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Die Diskussion um den Humusaufbau wird häufig auf sein Potenzial zur Kohlenstoffbindung reduziert. Tatsächlich ist die Rolle von Humus (s. Infokasten) jedoch deutlich umfassender: Humusreiche Böden weisen eine stabile Krümelstruktur auf, fördern die Infiltration von Niederschlägen und erhöhen die pflanzenverfügbare Wasserspeicherkapazität. In Zeiten zunehmender Witterungsextreme kann dies entscheidend sein, um Erträge zu stabilisieren.

Humus und Klimaschutz

Humus ist die abgestorbene organische Substanz im Boden und besteht zu rund 58 Prozent aus organischem Kohlenstoff pflanzlicher, tierischer und mikrobieller Herkunft. Landwirtschaftliche Böden in Deutschland enthalten rund 2,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in Form von Humus, was rund 48 Prozent der Kohlenstoffvorräte in Deutschland entspricht – und somit mehr als doppelt so viel wie in allen Wäldern des Landes.

Ackerböden weisen aufgrund ihrer Nutzungsänderung und -form tendenziell geringere Humusgehalte auf als Böden unter natürlicher Vegetation. Sie bieten damit ein großes Potenzial, mehr Kohlenstoff zu speichern. Auch die Bundesregierung erkennt dieses Potenzial an: Das aktuelle Klimaschutzprogramm 2030 beinhaltet die Förderung und den Erhalt von Humus als effektive Klimaschutzmaßnahme in der deutschen Landwirtschaft.

Individuell angepasste Maßnahmen

Gleichzeitig beeinflusst Humus die Nährstoffdynamik im Boden. Er fungiert als Speicher und Puffer für Nährstoffe, fördert die Bodenbiologie und verbessert die Durchwurzelbarkeit. Maßnahmen zum Humusaufbau wirken daher immer im Zusammenspiel mit Boden, Klima und Bewirtschaftungssystem – und genau darin liegt die Herausforderung: Pauschale Empfehlungen greifen oft zu kurz.

Für die landwirtschaftliche Praxis bedeutet dies, dass Maßnahmen standortangepasst und betriebsindividuell entwickelt werden müssen. Faktoren wie Fruchtfolge, Bodenart, Niederschlagsverteilung oder betriebliche Zielsetzungen bestimmen maßgeblich, ob und wie Humus aufgebaut oder zumindest erhalten werden kann.

Erkenntnisse aus Praxis und Forschung

Das HumusKlimaNetz (s. Infokasten) setzt an dieser Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis an. In dem bundesweiten Modell- und Demonstrationsvorhaben erproben rund 150 landwirtschaftliche Betriebe – je zur Hälfte ökologisch und konventionell wirtschaftend – Maßnahmen zum Humuserhalt und -aufbau unter realen Betriebsbedingungen.

Zentral ist dabei die wissenschaftliche Begleitung: Sie ermöglicht es, Effekte nicht nur zu beobachten, sondern systematisch einzuordnen. Gleichzeitig liefern die Betriebe wertvolle Erfahrungswerte darüber, wie sich Maßnahmen in den Arbeitsalltag integrieren lassen, welche Zielkonflikte auftreten und welche Anpassungen notwendig sind.

Der Mehrwert des Netzwerks entsteht aus dem Austausch zwischen Betrieben, Beratung und Wissenschaft. Formate wie Feldtage, Online-Fachveranstaltungen und der HumusKlimaTag tragen dazu bei, dieses Wissen zugänglich zu machen und kontinuierlich weiterzuentwickeln.

HumusKlimaNetz

Das HumusKlimaNetz ist ein Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Humusaufbau in Ackerböden. Bis zunächst Ende 2027 werden bundesweit auf 150 Betrieben – je zur Hälfte ökologisch und konventionell wirtschaftend – Maßnahmen zum Humusaufbau und -erhalt als Beitrag zum Klimaschutz erprobt und in die Breite getragen. Die Gesamtkoordination für das Vorhaben verantworten der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und der Deutsche Bauernverband (DBV). Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch das Thünen-Institut. Das HumusKlimaNetz wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert, Projektträgerin ist die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR).

