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An der Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst (LGF) der Fachhochschule Erfurt spielt das Thema Nachhaltigkeit seit jeher eine zentrale Rolle. „Unter anderem gehörten wir zu den Ersten, die den Klimawandel und die damit verbundenen Folgen in die Lehrinhalte aufgenommen haben“, führt Prof. Dr. Wim Schwerdtner aus, der in der Fachrichtung Gartenbau lehrt und forscht. Dazu passend ist die Fakultät auf dem „Grünen Campus“ der Fachhochschule (FH) Erfurt am Standort Leipziger Straße angesiedelt, wo sie den Studierenden zahlreiche Praxismöglichkeiten bietet. So stehen auf einem 3,5 Hektar großen Freilandversuchsgelände eigene Studierendengärten sowie eine moderne, 2.400 Quadratmeter große Gewächshausanlage zur Verfügung.

Fachrichtung Gartenbau

Die Fakultät LGF wie auch die FH Erfurt insgesamt sei von einer familiären Atmosphäre geprägt, berichtet Prof. Schwerdtner, der Studiengangsleiter für den „Bachelor Gärtnerischer Pflanzenbau“ und den „Master Nachhaltiger Pflanzenbau in Forschung und Praxis“ ist: „Zum Beispiel haben wir im aktuellen ersten Semester des Bachelor-Studiengangs 42 Studierende, was eine sehr persönliche Betreuung ermöglicht.“ Insgesamt zählt die Fachrichtung Gartenbau zurzeit 175 Studierende, von denen 150 auf den Bachelorstudiengang entfallen. 

Voraussetzung für das Bachelorstudium ist ein mindestens achtwöchiges Vorpraktikum, das in der Regel in einem anerkannten Ausbildungsbetrieb des Gartenbaus oder einem pflanzenbaulichen Betrieb abzuleisten ist und den Studienanfängerinnen und -anfängern realitätsnahe Einblicke in ihr späteres Arbeitsumfeld ermöglicht. Während es in den ersten beiden Semestern um die Vermittlung von Grundlagenwissen – vor allem in den Bereichen Biologie, Chemie, Ökonomie und Ökologie – geht, kommen ab dem dritten Semester zunehmend anwendungsbezogene Fächer wie „Klimaanpassung und Klimaschutz“ oder „Anbau- und Investitionsplanung“ hinzu. Außerdem stehen im dritten Semester die fachspezifischen Wahlpflichtmodule Obstbau, Gemüsebau, Zierpflanzenbau, Baummanagement und Cannabisanbau an. Letzteres bietet die FH Erfurt seit dem Wintersemester 2024 an und ist damit die einzige Hochschule in Deutschland. Ziel ist es, vor dem Hintergrund der 2024 in Kraft getretenen neuen Cannabis-Teillegalisierung das durch das lange Verbot verloren gegangene Wissen um die alte Kultur- und Nutzpflanze wiederzubeleben. Das soll in Zukunft auch eigene Anbauversuche beinhalten, wobei ausschließlich Industriehanf ohne THC (Tetrahydrocannabinol) zum Einsatz kommen soll. 

Es folgt ein Praxissemester, bevor die Studierenden im fünften und sechsten Semester in Gruppenarbeit ein Anbauprojekt planen und durchführen. Wer im sechsten Semester dann auch noch erfolgreich seine Bachelorarbeit abgeschlossen hat, muss sich um seine berufliche Zukunft keine Sorgen machen. „Unsere Absolventinnen und Absolventen werden superschnell vom Markt aufgenommen“, so der Studiengangsleiter. „Viele von ihnen arbeiten als Abteilungsleitung in Gartenbaubetrieben. Aber auch Behörden und Gartencenter zählen unter anderem zu den Arbeitgebern.“

Im viersemestrigen Masterstudiengang „Nachhaltiger Pflanzenbau in Forschung und Praxis“ erwerben die Studierenden zunächst vertiefte Kenntnisse in Themenbereichen wie Nachhaltige Ökonomie oder Klimaschutz und -anpassung, bevor sie im dritten Semester zwischen den Schwerpunkten „Pflanzenforschung“ (Forschungsvertiefung) und „Praxis des nachhaltigen Pflanzenbaus“ (Betriebsleitungsvertiefung) wählen. Ein zentrales Element des Studiengangs ist die Masterarbeit im vierten Semester. „Während es bei den angehenden Betriebsleitenden zum Beispiel um Deckungsbeiträge von Kulturen in verschiedenen Anbauverfahren gehen kann, sind bei denjenigen Studierenden, die eine Tätigkeit in der Forschung anstreben, Torfersatzstoffe aktuell ein häufig gewähltes Thema“, berichtet Prof. Schwerdtner. 

Fachrichtung Forstwirtschaft

Auch in der Fachrichtung Forstwirtschaft spielen Aspekte der Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle. In dem siebensemestrigen Bachelorstudiengang „Forstwirtschaft und Ökosystemmanagement“ werden unter anderem die nachhaltige Nutzung des Rohstoffs Holz sowie die Sicherung der Schutzwirkungen des Walds für Wasser, Boden und Luftreinhaltung thematisiert. Das Lehrangebot beschränkt sich aber nicht auf „grüne Themen“, sondern deckt die komplette Bandbreite relevanter Themen ab. „Wir bilden Generalisten aus“, betont Prof. Dr. Fiona Schönfeld, die in Erfurt für den Bereich „Wildtiermanagement und Jagd“ zuständig ist. Die Studierenden absolvieren Module rund um Botanik, Bodennutzung, Waldarbeitslehre und vieles mehr. „Durch dieses generalistische Studium, das zudem sehr hohe Praxisanteile aufweist, sind sie beruflich breit aufgestellt“, so Prof. Schönfeld. Auch hier ist für die Zulassung ein mindestens achtwöchiges Vorpraktikum erforderlich.

