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Der Klimawandel verstärkt die bestehenden Herausforderungen für die Landwirtschaft, insbesondere durch häufiger auftretende Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hochwasser und Dürreperioden. Damit rückt die Fähigkeit der Böden, Wasser zu speichern, aufzunehmen und wieder abzugeben, noch stärker in den Fokus stabiler landwirtschaftlicher Produktionssysteme. Gleichzeitig sind viele Böden bereits durch Erosion, sinkende Bodenfruchtbarkeit und intensive Nutzung belastet, was die fortschreitende Bodendegradation weiter beschleunigt. Betroffen dabei ist das Bodenleben, insbesondere das Bodenmikrobiom, das Schlüsselfunktionen für Bodenstruktur, Nährstoffkreisläufe und damit auch für die Qualität landwirtschaftlicher Erzeugnisse übernimmt.

Bodensystem verstehen

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass ein tieferes Verständnis des Bodens als komplexes, lebendiges System eine zentrale Voraussetzung für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung darstellt. Genau hier zeigt sich jedoch eine strukturelle Lücke: Das notwendige Bodenwissen sowie das Verständnis der vielfältigen Wechselwirkungen im Boden sind in der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung bislang häufig nur unzureichend verankert.

Hier setzt die Weiterbildungsinitiative BODEN.BILDUNG der Bioland Stiftung an. Sie versteht sich als Impulsgeberin und entfaltet ihre Wirkung dort, wo sie einen konkreten Beitrag leisten kann: Sie unterstützt Landwirtinnen und Landwirte dabei, ihre Böden so zu bewirtschaften, dass Fruchtbarkeit und Bodengesundheit langfristig wachsen. Dabei werden keine Patentrezepte vermittelt. Stattdessen steht die Befähigung zur eigenständigen Beobachtung, Bewertung und Entscheidungsfindung im Mittelpunkt.

Grundlage hierfür sind sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch erprobte bäuerliche Praxis. Landwirtinnen und Landwirte werden so darin gestärkt, Zusammenhänge im Boden besser zu verstehen und eigene, standortspezifische Lösungen zu entwickeln. Der Ansatz richtet sich ausdrücklich an ökologisch als auch konventionell wirtschaftende landwirtschaftliche Betriebe und versteht diese als zentrale gestaltende Kräfte einer nachhaltigen Landwirtschaft.

Weiterbildung breit verankert

Die Weiterbildungsreihe „Bodenpraktiker“ ist seit über einem Jahrzehnt etabliert. Ursprünglich von BIO AUSTRIA entwickelt, wurde sie durch den Bioland Erzeugerring e. V. über viele Jahre in Bayern angeboten. Seit 2020 wird der „Bodenpraktiker“ im Rahmen der Initiative BODEN.BILDUNG in Kooperation mit regionalen Veranstaltungspartnern bundesweit durchgeführt – unter anderem mit den Bioland Landesverbänden, Landschaftspflegeverbänden, der Akademie der Maschinenringe oder dem Hopfenring e. V.

Ein zentrales Merkmal des Bildungsangebots ist seine konsequente Regionalisierung. Denn Boden ist immer vom Standort geprägt: Ausgangsgestein, Relief, Klima sowie die jeweilige Bewirtschaftungsgeschichte führen zu sehr unterschiedlichen Ausgangsbedingungen. Diese regionalen Unterschiede werden im Kurs gezielt aufgegriffen. An Demonstrationsbetrieben vor Ort oder auf den Betrieben der Teilnehmenden können konkrete Fragestellungen unmittelbar bearbeitet und Lösungen für spezifische Herausforderungen entwickelt werden.

Modularer Aufbau

Der „Bodenpraktiker“ vermittelt in vier aufeinander aufbauenden Modulen die fachlichen und praktischen Grundlagen für ein ganzheitliches und systemisches Verständnis von Boden:

  • Im Modul „Boden bewusst machen“ wird der Boden aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und die ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anforderungen an eine nachhaltige Bodennutzung beleuchtet.
  • Ausgehend von den kulturellen und gesellschaftlichen Dimensionen der Bodennutzung werden im Modul „Boden verstehen“ die naturwissenschaftlichen Grundlagen der physikalischen, chemischen und biologischen Prozesse im Boden vertieft.
  • Darauf aufbauend stehen im Modul „Boden bewirtschaften“ praxisorientierte Ansätze zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit im Fokus.
  • Im Modul „Boden entwickeln“ erarbeiten, erproben und reflektieren die Teilnehmenden eigene Maßnahmen zur nachhaltigen Bodenverbesserung und stellen ihre Ergebnisse am Ende der Weiterbildung vor.

Die Weiterbildung umfasst insgesamt neun Praxistage sowie ergänzende Online-Seminare, die je nach Schwerpunkt variieren. Sie wird von einer Kursleitung sowie Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Beratung und landwirtschaftlicher Praxis begleitet, die sich themenspezifisch in die jeweiligen Inhalte einbringen.

Ursprünglich wurde der „Bodenpraktiker“ für den Ackerbau entwickelt. Inzwischen existieren auch thematische Schwerpunkte, beispielsweise für Gemüse- und Hopfenanbau, um die spezifischen Anforderungen unterschiedlicher Kulturen gezielt zu berücksichtigen.

