
Die gute Nachricht lautet: Bei der Generation Alpha sind keine bisher unbekannten Merkmale zu beobachten. Denn die künftigen Auszubildenden ähneln stark der vorangegangenen Generation Z, dabei haben sich allerdings einzelne Merkmale verstärkt. Also können sich Ausbildungsbetriebe entspannt auf die Generation Alpha vorbereiten und die bisherigen Erfahrungen mit der Generation Z als Fundament nutzen.
Eltern als Influencer
Gleichzeitig ist zu beobachten, dass sich der Einfluss der Eltern weiter erhöht. Die Eltern der künftigen Auszubildendengeneration Alpha gehören überwiegend der Generation Y an. Diese Generation hatte bereits vor zwei Jahrzehnten durch ihre Abkehr vom klassischen Karrieredenken Betriebe vor enorme Herausforderungen gestellt. Diese Werte werden nun von der Generation Alpha in noch deutlicherer Form und mit Unterstützung der Eltern eingefordert: Sinnhaftigkeit der Arbeit, Fairness und Transparenz im täglichen Umgang, Sicherheitsdenken in wirtschaftlicher Hinsicht sowie ethische Aspekte wie Klima- und Naturschutz. Ausbildungsbetriebe sollten sich also darauf einstellen, dass sich die Eltern grundsätzlich solidarisch mit ihren Kindern zeigen. So ist es essenziell, den Kontakt zu den Eltern von Anfang an zu pflegen. Tabelle 1 gibt hierzu Anregungen.

Typische Verhaltensmuster
Die ersten Angehörigen der Generation Alpha sind bereits in die duale Ausbildung gestartet. Was zeichnet diese Auszubildendengeneration aus? Der Blick auf typische Verhaltensmerkmale der Generation Alpha, die besonders auffällig zutage treten, erleichtert die tägliche Zusammenarbeit. Mit Generation Alpha kommen junge Menschen in die Ausbildung, die anders lernen, anders kommunizieren und anders motiviert werden müssen. Eigenschaften, die Vertreterinnen und Vertreter der GenA mitbringen, lassen sich in folgenden tierischen Kategorien zusammenfassen:
- sensibel wie die Schildkröte: Diese Auszubildenden sind durch die Erfahrungen und Erlebnisse der letzten Jahre mit Corona-Krise und wirtschaftlicher Unsicherheit sensibler geworden. Wie die Schildkröte, die sich bei Gefahr gern in ihren Panzer zurückzieht, reagieren diese Auszubildenden besonders empfindlich auf Aktionismus oder Stress. Spontane Planänderungen im Ausbildungsalltag werden als unangemessen und willkürlich empfunden. Dabei treten sie in anderen Situationen eher zurückhaltend und abwartend auf, was ihnen häufig Sympathiepunkte einbringt.
- ruhelos wie der Kolibri: Schnelle Lernfähigkeit und Kreativität zeichnen diese Auszubildenden aus. Damit sind sie die Idealbesetzung für Aufgaben, die neu und komplex sind. Allerdings ist bei diesen Auszubildenden die Ablenkbarkeit durch (digitale) Verlockungen besonders hoch, da sie über eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne verfügen. Besonders bei Routineaufgaben langweilen sie sich schnell. Wenn sie ihre Arbeit nicht stets als neu und herausfordernd empfinden, sinkt die Motivation und sie neigen dazu, Flüchtigkeitsfehler zu machen.
- anpassungsfähig wie der Oktopus: Hohe Digitalaffinität entwickeln diese Auszubildenden zur Meisterschaft. Wie der Oktopus, der in Sekundenschnelle seine Farbe ändern kann, gelingt es ihnen, technische Neuerungen mit schlafwandlerischer Sicherheit anzuwenden und intuitiv zu nutzen. Multitasking ist für diese Auszubildenden selbstverständlich. Doch so, wie der Oktopus außerhalb des Wassers verloren ist, verhalten sich diese Auszubildenden außerhalb der digitalen Welt häufig unbeholfen – besonders bei der analogen Kommunikation mit den Kollegen und Kolleginnen.
