Artikel herunterladen

pdf, 271 KB
Download

Auszubildende werben Auszubildende – was macht diesen Ansatz so attraktiv und welche Vorbereitungen sind notwendig, damit dieses Vorgehen Früchte trägt? Zunächst können sich Auszubildende sehr gut in die Situation der Schulabgänger und Schulabgängerinnen hineinversetzen: Sie sprechen buchstäblich deren Sprache. Damit besitzen Auszubildende ein hohes Identifikationspotenzial. Das senkt bei den Bewerberinnen und Bewerbern die Hemmschwelle für die Kontaktaufnahme zum Ausbildungsbetrieb. Persönliche Erfahrungsberichte von Auszubildenden werden als authentisch wahrgenommen und überzeugen mehr als die Aussagen in Werbematerialien des Ausbildungsbetriebes. Dies gilt auch für Eltern und Lehrkräfte, die sich ein Bild vom Ausbildungsbetrieb machen wollen. So kann bei allen Beteiligten aus allgemeiner Neugier schnell ein interessierter Kontakt werden.

Glaubwürdigkeit zählt

Für die Auszubildenden im Außenkontakt ergeben sich vielfältige Anlässe, um das Unternehmen aus ihrer Sicht vorzustellen: bei Ausbildungs- und Fachmessen, beim Tag der offenen Tür, bei Veranstaltungen mit Eltern oder auf verschiedenen Online-Plattformen. Das Publikum besteht dabei aus Schulabsolventen, Eltern und Lehrkräften. Bei diesen Formaten ist die Azubi-Perspektive besonders aussagekräftig, wenn es darum geht, Einblicke in den Ausbildungsverlauf zu geben, echte Geschichten zu erzählen und von authentischen Erfahrungen zu berichten. Dabei kommt es nicht darauf an, den Verlauf der Ausbildung und das Unternehmen als „perfekt“ darzustellen. Vielmehr trägt die Schilderung von schwierigen Situationen und deren Überwindung zur Glaubwürdigkeit bei und wirkt dadurch besonders überzeugend. Tabelle 1 zeigt Beispiele von Situationen aus dem Ausbildungsalltag, von denen Auszubildende berichten können, und die Wirkung auf die adressierten Zielgruppen.

Gute Vorbereitung wichtig

Die Nachwuchswerbung mit Unterstützung der Auszubildenden hat viele Vorteile, die sich allerdings nicht von allein entfalten. So können Auszubildende die Tragweite einzelner Aufgaben nicht überblicken, weil sie die Belange des Ausbildungsbetriebes noch nicht im Detail verstehen. Es gibt einiges zu beachten, damit die Auszubildenden ihre Botschafter-Rolle auch zielführend erfüllen können. Eine Laissez-faire-Haltung nach dem Motto „Die machen das schon...“ wäre daher kontraproduktiv.

Auszubildende benötigen vielmehr umfassende und konkrete Hilfestellung hinsichtlich ihres Auftretens, ihrer Kommunikation im Unternehmen und gegenüber Medien sowie ihres Umgangs mit rechtlichen Aspekten. Andernfalls kann ihr Einsatz eher Schaden anrichten als Nutzen stiften, wie die folgenden Beispiele veranschaulichen:

  • Auszubildende agieren im persönlichen Kontakt zu undifferenziert gegenüber unterschiedlichen Gesprächspersonen, beispielsweise durch unangemessene Sprache und saloppe Umgangsformen gegenüber Eltern und Lehrpersonal. Dies führt bei den Gesprächspartnern zu Verärgerung.
  • Auszubildende drücken bei öffentlichen Veranstaltungen durch ihre Körpersprache meist unbewusst Desinteresse aus. Dies kann das Vertrauen von Außenstehenden in den Ausbildungsbetrieb unterminieren.
  • Auszubildende machen leichtfertig Zusagen, die nicht zu erfüllen sind. Dies verursacht Missverständnisse und Enttäuschung.
  • Auszubildende geben unabsichtlich Firmeninterna weiter, ohne sich der Brisanz von Geschäftsgeheimnissen bewusst zu sein. Damit besteht ein hohes Risiko für wirtschaftliche Schäden.
  • Auszubildende erstellen Videomaterial für Social Media ohne Berücksichtigung von Persönlichkeitsrechten und verursachen damit Mehrarbeit, weil Videos verfremdet oder neu erstellt werden müssen.
  • Auszubildende denken nicht daran, Kontaktdaten und Gespräche für eine Nachverfolgung zu dokumentieren. So gehen wichtige Kontakte verloren.
  • Auszubildende vergessen, Anfragen an Dritte weiterzuleiten. Dies verursacht Verzögerung und Verärgerung.

Eine gute Vorbereitung vonseiten des Ausbildungsbetriebes ist also unverzichtbar. Diese Vorbereitung ruht auf den folgenden Säulen: Freiwilligkeit, Stärkenorientierung und Betreuungsaufwand.

Freiwilligkeit: Es kann vorkommen, dass sich Azubis der ihnen zugedachten Rolle im Azubi-Marketing (noch) nicht gewachsen fühlen. Dieser Wunsch sollte respektiert und die Beteiligung an der Nachwuchsgewinnung auf Freiwilligenbasis angeboten werden.

Stärkenorientierung: Auszubildende, die mitmachen wollen, sollten idealerweise ihren persönlichen Stärken entsprechend eingesetzt werden. Tabelle 2 zeigt hierzu eine beispielhafte Orientierung.

Betreuungsaufwand: Auszubildende möchten in dieser für sie ungewohnten Rolle ernst genommen werden und erwarten eine umfassende Betreuung sowie engmaschiges Feedback zur Ausübung der Rolle. Entsprechende Schulungsmaßnahmen sollten sich vorrangig mit den folgenden Themen beschäftigen:

  • Vermittlung der wichtigsten im Geschäftsleben üblichen Umgangsformen (verbale Ausdrucksweise, Wirkung von Körpersprache, Distanzzonen),
  • Sensibilisierung für die Schweigepflicht im Hinblick auf Unternehmensinterna und besonders auf Geschäftsgeheimnisse,
  • detaillierte Aufklärung über den Ablauf des Bewerbungsprozesses,
  • Briefing zu den Inhalten, welche im Kontakt mit den Bewerberinnen und Bewerbern besonders herausgestellt werden sollen.

Wertvolle Impulse

Mit Azubi-Power im Außenkontakt erhält die Nachwuchssicherung von Unternehmen wertvolle Impulse. Der Ausbildungsbetrieb stellt sich auf diese Weise als zeitgemäßes Unternehmen mit hoher Ausbildungsqualität dar. Auch nach innen gibt es positive Wirkungen. Souveränes Auftreten und soziale Kompetenzen der beauftragten Auszubildenden werden gefördert, denn:

  • sie treten als Teil eines Teams auf und erleben die Anforderungen, die an ihren Teamgeist gestellt werden.
  • sie trainieren ein angemessenes Kommunikationsverhalten im Außenkontakt.
  • sie werden sicherer im Umgang mit fremden Personen.
  • die Rolle als Botschafter beziehungsweise Botschafterin stärkt ihre Identifikation mit dem Ausbildungsbetrieb und verleiht einen Motivationsschub.