Ausbildung

Abschrift der Verordnung ├╝ber die Berufsausbildung zum Winzer/zur Winzerin

Vom 1. August 1997 (BGBl. I Nr. 8, S. 161)

pdf-Datei mit Verordnung und Ausbildungsrahmenplan (barrierefrei | 69 KB)

Auf Grund des ┬ž 25 des Berufsbildungsgesetzes vom 14. August 1969 (Bundesgesetzblatt I Seite 1112), der zuletzt durch ┬ž 24 Nr. 1 des Gesetzes vom 24. August 1976 (BGBl. I S. 2525) ge├Ąndert worden ist, in Verbindung mit Artikel 56 des Zust├Ąndigkeitsanpassungs-Gesetzes vom 18. M├Ąrz 1975 (BGBl. I S. 705) und dem Organisationserla├č vom 17. November 1994 (BGBl. I S. 3667) verordnet das Bundesministerium f├╝r Ern├Ąhrung, Landwirtschaft und Forsten im Einvernehmen mit dem Bundesministerium f├╝r Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie:

┬ž 1 Staatliche Anerkennung des Ausbildungsberufes

Der Ausbildungsberuf Winzer/Winzerin wird staatlich anerkannt.

┬ž 2 Ausbildungsdauer

(1) Die Ausbildung dauert drei Jahre.

(2) Auszubildende, denen der Besuch eines nach landesrechtlichen Vorschriften eingef├╝hrten schulischen Berufsgrundbildungsjahres nach einer Verordnung gem├Ą├č ┬ž 29 Abs. 1 des Berufsbildungsgesetzes als erstes Jahr der Berufsausbildung anzurechnen ist, beginnen die betriebliche Ausbildung im zweiten Ausbildungsjahr.

┬ž 3 Berufsfeldbreite Grundbildung und Zielsetzung der Berufsausbildung

(1) Die Ausbildung im ersten Ausbildungsjahr vermittelt eine berufsfeldbreite Grundbildung, wenn die betriebliche Ausbildung nach dieser Verordnung und die Ausbildung in der Berufsschule nach den landesrechtlichen Vorschriften ├╝ber das Berufsgrundbildungsjahr erfolgen.

(2) Die in dieser Verordnung genannten Fertigkeiten und Kenntnisse sollen so vermittelt werden, da├č der Auszubildende zur Aus├╝bung einer qualifizierten beruflichen T├Ątigkeit im Sinne des ┬ž 1 Abs. 2 des Berufsbildungsgesetzes bef├Ąhigt wird, die insbesondere selbst├Ąndiges Planen, Durchf├╝hren und Kontrollieren einschlie├čt. Diese Bef├Ąhigung ist auch in den Pr├╝fungen nach den ┬ž┬ž 8 und 9 nachzuweisen.

┬ž 4 Ausbildungsberufsbild

Gegenstand der Berufsausbildung sind mindestens die folgenden Fertigkeiten und Kenntnisse:

  1. der Ausbildungsbetrieb, betriebliche Zusammenh├Ąnge und Beziehungen,

    1. Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes,
    2. Berufsbildung,
    3. Mitgestalten sozialer Beziehungen,
    4. Arbeits- und Tarifrecht; Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit,
    5. Natur- und Umweltschutz; rationelle Energie- und Materialverwendung;

  2. Techniken und Organisation der betrieblichen Arbeit und Produktion,

    1. Wahrnehmen und Beurteilen von Vorg├Ąngen; Beschaffen und Auswerten von Informationen,
    2. Planen, Vorbereiten und Kontrollieren von Arbeitsabl├Ąufen und Produktion,
    3. Handhaben und Instandhalten von Maschinen, Ger├Ąten und Betriebseinrichtungen,
    4. Erstellen von Kalkulationen und Abwickeln von Gesch├Ąftsvorg├Ąngen;

  3. Traubenerzeugung,

    1. Bearbeiten und Pflegen des Bodens; Erhaltung einer nachhaltigen Bodenfruchtbarkeit,
    2. qualit├Ątsorientiertes und umweltschonendes Pflanzen, Pflegen und Nutzen von Reben;

