Ausbildung

Abschrift der Verordnung ├╝ber die Berufsausbildung zum Milchtechnologen/zur Milchtechnologin (Milchtechnologenausbildungsverordnung; MilchTechAusbV)

Vom 9. April 2010 (BGBl. I S. 421)

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Auf Grund des ┬ž 4 Absatz 1 in Verbindung mit ┬ž 5 des Berufsbildungsgesetzes, von denen ┬ž 4 Absatz 1 durch Artikel 232 Nummer 1 der Verordnung vom 31. Oktober 2006 (BGBl. I S. 2407) ge├Ąndert worden ist, verordnet das Bundesministerium f├╝r Ern├Ąhrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Einvernehmen mit dem Bundesministerium f├╝r Bildung und Forschung:

┬ž 1 Staatliche Anerkennung des Ausbildungsberufes

Der Ausbildungsberuf Milchtechnologe/Milchtechnologin wird nach ┬ž 4 Absatz 1 des Berufsbildungsgesetzes staatlich anerkannt.

┬ž 2 Dauer der Berufsausbildung

Die Ausbildung dauert drei Jahre.

┬ž 3 Ausbildungsrahmenplan, Ausbildungsberufsbild

(1) Gegenstand der Berufsausbildung sind mindestens die im Ausbildungsrahmenplan (Anlage) aufgef├╝hrten Fertigkeiten, Kenntnisse und F├Ąhigkeiten (berufliche Handlungsf├Ąhigkeit). Eine von dem Ausbildungsrahmenplan abweichende Organisation der Ausbildung ist insbesondere zul├Ąssig, soweit betriebspraktische Besonderheiten die Abweichung erfordern.

(2) Die Berufsausbildung zum Milchtechnologen/zur Milchtechnologin gliedert sich wie folgt (Ausbildungsberufsbild):

Abschnitt A

Berufsprofilgebende Fertigkeiten, Kenntnisse und F├Ąhigkeiten:

  1. Vorbereiten von Arbeitsabl├Ąufen, Arbeiten im Team, Organisation,
  2. Qualit├Ątssicherungssysteme anwenden,
  3. Hygienema├čnahmen anwenden,
  4. Produktionsverfahren zur Behandlung von Lebensmitteln und Rohstoffen durchf├╝hren,
  5. Steuern und Regeln von Produktionsprozessen,
  6. Annehmen, Lagern und Abgeben von Erzeugnissen, Produkten und Materialien,
  7. Verpacken von Produkten,
  8. Informations- und Kommunikationstechniken anwenden;

Abschnitt B

Integrative Fertigkeiten, Kenntnisse und F├Ąhigkeiten:

  1. Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes,
  2. Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht,
  3. Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit,
  4. Umweltschutz.

┬ž 4 Durchf├╝hrung der Berufsausbildung

(1) Die in dieser Verordnung genannten Fertigkeiten, Kenntnisse und F├Ąhigkeiten sollen so vermittelt werden, dass die Auszubildenden zur Aus├╝bung einer qualifizierten beruflichen T├Ątigkeit im Sinne von ┬ž 1 Absatz 3 des Berufsbildungsgesetzes bef├Ąhigt werden, die insbesondere selbstst├Ąndiges Planen, Durchf├╝hren und Kontrollieren einschlie├čt. Diese Bef├Ąhigung ist auch in Pr├╝fungen nach den ┬ž┬ž 5 und 6 nachzuweisen.

(2) Die Ausbildenden haben unter Zugrundelegung des Ausbildungsrahmenplans f├╝r die Auszubildenden einen Ausbildungsplan zu erstellen.

(3) Die Auszubildenden haben jeweils einen schriftlichen Ausbildungsnachweis zu f├╝hren. Ihnen ist Gelegenheit zu geben, den schriftlichen Ausbildungsnachweis w├Ąhrend der Ausbildungszeit zu f├╝hren. Die Ausbildenden haben den schriftlichen Ausbildungsnachweis regelm├Ą├čig durchzusehen.

┬ž 5 Zwischenpr├╝fung

(1) Zur Ermittlung des Ausbildungsstandes ist eine Zwischenpr├╝fung durchzuf├╝hren. Sie soll vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres stattfinden.