- anspruchsvoll wie die Siamkatze: Diese Auszubildenden wollen etwas erreichen und zeigen Ehrgeiz. Dabei verhalten sie sich selbstbewusst und fordernd: Sie bestehen bei der Arbeitsplatzgestaltung auf die neueste Technik. Für die Organisation ihrer täglichen Arbeitszeit oder von Urlaubstagen verlangen sie vom Arbeitgeber maximale Flexibilität. Das Privatleben hat stets Vorrang. Wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden, reagieren sie rasch mit Unverständnis und machen „Dienst nach Vorschrift“.
- gutgläubig wie der Graupapagei: Bei diesen Auszubildenden hält die digitale Kompetenz zumeist nicht mit der Technikaffinität Schritt. Die Auszubildenden sind beeindruckt von den Informationsquellen, die sich auf digitalem Weg bequem anzapfen lassen, und häufig die Anlaufstelle bei technischen Fragen zu Apps, Social Media oder Künstlicher Intelligenz. Sie versäumen es allerdings, Informationen zu hinterfragen und übernehmen Halbwissen, ohne es zu prüfen. Sie sind der Ansicht, man müsse sich theoretisches Wissen nicht mehr individuell aneignen, da es per Mausklick sofort und für alle verfügbar sei.
- nesthockend wie das Rotkehlchen: Diese Auszubildenden haben es sich in ihrem (Familien)-Nest bequem eingerichtet. Sie erwarten viel Aufmerksamkeit sowie eine durchgängige Betreuung und Einweisung mit kontinuierlichem Feedback. Wenn diese Bedürfnisse nicht im gewünschten Umfang erfüllt werden können, sehen sie darin mangelndes Interesse an ihrer Person. Kritik an ihrer Arbeit oder ihrem Verhalten interpretieren sie oft als einen persönlichen Angriff. Wenn sie allerdings die für sie notwendige Aufmerksamkeit erhalten, entwickeln sie sich und wachsen mit den Aufgaben.
- schwarmintelligent wie die Biene: So wie Bienen als Schwarm vernetzt miteinander kommunizieren und arbeiten, können diese Auszubildenden sich kooperativ auf jede Situation im Ausbildungsalltag einlassen. In der Teamarbeit fühlen sie sich am wohlsten. Sie behalten das Ziel einer Aufgabe im Auge und teilen dabei ihr Wissen. Diese Auszubildenden blühen auf, wenn sie im „Miteinander“ wirken können. Dagegen tun sie sich schwer darin, Aufgaben und Arbeitsaufträge, die sie allein abarbeiten sollen, sorgfältig und fristgerecht zu erledigen.
- wertebewusst wie der Wolf: Das Verhalten dieser Auszubildenden ähnelt dem eines Wolfes, der sich als Autorität innerhalb des Rudels versteht. So haben diese Auszubildenden ein starkes Bewusstsein für Werte, für Gerechtigkeit und für die Einhaltung von Regeln. Dafür setzen sie sich ein. So fungieren sie häufig auch als Initiatoren für Veränderungen. Dabei geschieht es allerdings auch, dass sie über das Ziel hinausschießen und mit ihrem Vorpreschen andere Personen verärgern.
- respektlos wie der Rauhaardackel: Diese Auszubildenden sind neugierig und begeisterungsfähig und immer auf der Suche nach dem Sinn. Aus ihm beziehen sie ihre Motivation. Anweisungen, Regeln und Abläufe werden stets detailliert hinterfragt, was für andere auch manchmal anstrengend sein kann. Da sie es gewohnt sind, mit ihren Eltern auf Augenhöhe zu kommunizieren, übertragen sie diese Kommunikationsweise auf den Ausbildungsalltag. Dabei legen sie wenig Wert auf Hierarchien und ecken auch leicht einmal an.
Individuelle Motivation
Für die Ausbildungsverantwortlichen in den Unternehmen kommt es darauf an, diese persönlichen Eigenschaften, die in der Gen Alpha vorkommen, zu verstehen und Ansprache und Motivation individuell anzupassen. Tabelle 2 zeigt, wie sie dabei vorgehen können. Die Angehörigen der Gen Alpha werden mit ihrer Technikaffinität, ihrer Neugier, ihrer Anpassungsfähigkeit und ihrem Wertekompass frischen Wind in die Arbeitswelt bringen. Davon profitiert der Ausbildungsbetrieb intern und extern.