Ab Herbst 2026 wird ein neues, flexibles Bildungsformat angeboten: einen Grundkurs mit vier Praxistagen sowie zweitägige Aufbaukurse mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Während der Grundkurs die wichtigsten Grundlagen rund um den Boden vermittelt, können Landwirtinnen und Landwirte anschließend gezielt die Themen auswählen und vertiefen, die für ihren Betrieb aktuell im Fokus stehen – vom Wassermanagement bis zur Nährstoffversorgung.

Boden als Praxisraum

Ein fruchtbarer und widerstandsfähiger Boden entsteht nicht allein durch fachliches Wissen. Ebenso wichtig sind die Fähigkeiten zur genauen Beobachtung sowie ein geschultes Gespür. Deshalb stehen bei den Praxistagen das eigene praktische Tun und die direkte Auseinandersetzung mit dem Boden im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden lernen, Böden mit einfachen Methoden und Handwerkzeugen selbst zu beurteilen. Die unmittelbare Wahrnehmung des Bodens – durch Beobachten, Fühlen und Riechen – ergänzt dabei die fachliche Analyse und schärft den Blick für seine Eigenschaften und Prozesse.

Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für fundierte betriebliche Entscheidungen. Die einzelnen Praxistage greifen dabei unterschiedliche Stellschrauben der Bodenfruchtbarkeit auf – von der Fruchtfolgeplanung über die Bodenbearbeitung bis hin zur Düngung. Die Expertinnen und Experten aus den verschiedenen Bereichen begleiten die Praxistage und bringen ihre fachlichen und praktischen Erfahrungen ein. So entstehen wertvolle Einblicke, neue Perspektiven und ein lebendiger Austausch zwischen Praxis, Beratung und Forschung. Die gemeinsamen Praxiserfahrungen fördern nicht nur den Wissenstransfer, sondern auch die Vernetzung der Teilnehmenden. Die dabei entstehenden Kontakte bleiben häufig über die Kursdauer hinaus bestehen und sind eine wertvolle Grundlage für den weiteren fachlichen Austausch.

Hohe Qualität und Wirksamkeit

Im Rahmen von BODEN.BILDUNG wurden bereits 33 Bodenpraktiker-Kurse erfolgreich durchgeführt. Mehr als 600 Landwirtinnen und Landwirte aus elf Bundesländern sowie aus Österreich und der Schweiz wurden dabei zu Bodenpraktikerinnen und Bodenpraktikern ausgebildet.

Seit 2022 werden die Kurse regelmäßig evaluiert. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fließen direkt in die praxisnahe Weiterentwicklung des Programms ein und sichern zugleich dessen hohen Qualitätsanspruch. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Beschäftigte in der Landwirtschaft bestmöglich dabei unterstützt werden können, ihr Wissen in konkretes Handeln zu überführen und die Entwicklung ihrer Böden eigenverantwortlich und langfristig voranzutreiben.

Die Evaluation zeigt zudem eine hohe Wirksamkeit: Über 90 Prozent der Teilnehmenden geben an, durch die Kurse motiviert zu sein, ihre Bodenbewirtschaftung langfristig zu verändern und sich in der Umsetzung der damit verbundenen Heraus-forderungen gestärkt zu fühlen.

ÜBA-Lehrgang in Planung

Um die Ausbildung im Beruf Landwirtin/Landwirt im Themenfeld Boden zu stärken und Lehrkräfte zu entlasten, ist die Entwicklung eines einwöchigen Lehrgangs für die überbetriebliche Ausbildung (ÜBA) zu den Themen Bodenschutz und Boden-fruchtbarkeit geplant. Der Lehrgang soll Auszubildenden vermitteln, wie Böden als Produktionsgrundlage, Lebensraum sowie Klima- und Wasserspeicher funktionieren, wie ihr Zustand beurteilt werden kann und welche Maßnahmen zu einer nachhaltigen Bodenbewirtschaftung beitragen. Dabei werden fachliche Grundlagen mit praktischen Übungen zur Bodenbeurteilung sowie der Entwicklung betrieblicher Handlungsstrategien zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit verknüpft.

Neben der Wissensvermittlung steht auch – ähnlich wie im Weiterbildungskonzept des Bodenpraktikers – die unmittelbare Auseinandersetzung mit dem Boden im Mittelpunkt. Durch eigene Beobachtungen und praktische Erfahrungen sollen die Auszubildenden einen persönlichen Zugang zum Boden entwickeln und dessen Bedeutung für den langfristigen Betriebserfolg erkennen.

Der Lehrgang ist als Ergänzung der bestehenden Ausbildungsstrukturen konzipiert und soll sich nahtlos in die überbetriebliche Ausbildung integrieren. Ziel ist es, aktuelle Herausforderungen der landwirtschaftlichen Praxis aufzugreifen und Lehr-kräfte bei der Vermittlung eines Themenfeldes zu unterstützen, das für die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Damit aus dieser Idee ein bedarfsgerechtes und praxisnahes Bildungsangebot entsteht, sollen die Erfahrungen und Perspektiven von Lehrkräften, Ausbilderinnen und Ausbildern sowie weiteren Bildungsverantwortlichen frühzeitig einbezogen wer-den: Welche Formate haben sich bewährt? Wie kann das Angebot bestmöglich in bestehende Ausbildungsstrukturen integriert werden? Der Austausch mit allen, die ihre Anregungen in die Entwicklung des Lehrgangs einbringen möchten, ist ausdrücklich erwünscht.


Links

Bioland Stiftung: https://bioland-stiftung.org/ 

Weiterführende Informationen zur Initiative BODEN.BILDUNG (Weiterbildungsangebote und Möglichkeiten zur Partizipation): https://www.bodenbildung.org