(2) Die Zwischenpr├╝fung erstreckt sich auf die in der Anlage f├╝r die ersten drei Ausbildungshalbjahre aufgef├╝hrten Fertigkeiten, Kenntnisse und F├Ąhigkeiten sowie auf den im Berufsschulunterricht zu vermittelnden Lehrstoff, soweit er f├╝r die Berufsausbildung wesentlich ist.

(3) Die Zwischenpr├╝fung findet in den Pr├╝fungsbereichen

  1. Milchbehandlung und
  2. Produktionsabl├Ąufe

statt.

(4) F├╝r den Pr├╝fungsbereich Milchbehandlung bestehen folgende Vorgaben:

  1. Der Pr├╝fling soll nachweisen, dass er Verfahren zur Annahme und Reinigung, zur Erhitzung und Standardisierung, zur K├╝hlung und Lagerung von Milch unter Ber├╝cksichtigung der weiteren Verarbeitung beherrschen und dabei Ma├čnahmen zur Wirtschaftlichkeit und zur Arbeitsorganisation sowie Vorschriften zur Herstellung von Lebensmitteln, zur Hygiene, zum Umweltschutz, zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz bei der Arbeit ber├╝cksichtigen kann;

  2. der Pr├╝fling soll berufstypische Aufgaben schriftlich bearbeiten;

  3. die Pr├╝fungszeit betr├Ągt 120 Minuten.

(5) F├╝r den Pr├╝fungsbereich Produktionsabl├Ąufe bestehen folgende Vorgaben:

  1. Der Pr├╝fling soll nachweisen, dass er Produkte aus Milch herstellen und daf├╝r Roh-, Hilfs-, Zusatz- und Betriebsstoffe einsetzenannehmen, kontrollieren und produktspezifisch vorbereiten, Anlagen bedienen, Prozesse ├╝berwachen sowie die dazu notwendigen Dokumentationen f├╝hren und dabei Vorschriften zur Herstellung von Lebensmitteln, Ma├čnahmen zur Hygienesicherung, zur Arbeitsorganisation, zum Umweltschutz, zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz bei der Arbeit sowie zur Wirtschaftlichkeit ber├╝cksichtigen und seine Vorgehensweise begr├╝nden kann;

  2. hierf├╝r sind aus folgenden T├Ątigkeiten mindestens zwei auszuw├Ąhlen, wobei sich die T├Ątigkeit jeweils auf ein konkretes Produkt einschlie├člich Zwischenprodukte bezieht:

    • a) Herstellen von Konsummilch,
    • b) Herstellen von ges├Ąuerten Milcherzeugnissen,
    • c) Herstellen von Butter,
    • d) Herstellen von K├Ąse;

  3. der Pr├╝fling soll zwei Arbeitsproben durchf├╝hren und hier├╝ber jeweils ein situatives Fachgespr├Ąch f├╝hren;

  4. die Pr├╝fungszeit betr├Ągt insgesamt 180 Minuten; innerhalb dieser Zeit sollen die Fachgespr├Ąche insgesamt in h├Âchstens 20 Minuten durchgef├╝hrt werden.

┬ž 6 Abschlusspr├╝fung

(1) Durch die Abschlusspr├╝fung ist festzustellen, ob der Pr├╝fling die berufliche Handlungsf├Ąhigkeit erworben hat. In der Abschlusspr├╝fung soll der Pr├╝fling nachweisen, dass er die daf├╝r erforderlichen beruflichen Fertigkeiten beherrscht, die notwendigen beruflichen Kenntnisse und F├Ąhigkeiten besitzt und mit dem im Berufsschulunterricht zu vermittelnden, f├╝r die Berufsausbildung wesentlichen Lehrstoff vertraut ist. Die Ausbildungsordnung ist zugrunde zu legen.

(2) Die Abschlusspr├╝fung erstreckt sich auf die in der Anlage aufgef├╝hrten Fertigkeiten, Kenntnisse und F├Ąhigkeiten sowie auf den im Berufsschulunterricht zu vermittelnden Lehrstoff, soweit er f├╝r die Berufsausbildung wesentlich ist.