  4. Kellerwirtschaft,

    1. oenologische Verfahren; qualit├Ątsorientiertes und umweltschonendes Bereiten von Wein,
    2. Grundlagen des Herstellens sonstiger Erzeugnisse aus Trauben und Wein;

  5. Vermarkten betrieblicher Erzeugnisse,

    1. Ausstatten und Verpacken,
    2. Beraten und Verkaufen.

┬ž 5 Ausbildungsrahmenplan

Die Fertigkeiten und Kenntnisse nach ┬ž 4 sollen nach der in den Anlagen I und II f├╝r die berufliche Grundbildung und f├╝r die berufliche Fachbildung enthaltenen Anleitung zur sachlichen und zeitlichen Gliederung der Berufsausbildung (Ausbildungsrahmenplan) vermittelt werden. Eine vom Ausbildungsrahmenplan innerhalb der beruflichen Grundbildung und innerhalb der beruflichen Fachbildung abweichende sachliche und zeitliche Gliederung des Ausbildungsinhaltes ist insbesondere zul├Ąssig, soweit betriebspraktische Besonderheiten die Abweichung erfordern.

┬ž 6 Ausbildungsplan

Der Ausbildende hat unter Zugrundelegung des Ausbildungsrahmenplanes f├╝r den Auszubildenden einen Ausbildungsplan zu erstellen.

┬ž 7 Berichtsheft

Der Auszubildende hat ein Berichtsheft in Form eines Ausbildungsnachweises zu f├╝hren. Ihm ist Gelegenheit zu geben, das Berichtsheft w├Ąhrend der Ausbildungszeit zu f├╝hren. Der Ausbildende hat das Berichtsheft regelm├Ą├čig durchzusehen.

┬ž 8 Zwischenpr├╝fung

(1) Zur Ermittlung des Ausbildungsstandes ist eine Zwischenpr├╝fung durchzuf├╝hren. Sie soll vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres stattfinden.

(2) Die Zwischenpr├╝fung erstreckt sich auf die in der Anlage I in Abschnitt I f├╝r das erste Ausbildungsjahr und in Abschnitt II unter den laufenden Nummern 3.1, 3.2 Buchstabe a, b, f, g und 4.1 Buchstabe a, b f├╝r das zweite Ausbildungsjahr aufgef├╝hrten Fertigkeiten und Kenntnisse sowie auf den im Berufsschulunterricht entsprechend dem Rahmenlehrplan zu vermittelnden Lehrstoff, soweit er f├╝r die Berufsausbildung wesentlich ist.

(3) Die Zwischenpr├╝fung ist praktisch und schriftlich durchzuf├╝hren.

(4) Der Pr├╝fling soll in der praktischen Pr├╝fung in insgesamt h├Âchstens drei Stunden drei Aufgaben durchf├╝hren und jeweils in einem Pr├╝fungsgespr├Ąch erl├Ąutern. Hierf├╝r kommen insbesondere in Betracht:

  1. Untersuchen und Beurteilen von Most,
  2. Behandeln von Most,
  3. Durchf├╝hren von Arbeiten am Rebstock,
  4. Einsatz, Verwendungszweck und Pflege von Werkzeugen und Werkstoffen,
  5. Einsatz, Pflege und Instandhalten von Maschinen, Ger├Ąten und Betriebseinrichtungen,
  6. Entnehmen von Bodenproben,
  7. Erl├Ąutern eines Bodenprofils und des Bodenaufbaus,
  8. Durchf├╝hren von Bodenbearbeitungsma├čnahmen.

Dabei sind Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit, Natur- und Umweltschutz, rationelle Energie- und Materialverwendung sowie die Techniken und Organisation der betrieblichen Arbeit und Produktion einzubeziehen.

