Artikel herunterladen

pdf, 503 KB
Download

Eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis ist sowohl für die ein- als auch für die zweijährige Fachschule Agrarwirtschaft an den BBS Rotenburg charakteristisch. Abteilungsleiter Norbert Kaufmann nennt ein Beispiel: „Die Kolleginnen und Kollegen fahren mit den Schülerinnen und Schülern regelmäßig hinaus auf die Höfe, wo sie auch praktische Übungen durchführen.“ Dazu kommen jährliche Messebesuche, etwa bei der Agritechnica und Eurotier in Hannover oder der Grünen Woche in Berlin, sowie Studienfahrten ins europäische Ausland, etwa zur EU nach Brüssel. Jens Koennecke, Bildungsgangleiter der Berufsfach- und Berufsschule, erläutert die Bedeutung dieser Angebote: „Uns ist wichtig, dass unsere Schüler über den eigenen Tellerrand hinausschauen und ihren Blick europaweit öffnen. Ebenso wichtig ist uns, sie in ihrem eigenständigen Denken und Handeln zu fördern. Spätestens in der Fachschule müssen sie heraus aus ihrer Komfortzone.“

An den BBS Rotenburg, die aktuell rund 2.000 Schülerinnen und Schüler besuchen, gibt es auch eine einjährige Berufsfachschule Agrarwirtschaft mit derzeit 155 angehenden Landwirtinnen und Landwirten – sie ist damit einer der größten Standorte für diesen Bereich in Niedersachsen. Aus diesem Fundus schöpft die Fachschule für Agrarwirtschaft zu 90 bis 95 Prozent ihren Nachwuchs.

Bachelor Professional in Agrarwirtschaft

Aktuell 24 junge Menschen mit einem Durchschnittsalter von etwa 20 Jahren besuchen die einjährige Fachschule, die in Vollzeitunterricht zum Abschluss „Staatlich geprüfter Wirtschafter und staatlich geprüfte Wirtschafterin“ (“Bachelor Professional in Agrarwirtschaft“) hinführt. Ziel ist die Vermittlung von Betriebsleiterfähigkeiten. Der Ausbildungsschwerpunkt liegt deshalb auf den Lernfeldern Betriebswirtschaft, Unternehmensführung und Marketing. Der Unterricht ist sehr praxisnah ausgerichtet. So müssen die Schülerinnen und Schüler vor der Klasse den elterlichen Betrieb oder ihren ehemaligen Ausbildungsbetrieb vorstellen. Sie lernen nicht nur, Buchungsabschlüsse zu lesen und zu analysieren, sondern zum Beispiel auch, die Grund- und Produktionsdaten der wichtigsten Produktionszweige richtig zu beurteilen. Zum Teil ist der Unterricht in Projekten organisiert. Während des ganzen Jahres finden betriebliche Übungen statt.

Um ihr Abschlusszeugnis zu erlangen, müssen die Absolventinnen und Absolventen in zwei Fächern erfolgreich eine schriftliche Prüfung meistern – eine davon aus dem Modul „Prozess- und Produktqualität tierischer Erzeugnisse steuern“ (Naturwissenschaften, Produktions- und Verfahrenstechnik der Pflanzen- und Tierproduktion, Naturschutz und Landschaftspflege) und die andere aus dem Modul „Agrarwirtschaftliche Unternehmen führen und entwickeln“ (Betriebswirtschaft, Unternehmensführung, Marketing). „Nach dem Abschluss übernehmen viele den elterlichen Betrieb“, so der Bildungsgangleiter Fachschule, Peter Voigtländer. Unter den Schülerinnen und Schülern der einjährigen Fachschule treten etwa 25 Prozent eine Hofnachfolge an, in der zweijährigen Fachschule sind sogar über 80 Prozent Hofnachfolger. Mit dem Abschluss als Wirtschafterin und Wirtschafter arbeiten viele auch im Angestelltenverhältnis in größeren landwirtschaftlichen Unternehmen. „Der Abschluss ist ein Sprungbrett für höhere und besser bezahlte Positionen“, sagt Peter Voigtländer.

Bachelor Professional in Wirtschaft

Mindestens die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen sattelt allerdings die zweijährige Fachschule drauf, in der sich aktuell 16 Personen zur/zum „Staatlich geprüften Betriebswirt/-in Agrarwirtschaft“ („Bachelor Professional in Wirtschaft“) ausbilden lassen. Jetzt findet nur noch an zwei Tagen in der Woche Unterricht statt. „Diese Regelung haben wir getroffen, damit unsere Schülerinnen und Schüler genügend Zeit haben, in den eigenen Betrieb hineinzuwachsen“, sagt Peter Voigtländer. Weitere Unterschiede zur einjährigen Fachschule: „Eigenständigkeit steht, nicht zuletzt auch durch das Lernen zu Hause, noch mehr im Vordergrund. Auch die unternehmerische Komponente wird, etwa hinsichtlich der Themen Steuern oder Baurecht, vertieft“, so Voigtländer. Weitere Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Ökologische Landwirtschaft, Nischenproduktion sowie Vermarktung, Management und betriebswirtschaftliche Analyse. „Dabei sollen die Absolventinnen und Absolventen nicht nur in der Lage sein, den Ist-Zustand eines Betriebs zu analysieren, sondern auch den Soll-Zustand gedanklich durchzuspielen und schriftlich darzustellen“, erklärt der Bildungsgangleiter.

Die Abschlussprüfung besteht aus jeweils einer Klausur in den Themenbereichen „Naturwissenschaften oder Mathematik“, „Mitarbeiterführung/Berufs- und Arbeitspädagogik“, „Produktions- und Verfahrenstechnik im Schwerpunktbereich“ sowie „Betriebswirtschaft, Unternehmensführung und Marketing“. Zusätzlich zu den Abschlussklausuren führen die Schülerinnen und Schüler auf freiwilliger Basis Projekte zu selbst gewählten Themen durch.

Zusätzliche Qualifikationen

Mit dem Zeugnis „Staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt/Staatlich geprüfte Agrarbetriebswirtin“ erhalten die Absolventinnen und Absolventen zugleich die Ausbildereignung. Die Fachhochschulreife erwirbt darüber hinaus, wer erfolgreich am Angebot Mathematik oder Naturwissenschaft teilgenommen hat.

Diejenigen Absolventinnen und Absolventen, die keinen eigenen Betrieb übernehmen, arbeiten häufig im mittleren Management größerer landwirtschaftlicher Unternehmen. „Auch der gesamte vor- und nachgelagerte Bereich der Landwirtschaft, darunter zum Beispiel Tierzuchtverbände oder Futtermittelfirmen, kommt für sie als Arbeitgeber infrage“, ergänzt Jens Koennecke. „Da gibt es ein ganz breites Spektrum an möglichen Tätigkeiten – aber das ist schließlich genau das, was die Landwirtschaft ausmacht. Gleichzeitig spezialisiert sich die Landwirtschaft zunehmend, sodass das bei uns erworbene Fachwissen stark nachgefragt ist.“


Berufsbildende Schulen Rotenburg (Wümme)

Fachschule für Agrarwirtschaft - Schwerpunkt Landwirtschaft

Verdener Straße 96 
27356 Rotenburg (Wümme) 
Tel. 04261 9833636 
bbs-row@lk-row.de  
https://www.bbsrow.de/bildungsangebote/schulformen/fachschulen/