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Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft (DASoL) wurde 2009 von Thomas van Elsen und Alfons Limbrunner als bundesweites Austauschforum für die Vielfalt von Sozialer Landwirtschaft und deren Weiterentwicklung ins Leben gerufen. Seit 2025 ist die DASoL ein eingetragener gemeinnütziger Verein.

Als Entwicklungspartner für Soziale Landwirtschaft agiert die DASoL auf mehreren Ebenen: Eine Webseite informiert über Veranstaltungen bezüglich Sozialer Landwirtschaft und berichtet von laufenden und abgeschlossenen Projekten. Außerdem werden Publikationen, Literaturhinweise und zahlreiche Links zur Verfügung gestellt.

Auf der Website gibt es außerdem die Möglichkeit, sich für den kostenfreien, regelmäßig erscheinenden Rundbrief Soziale Landwirtschaft anzumelden. Dieser Rundbrief enthält Veranstaltungsankündigungen und -berichte sowie Angebote und Gesuche aus dem Kosmos der Sozialen Landwirtschaft. Die DASoL war bereits mehrfach Veranstalterin von gut besuchten Fachtagungen in Witzenhausen wie zuletzt 2023 unter dem Titel „Soziale Landwirtschaft als soziale und ökologische Innovation“.

Mit Blick auf die Förderung und Entwicklung von Projekten der Sozialen Landwirtschaft wurde im Rahmen des hessischen EIP-Agri-Projektes „Mehrwerte Sozialer Landwirtschaft für die landwirtschaftliche Erzeugung“ (2018 bis 2020) ein Einstiegskurs Soziale Landwirtschaft konzipiert. Der Kurs fand seitdem bereits sechsmal an der Universität Kassel in Witzenhausen statt und ergänzte die Grundkurs-Vorlesung zu Sozialer Landwirtschaft am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften.


Potenziale der Sozialen Landwirtschaft

Soziale Landwirtschaft ist kurz gefasst die Verbindung von Landwirtschaft und Sozialer Arbeit beziehungsweise Pädagogik. Dahinter verbergen sich soziale Initiativen und Angebote, die im Rahmen der Landwirtschaft stattfinden, wie zum Beispiel Bauernhofkindergärten, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, die eine Landwirtschaft betreiben oder auch Höfe, die einzelne Menschen einbeziehen, Wohnangebote für Seniorinnen und Senioren oder stundenweise sowie Tagesangebote für verschiedene Zielgruppen. Die Zielgruppen bedienen das breite Spektrum der Sozialen Arbeit und schließen Kinder und Jugendliche, Menschen mit Behinderung, alte Menschen, psychisch erkrankte Menschen sowie straffällig gewordene Menschen, Suchterkrankte, Geflüchtete oder Langzeitarbeitslose mit ein.

Für die einbezogenen Menschen kann die Soziale Landwirtschaft soziale Teilhabe und das Erleben von Selbstwirksamkeit bedeuten. Durch gelebte Inklusion sowie die Möglichkeit zur Gesundheitsförderung und Prävention entstehen nicht zu unterschätzende gesellschaftliche Potenziale.

Und Soziale Landwirtschaft kann noch mehr: Die Beteiligung von mehr Menschen in der Landwirtschaft kann Höfe und ländliche Räume beleben. Handarbeitsintensive Tätigkeiten mit kleinteiligen und überschaubaren Arbeitsschritten können an Stellenwert gewinnen. Solche Tätigkeiten liegen zum Beispiel in Bereichen der Hof- und Kulturlandschaftspflege oder der Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Primärprodukten. Multifunktionale Landwirtschaft, die in besonderem Maße gesellschaftlichen Mehrwert schafft, bietet zudem die Chance, die Landwirtschaft durch Beziehungsaufbau positiv in die Mitte der Gesellschaft zu rücken.


Starthilfe für Projekte

Der Einstiegskurs zielt darauf ab, dass Projektinitiativen individuelle Starthilfe bei ihrer Projekt- und Konzeptgestaltung erhalten. Dafür kommen im Kurs Menschen, die ihr Projekt der Sozialen Landwirtschaft gründen oder neu ausrichten wollen, mit Studierenden der Ökologischen

Agrarwissenschaften zusammen. Gemeinsam werden die Projektideen über die Dauer eines Wintersemesters hinweg in projektbezogenen Teams weiterentwickelt und ein erstes Konzept verfasst.
Zentrale Bausteine des Kurses sind die beiden Kurs-Wochenenden in Witzenhausen, Betriebsbesuche und teamindividuelle Coachings mit der Kursleitung. Dabei sind umfassendes Fachwissen aus Sozialer Landwirtschaft, Landschaftsökologie, Ökologischer Landwirtschaft und Sozialer Arbeit vereint. So wird der Kurs dem interdisziplinären Charakter der Sozialen Landwirtschaft gerecht. Die Kursteilnehmenden reflektieren sich gegenseitig und unterstützen sich durch kollegiale Beratung. Derzeit wird der Einstiegskurs Soziale Landwirtschaft überarbeitet. Für interessierte Initiativen gibt es die Möglichkeit, sich auf eine Warteliste setzen zu lassen, bis die Überarbeitung und Anpassung des Kurskonzeptes abgeschlossen sind.