(5) In der schriftlichen Pr├╝fung sind in h├Âchstens 90 Minuten Aufgaben, die sich auf praxisbezogene F├Ąlle beziehen sollen, insbesondere aus folgenden Gebieten zu bearbeiten:

  1. Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes,
  2. Berufsbildung,
  3. Natur- und Umweltschutz; rationelle Energie- und Materialverwendung,
  4. Bearbeiten und Pflegen des Bodens; Erhalten einer nachhaltigen Bodenfruchtbarkeit,
  5. qualit├Ątsorientiertes und umweltschonendes Pflanzen, Pflegen und Nutzen von Reben,
  6. qualit├Ątsorientiertes und umweltschonendes Bereiten von Wein.

┬ž 9 Abschlu├čpr├╝fung

(1) Die Abschlu├čpr├╝fung erstreckt sich auf die in der Anlage I aufgef├╝hrten Fertigkeiten und Kenntnisse sowie auf den im Berufsschulunterricht vermittelten Lehrstoff, soweit er f├╝r die Berufsausbildung wesentlich ist.

(2) Zum Nachweis der Fertigkeiten und Kenntnisse wird die Abschlu├čpr├╝fung in Form einer praktischen und einer schriftlichen Pr├╝fung durchgef├╝hrt.

(3) In der praktischen Pr├╝fung soll der Pr├╝fling zeigen, da├č er betriebliche Zusammenh├Ąnge versteht und die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse praxisbezogen anwenden und ├╝bertragen kann. In insgesamt h├Âchstens sieben Stunden soll er je eine Pr├╝fungsaufgabe aus der Traubenproduktion, der Kellerwirtschaft und der Vermarktung betrieblicher Erzeugnisse bearbeiten und jeweils in einem Pr├╝fungsgespr├Ąch erl├Ąutern. Dabei sind Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit, Natur- und Umweltschutz, rationelle Energie- und Materialverwendung sowie die Techniken und Organisation der betrieblichen Arbeit und Produktion einzubeziehen. F├╝r die Aufgaben kommen insbesondere in Betracht:

  1. in der Traubenproduktion:

    1. Bearbeiten und Pflegen des Bodens,
    2. qualit├Ątsorientiertes und umweltschonendes Pflanzen, Pflegen und Nutzen von Reben;

  2. in der Kellerwirtschaft:

    1. Durchf├╝hren oenologischer Verfahren,
    2. Behandeln und Ausbauen von Wein,
    3. Durchf├╝hren von Ma├čnahmen der Qualit├Ątssicherung,
    4. Abf├╝llen von Wein;

  3. in der Vermarktung betrieblicher Erzeugnisse:

    1. Ausstatten und Verpacken,
    2. sensorisches Bewerten von Wein,
    3. Beraten von Kunden und verkaufsf├Ârderndes Pr├Ąsentieren von Waren.

(4) Die schriftliche Pr├╝fung soll in den Pr├╝fungsf├Ąchern Traubenproduktion, Kellerwirtschaft sowie Wirtschafts- und Sozialkunde durchgef├╝hrt werden. Es kommen Fragen und Aufgaben, die sich auf praxisbezogene F├Ąlle beziehen sollen, insbesondere aus folgenden Gebieten in Betracht:

  1. im Pr├╝fungsfach Traubenproduktion:
    Bearbeiten und Pflegen des Bodens, Pflegen und Nutzen von Reben, Ermitteln und Bewerten von Leistungen und Kosten unter Einbeziehung von Natur- und Umweltschutz, rationelle Energie- und Materialverwendung sowie von Techniken und Organisation der betrieblichen Arbeit und Produktion;
  2. im Pr├╝fungsfach Kellerwirtschaft:
    oenologische Verfahren, qualit├Ątsorientiertes und umweltschonendes Bereiten von Wein, Grundlagen des Herstellens sonstiger Erzeugnisse aus Trauben und Wein, Ermitteln und Bewerten von Leistungen und Kosten unter Einbeziehung von rationeller Energie- und Materialverwendung sowie von Techniken und Organisation der betrieblichen Arbeit und Produktion;
  3. im Pr├╝fungsfach Wirtschafts- und Sozialkunde:
    allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenh├Ąnge der Berufs- und Arbeitswelt.

