Artikel herunterladen

pdf, 531 KB
DOWNLOAD

Die Akademie für Landbau und die geografische Lage könnte kaum günstiger sein: Die Fachschule für Gartenbau Bad Zwischenahn befindet sich im Ammerland im Nordwesten von Niedersachsen – und damit mitten in einem der größten Gartenbauzentren Deutschlands. Dieser Standortvorteil wird für wöchentliche Betriebsexkursionen genutzt, bei denen die Schülerinnen und Schüler von den Betriebsinhabenden oder führenden Mitarbeitenden Informationen aus erster Hand erhalten. „Über das Jahr hinweg lernen sie so 30 bis 40 Unternehmen unterschiedlichster Ausrichtung kennen und können zusätzlich bei einer überregionalen Exkursion über das Ammerland hinaus Einblicke in die Praxis gewinnen“, sagt Edgar Janssen, Teamleiter der Fachschule für Gartenbau. Die dabei gewonnenen Informationen fließen anschließend in den Unterricht ein.

Viele Standortvorteile

Praxisnähe bedeutet in Bad Zwischenahn aber noch etwas anderes. So besteht eine intensive Zusammenarbeit mit der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Bad Zwischenahn, in deren Gebäude die Fachschule untergebracht ist. Von dort aus bietet sich ein direkter Blick in den „Park der Gärten“ – ein aus der Landesgartenschau 2002 hervorgegangenes, 140.000 Quadratmeter großes Areal, das mit 45 Mustergärten zu unterschiedlichsten Themen (zum Beispiel „Klimagarten“, „Bäuerlicher Nutzgarten“ oder „Garten und Kunst im Dialog“) die größte Anlage ihrer Art in Deutschland ist. „Dieser Park steht unseren Schülerinnen und Schülern über die offiziellen Öffnungszeiten hinaus zur Verfügung. Unter anderem können sie mit ihrer Jahreskarte auch im Winter in den Park hinein, um botanische Studien zu betreiben“, erklärt Janssen. Die Betriebsführungen und die Nachbarschaft zum „Park der Gärten“ werden von vielen Schülerinnen und Schülern als große Vorteile gewertet: „Zum Teil kommen sie sogar explizit deswegen hierher.“

Deshalb überrascht es kaum, dass sich das Einzugsgebiet der Schule weit über seinen Schwerpunkt Nordwestdeutschland hinaus auf das gesamte Bundesgebiet erstreckt. 27 Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner sowie acht Baumschulgärtnerinnen und Baumschulgärtner besuchen aktuell die Fachschule, die organisatorisch zur Berufsbildenden Schule (BBS) Ammerland gehört und auf die Meisterprüfung an der Landwirtschaftskammer Niedersachsen vorbereitet. Voraussetzungen für den Besuch der „Meisterschule“ sind eine abgeschlossene Berufsausbildung als Gärtnerin oder Gärtner inklusive Berufsschulabschluss und mindestens 24 Monate Berufserfahrung. Die Fachrichtungen Zierpflanzenbau und Stauden werden inzwischen mangels Nachfrage nicht mehr angeboten.

Die Unterrichtsinhalte sind speziell auf die Fachrichtungen Garten- und Landschaftsbau sowie Baumschule ausgerichtet. Schwerpunkte liegen jedoch in beiden Fällen auf den Fächern Unternehmensführung, Betriebswirtschaft und Marketing, Produktions- und Verfahrenstechnik sowie Berufsausbildung und Mitarbeiterführung. Dazu kommen unter anderem im berufsbezogenen Lernbereich Naturschutz und Landschaftspflege sowie im nicht berufsbezogenen Lernbereich Deutsch und Politik. All diese Inhalte werden von sechs Lehrkräften vermittelt, die darüber hinaus auch an der BBS Ammerland unterrichten. „Wir haben einen sehr intensiven Draht zu unseren Schülerinnen und Schülern“, berichtet Teamleiter Edgar Janssen.

Meisterprüfung als Ziel

Die einjährige Fachschule führt zunächst zum Abschluss „Staatlich geprüfte Wirtschafterin/staatlich geprüfter Wirtschafter für Gartenbau“. Obwohl der Wirtschafter-Abschluss grundsätzlich ausreicht, stellt Edgar Janssen fest: „Unsere Absolventinnen und Absolventen melden sich ausnahmslos zur Meisterprüfung an.“ Für den Meisterbrief müssen sie in den drei Bereichen Fachkunde, Betriebswirtschaftslehre und Mitarbeiterführung sowohl schriftliche als auch praktische und mündli-che Prüfungen ablegen. Dazu kommt als zentrales Element die Meisterarbeit. „Wir arbeiten mit einer Firma zusammen, die spezifische Betriebssoftware für unseren Bereich entwickelt. Dafür bekommen unsere Schülerinnen und Schüler Lizenzen, werden von den Firmenmitarbeitern geschult und können sie am Ende für ihre Meisterarbeiten nutzen“, berichtet Janssen.

Wo arbeiten die ausgebildeten Gärtnermeisterinnen und -meister heute? „Das ist sehr unterschiedlich und hat sich im Vergleich zu früher sehr gewandelt“, so Janssen. Er verdeutlicht dies am Beispiel der Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner: Früher arbeiteten alle auf der Baustelle, heute sind manche ausschließlich im Büro, andere nur draußen oder wechseln zwischen beiden Aufgabenbereichen. Sorgen, keine Meisterstelle zu bekommen, müsse sich jedenfalls keiner machen, fügt er hinzu: „Bei den Exkursionen werden unsere Absolventinnen und Absolventen häufig gezielt von Betrieben, die Führungskräfte suchen, angesprochen. Viele Kommunen, aber auch Einrichtungen für Menschen mit Behinderung sind ebenfalls auf der Suche nach qualifizierten Gärtnermeisterinnen und -meistern. Edgar Janssen ergänzt, dass insbesondere Fachkräfte aus dem Bereich Garten- und Landschaftsbau häufig den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.


Fachschule für Gartenbau Bad Zwischenahn

Fachschule für Gartenbau Bad Zwischenahn
Hogenkamp 51
26160 Bad Zwischenahn

Tel. 04403 62790 oder 627920

edgar.janssen@bbs-ammerland.de

www.bbs-ammerland.de/index.php/einjaehrige-fachschule-agrarwirtschaft-schwerpunkt-gartenbau.html