Gezielte Fachinformationen

Mit dem HumusPraxisWissen erweitert das HumusKlimaNetz seine bisherigen Transferformate um spezifische Fachmaterialien. Ziel ist es, komplexe Zusammenhänge rund um Humusdynamik und Bodenfunktionen so aufzubereiten, dass sie in Ausbildung, Studium und Beratung unmittelbar nutzbar sind. Im Mittelpunkt stehen drei Elemente:

  • Praxismerkblätter, die zentrale Inhalte kompakt und verständlich zusammenfassen;
  • Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die konkrete Maßnahmen oder Tests direkt umsetzbar machen;
  • Entscheidungshilfen, die bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen unterstützen.

Ein wesentliches Merkmal ist die gemeinsame Entwicklung der Materialien: Beratende, Projektmitarbeitende und die wissenschaftliche Begleitforschung bringen ihre Perspektiven zusammen. So entsteht ein Format, das sowohl fachlich fundiert als auch praxisnah ist.

Für Lehrkräfte und Auszubildende bietet das HumusPraxisWissen die Möglichkeit, aktuelle Erkenntnisse aus einem laufenden Forschungs- und Praxisnetzwerk direkt in die Lehre zu integrieren. Gleichzeitig unterstützt es Betriebe und Beratende dabei, Entscheidungen fundierter zu treffen. Die ersten Fachinformationen stehen bereits auf der HumusKlimaNetz-Website zur Verfügung und werden stetig erweitert.

Bodenfunktionen sichtbar machen

Ein besonderer Schwerpunkt des HumusPraxisWissen liegt darauf, Bodenprozesse greifbar zu machen. Viele zentrale Funktionen – etwa biologische Aktivität oder Aggregatstabilität – sind nicht unmittelbar sichtbar, beeinflussen aber maßgeblich den Erfolg von Bewirtschaftungsmaßnahmen.

Praxisnahe Anleitungen ermöglichen es, diese Prozesse mit einfachen Mitteln zu erfassen. Damit wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch die Fähigkeit gefördert, Böden differenziert zu beurteilen und Entwicklungen im Zeitverlauf zu beobachten. Gerade für die Ausbildung eröffnet dies neue didaktische Ansätze: Lernende können theoretische Inhalte unmittelbar mit praktischen Beobachtungen verknüpfen und ein tieferes Verständnis für Boden als lebendiges System entwickeln.

Entscheidungshilfe Bodenbedeckung

Zwischenfrüchte und Untersaaten zählen zu den zentralen Maßnahmen im HumusKlimaNetz. Beide Ansätze tragen zur Bodenbedeckung bei, fördern das Bodenleben und können organische Substanz in den Boden einbringen. Gleichzeitig unterscheiden sie sich deutlich hinsichtlich Etablierung, Konkurrenzwirkung und Integration in die Fruchtfolge.

Die entwickelte Entscheidungshilfe führt systematisch durch die relevanten Faktoren – von Standortbedingungen über betriebliche Ziele bis hin zu arbeitswirtschaftlichen Aspekten. Ergänzt wird sie durch interaktive Unterstützungselemente (https://humus-klima-netz.de/entscheidungshilfe-zwischenfruechte-untersaaten/), die die Auswahl erleichtern und typische Zielkonflikte sichtbar machen (s. Abbildung).

Abbildung: Entscheidungshilfe Zwischenfrüchte/Untersaaten

Gesundheitsindikator Regenwurm

Regenwürmer gelten als Schlüsselorganismen im Boden. Sie verbessern die Durchlüftung, fördern die Krümelbildung und tragen zur Umsetzung organischer Substanz bei. Ihre Aktivität ist ein gut erfassbarer Indikator für die biologische Qualität eines Bodens.

Die Anleitung zum Regenwurmtest (https://www.humus-klima-netz.de/humuspraxiswissen_regenwurmtest/) zeigt, wie sich mit einfachen Mitteln die Regenwurmpopulation bestimmen lässt. Damit können Auswirkungen von Bewirtschaftungsmaßnahmen – etwa Bodenbearbeitung oder organische Düngung – sichtbar gemacht werden. Für Ausbildung und Beratung bietet der Test eine anschauliche Möglichkeit, Bodenbiologie greifbar zu vermitteln.