(5) F├╝r die schriftliche Pr├╝fung ist von folgenden zeitlichen H├Âchstwerten auszugehen:

  1. im Pr├╝fungsfach Traubenproduktion: 120 Minuten,
  2. im Pr├╝fungsfach Kellerwirtschaft: 120 Minuten,
  3. im Pr├╝fungsfach Wirtschafts- und Sozialkunde: 90 Minuten.

(6) Sind in der schriftlichen Pr├╝fung im Pr├╝fungsfach Wirtschafts- und Sozialkunde die Pr├╝fungsleistungen mit mangelhaft bewertet worden, so ist auf Antrag des Pr├╝flings oder nach Ermessen des Pr├╝fungsausschusses die schriftliche Pr├╝fung durch eine m├╝ndliche Pr├╝fung zu erg├Ąnzen, wenn diese f├╝r das Bestehen der Pr├╝fung den Ausschlag geben kann. Die schriftliche Pr├╝fung hat gegen├╝ber der m├╝ndlichen Pr├╝fung das doppelte Gewicht.

(7) Die praktischen und die schriftlichen Pr├╝fungsleistungen nach den Abs├Ątzen 3 und 4 sind f├╝r den Bereich Traubenproduktion und den Bereich Kellerwirtschaft zu je einer Note zusammenzufassen; dabei haben die praktischen gegen├╝ber den schriftlichen Pr├╝fungsleistungen jeweils das doppelte Gewicht.

(8) F├╝r die Ermittlung des Gesamtergebnisses sind die Pr├╝fungsleistungen wie folgt zu gewichten:

  • Bereich Traubenproduktion
    nach Absatz 7: 35 vom Hundert,
  • Bereich Kellerwirtschaft
    nach Absatz 7: 35 vom Hundert,
  • Bereich Vermarktung betrieblicher Erzeugnisse
    nach Absatz 3: 20 vom Hundert,
  • Pr├╝fungsfach Wirtschafts- und Sozialkunde
    nach Absatz 4: 10 vom Hundert.

(9) Die Pr├╝fung ist bestanden, wenn im Gesamtergebnis und in den drei Bereichen Traubenproduktion, Kellerwirtschaft und Vermarktung betrieblicher Erzeugnisse mindestens ausreichende Leistungen erbracht worden sind. Die Pr├╝fung ist nicht bestanden, wenn eine der Pr├╝fungsaufgaben in der praktischen Pr├╝fung oder eines der Pr├╝fungsf├Ącher in der schriftlichen Pr├╝fung mit ungen├╝gend bewertet worden ist.

┬ž 10 ├ťbergangsregelung

Auf Berufsausbildungsverh├Ąltnisse, die bei Inkrafttreten dieser Verordnung bestehen, sind die bisherigen Vorschriften weiter anzuwenden, es sei denn, die Vertragsparteien vereinbaren die Anwendung der Vorschriften dieser Verordnung.

┬ž 11 Inkrafttreten, Au├čerkrafttreten

(siehe Fu├čnote 2)

Diese Verordnung tritt am 1. August 1997 in Kraft.
Bonn, den 3. Februar 1997

Der Bundesminister f├╝r Ern├Ąhrung, Landwirtschaft und Forsten
Jochen Borchert

Fu├čnoten

1) Diese Verordnung ist eine Ausbildungsordnung im Sinne des ┬ž 25 des Berufsbildungsgesetzes. Die Ausbildungsordnung und der damit abgestimmte, von der St├Ąndigen Konferenz der Kultusminister der L├Ąnder der Bundesrepublik Deutschland beschlossene Rahmenlehrplan f├╝r die Berufsschule werden demn├Ąchst als Beilage zum Bundesanzeiger ver├Âffentlicht.

2) ┬ž 11: Fr├╝herer Satz 2 Aufhebungsvorschrift