Die FH Erfurt bietet diesen Bachelorstudiengang auch in einer dualen Variante an. Diese beinhaltet zu zwei Dritteln Module, die in der Fachhochschule zu absolvieren sind, sowie mehrere Praxisphasen in dem entsendenden Forstbetrieb, in dem die Studierenden die beiden letzten Semester schließlich ganz verbringen. 15 bis 20 dual Studierende gibt es zurzeit. Die Nachfrage nach den wenigen Stellen ist hoch. Ein Grund dafür könnte auch die Tatsache sein, dass die Forstbetriebe den Studierenden vom ersten Tag an eine Vergütung zahlen. In der nicht dualen Variante umfasst der Bachelor-Studiengang 65 bis 75 Studierende. 

Ob klassisch oder dual: Die Absolventinnen und Absolventen haben, auch wegen des anstehenden Generationenwechsels, hervorragende Berufsaussichten. „Hauptabnehmer sind staatliche Forstverwaltungen und Landesforstbetriebe“, sagt Prof. Schönfeld. Aber auch in privaten und kommunalen Forstbetrieben arbeiten viele Studierende später. Weitere berufliche Tätigkeitsfelder tun sich beispielsweise in der Umweltbildung und Beratung, in forstlich ausgerichteten Dienstleistungsunternehmen sowie in der Leitung naturbezogener Freizeiteinrichtungen auf. 

Außerdem bietet die Fachrichtung Forstwirtschaft den dreisemestrigen Masterstudiengang „Management von Forstbetrieben“ an. „Hier haben wir sechs bis zehn Studierende pro Jahrgang“, sagt Prof. Schönfeld. Die überschaubare Zahl hänge nicht zuletzt mit den guten Berufsaussichten der Bachelor-Absolvierenden zusammen. „Die Nachfrage nach ihnen ist so groß, dass sie nicht unbedingt den Master-Abschluss brauchen, um später in der Tätigkeit ihrer Wahl anzukommen.“ Der Master-Studiengang vertieft nicht nur die Inhalte des Bachelor-Studiums, sondern ergänzt sie durch ausgewählte forstwirtschaftliche Themen. Vor allem aber rückt er mit Steuern, Finanzierungsmöglichkeiten und vielem mehr die wirtschaftliche Seite von Forstbetrieben in den Mittelpunkt. „Viele unserer Master-Absolvierenden sind später meist in staatlichen Wäldern, aber auch in großen Privatwäldern auf Forstamtsleitungsebene tätig. Oder sie übernehmen in den unterschiedlichsten Bereichen der Forstwirtschaft Leitungsfunktionen. Andere machen sich auch selbstständig, etwa als Berater oder Gutachter“, sagt Prof. Schönfeld. 

Fachrichtung Landschaftsarchitektur

Weitere zwei Studiengänge bietet die Fachrichtung Landschaftsarchitektur an. Der sechssemestrige Bachelor-Studiengang “Landschaftsarchitektur” vermittelt Kompetenzen in der Planung und Gestaltung von Freiräumen. Die Studieninhalte umfassen unter anderem die Bereiche „Entwerfen und Darstellen“, „Botanik und Ökologie“ sowie „Natur- und Artenschutz“. Das sechste Semester beinhaltet ein mindestens 13-wöchiges Praktikum. Mögliche Praktikumsstellen sind zum Beispiel Büros von Landschaftsarchitekten, Ingenieurbüros mit Umweltplanungsaufgaben sowie Garten- und Grünflächenämter. Die späteren Berufsmöglichkeiten sind vielfältig und erstrecken sich bis hin zur Mitarbeit in Verlagen und Naturschutzverbänden.

Im viersemestrigen Masterstudiengang “Landschaftsarchitektur” kann zwischen den Vertiefungsrichtungen „Naturschutz, Umweltplanung und Kulturlandschaftsentwicklung“, „Freiraumplanung und Gartendenkmalpflege“ sowie „Planen und Bauen in der Landschaftsarchitektur“ gewählt werden; es kann aber auch ein vertiefungsübergreifendes Studium absolviert werden. Wer den „Master of Engineering Landschaftsarchitektur“ in der Tasche hat, ist häufig in leitender Funktion in einem der bereits genannten Bereiche tätig. „Sowohl der Bachelor- als auch der Masterstudiengang greift aktuelle Themen auf: von Klimawandelanpassung über blau-grüne Infrastruktur bis hin zu Lebenszykluskosten,“ berichtet Prof. Jonas Reif, der derzeit die beiden Studiengänge leitet und selbst Pflanzenverwendung und Vegetationskonzepte lehrt.

Schließlich gibt es noch den Masterstudiengang “Erneuerbare Energien Management”, der sich an Bachelor-Absolvierende verschiedenster Fachrichtungen richtet und über die Fakultät Gebäudetechnik und Informatik organisiert wird. In diesem Studiengang geht es unter anderem um die gestalterische Planung und Einbindung von Kraftwerken in die Landschaft, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden.

Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forstwirtschaft arbeiten in Erfurt eng zusammen. So lehren einige Dozenten ihre Module in mehreren Fachrichtungen. Davon unabhängig besteht ein reger Austausch zwischen den Studierenden, die nicht nur gemeinsam ein Wohnheim am Campus nutzen, sondern auch vielfältige Aktivitäten zusammen gestalten.


Kontakt

Fachhochschule Erfurt
Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst (LGF)

Leipziger Straße 77
99085 Erfurt
Telefon 0361/67000

www.fh-erfurt.de/fakultaeten-und-fachrichtungen/landschaftsarchitektur-gartenbau-und-forst