Am Ende der Einstiegskurse stehen die Initiativen häufig vor der Frage: „Wie geht es jetzt weiter?“ Viele Teilnehmende äußern den Wunsch nach weiterer Unterstützung. Aus diesem Bedarf heraus hat sich 2023 die Projektbegleitung EntSpinnerei als Teil der DASoL gegründet. Die drei Gründerinnen Franziska Halverscheid, Theresa Schwenk und Lena Franke haben an der Universität Kassel ihr Studium der Ökologischen Agrarwissenschaften absolviert und sich im Rahmen des Gründungsstipendiums „Hessen Ideen“ zusammengefunden.

Seitdem unterstützt die EntSpinnerei Initiativen der Sozialen Landwirtschaft bei der Konzeptentwicklung und Projektumsetzung mit Fördermittelakquise, Antragsstellung und der Bewältigung bürokratischer Hürden. Die EntSpinnerei steht sowohl Projekten in Gründung als auch bestehenden Sozialen Landwirtschaften bei einer Neuorientierung zur Seite. In diesem Rahmen richtet sich das Angebot an landwirtschaftliche Betriebe, soziale Einrichtungen und Träger sowie an Privatpersonen und Vereine.

Die Projektvielfalt ist groß: Ob ein Urlaubsangebot mit Assistenz auf dem Bauernhof, die Gründung einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderung, das Schaffen von Entwicklungsmöglichkeiten für psychisch Erkrankte oder eine Tagespflege für Menschen mit Demenz im Kontext der Landwirtschaft. Die Fragen und persönlichen Motive, die die Initiatorinnen und Initiatoren antreiben, sind ebenso vielfältig: Wie kann ein großer Hof, auf dem aktuell nur wenige Menschen arbeiten, wieder zu einem kleinen belebten Dorf mit intaktem Sorgenetzwerk werden? Wie können einzelne Menschen mit Unterstützungsbedarf für alle Seiten fair in landwirtschaftliche Betriebe eingebunden werden? Manche Fragen tauchen während der Begleitung von Entwicklungs- und Übergabeprozessen auf landwirtschaftlichen Betrieben immer wieder auf. So stellt sich bei vielen Projekten die Frage nach den beteiligten Menschen und der Finanzierung.

Neben der Begleitung von Projekten engagiert sich die EntSpinnerei gemeinsam mit Partnern in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit in Form von Workshops, Tagungen, Info-Veranstaltungen, Kursen und Artikeln für Soziale Landwirtschaft.

Bundesweites Netzwerk

Mitarbeitende der DASoL und der EntSpinnerei sind darüber hinaus im Rahmen des bundesweiten Netzwerks Soziale Landwirtschaft aktiv. Dieses Netzwerk ist ein Zusammenschluss von engagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich mit Sozialer Landwirtschaft befassen, und Beratungskräften für Soziale Landwirtschaft in gemeinnützigen Organisationen, Bioanbauverbänden und den Fachbereichen landwirtschaftlicher Verwaltungen. Die Beteiligten des Netzwerks tauschen sich regelmäßig aus und bespielen gemeinschaftlich verschiedene Veranstaltungsformate, um die Soziale Landwirtschaft bekannt zu machen und ins Gespräch zu bringen. Gemeinsam haben Aktive des Netzwerks zusammen mit Praktikerinnen und Praktikern 2025 beispielsweise beim Zukunftsforum ländliche Entwicklung (ZFLE) im Rahmen der Grünen Woche in Berlin ein Fachforum zu Sozialer Landwirtschaft ausgestaltet und waren bei den Ökofeldtagen nahe Leipzig mit einem Stand präsent.

Künftige Herausforderungen

Die Soziale Landwirtschaft ist ein komplexes und facettenreiches Feld, das verschiedene Disziplinen miteinander verbindet. Durch die Interdisziplinarität ist es häufig schwer, Zuständigkeiten bei Ämtern und Behörden klar zu bestimmen. Der Dschungel aus Fördermöglichkeiten und gesetzlichen Finanzierungsgrundlagen, die sich aus den verschiedenen Zielgruppen und Angebotsformen ergeben, macht Beratung in diesem Feld fast unerlässlich.

Soziale Landwirtschaft ist außerdem auf Öffentlichkeitsarbeit angewiesen, denn nach wie vor ist sie als Nischenthema nur Wenigen bekannt – obwohl sie das Potenzial hat, einen Beitrag zur gesellschaftlichen Transformation zu leisten. Damit dies gelingt, braucht es Menschen, die sich auf Länder- und Bundesebene politisch dafür einsetzen. Eine Zusammenarbeit der Politikverantwortlichen in den Landwirtschafts- und Sozialministerien könnte der Sozialen Landwirtschaft einen entscheidenden Auftrieb geben.


Links und Literatur

Deutsche Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft: http://www.soziale-landwirtschaft.de   
EntSpinnerei – Die Projektbegleitung für Soziale Landwirtschaft: http://www.entspinnerei.de  
Bundesweites Netzwerk Soziale Landwirtschaft (Poster): http://www.soziale-landwirtschaft.de/netzwerke/uebersichtsposter-beraterinnen-soziale-landwirtschaft