nossen
Tel. 035242 6313550
Fax 0351 4512610256
annett.rindfleisch@lfulg.sachsen.de
www.lfulg.sachsen.de/fachschule-fur-landwirtschaft-10364.html