(3) Die Abschlusspr├╝fung besteht aus den Pr├╝fungsbereichen:

  1. Produktherstellung,
  2. Milchtechnologie,
  3. Wirtschafts- und Sozialkunde.

(4) F├╝r den Pr├╝fungsbereich Produktherstellung bestehen folgende Vorgaben:

  1. Der Pr├╝fling soll nachweisen, dass er Produkte aus Milch herstellen und daf├╝r

    • a) Roh-, Hilfs-, Zusatz- und Betriebsstoffe einsetzen,
    • b) Anlagen vorbereiten und in Betrieb nehmen,
    • c) Rezepturen umsetzen,
    • d) produktspezifische Untersuchungen bewerten und Ma├čnahmen ergreifen,
    • e) Prozesse ├╝berwachen und die dazu notwendigen Dokumentationen durchf├╝hren,
    • f) Anlagen umr├╝sten, reinigen und desinfizieren,
    • g) Qualit├Ątssicherungssysteme anwenden und dabei Vorschriften zur Herstellung von Lebensmitteln, der Hygiene, zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz bei der Arbeit, zum Umweltschutz sowie Vorgaben zur Wirtschaftlichkeit umsetzen kann;

  2. hierf├╝r sind aus folgenden T├Ątigkeiten mindestens zwei auszuw├Ąhlen, wobei sich die T├Ątigkeit jeweils auf ein konkretes Produkt einschlie├člich Zwischenprodukte bezieht:

    • a) Herstellen von Konsummilch,
    • b) Herstellen von Milcherzeugnissen,
    • c) Herstellen von Butter,
    • d) Herstellen von K├Ąse; bei der Auswahl einer der T├Ątigkeiten ist ein Produktionsschwerpunkt des Ausbildungsbetriebes zu ber├╝cksichtigen;

  3. der Pr├╝fling soll zwei Arbeitsaufgaben durchf├╝hren und hier├╝ber jeweils ein auftragsbezogenes Fachgespr├Ąch f├╝hren;

  4. die Pr├╝fungszeit f├╝r die Arbeitsaufgaben betr├Ągt jeweils 120 Minuten; innerhalb dieser Zeit soll das jeweilige Fachgespr├Ąch in h├Âchstens 15 Minuten durchgef├╝hrt werden.

(5) F├╝r den Pr├╝fungsbereich Milchtechnologie bestehen folgende Vorgaben:

  1. Der Pr├╝fling soll nachweisen, dass er

    • a) Arbeitsabl├Ąufe vorbereiten und organisieren,
    • b) Eins├Ątze von Maschinen und Anlagen unter Ber├╝cksichtigung ihres Aufbaus, ihrer Funktion und ihrer Wartungsintervalle f├╝r Produktionsabl├Ąufe planen,
    • c) Abl├Ąufe anhand von Flie├čschemata steuern, kontrollieren und Ma├čnahmen aufzeigen,
    • d) Qualit├Ątssicherungssysteme erl├Ąutern,
    • e) Verpackungsmaterialien lagern, beurteilen und ausw├Ąhlen,
    • f) Hygiene-, Reinigungs- und Desinfektionsma├čnahmen erl├Ąutern und dabei die Vorschriften zur Herstellung von Lebensmitteln, zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz bei der Arbeit und zum Umweltschutz anwenden und Vorgaben zur Wirtschaftlichkeit ber├╝cksichtigen kann;

  2. der Pr├╝fling soll berufstypische Aufgaben schriftlich bearbeiten;

  3. die Pr├╝fungszeit betr├Ągt 120 Minuten.

(6) F├╝r den Pr├╝fungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde bestehen folgende Vorgaben:

  1. Der Pr├╝fling soll nachweisen, dass er allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenh├Ąnge der Berufs- und Arbeitswelt darstellen und beurteilen kann;
  2. der Pr├╝fling soll praxisbezogene Aufgaben schriftlich bearbeiten;
  3. die Pr├╝fungszeit betr├Ągt 60 Minuten.

(7) Die einzelnen Pr├╝fungsbereiche sind wie folgt zu gewichten:

  1. Pr├╝fungsbereich Produktherstellung: 60 Prozent,
  2. Pr├╝fungsbereich Milchtechnologie: 30 Prozent,
  3. Pr├╝fungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde: 10 Prozent.

(8) Die Abschlusspr├╝fung ist bestanden, wenn die Leistungen

  1. im Gesamtergebnis mit mindestens "ausreichend",
  2. im Pr├╝fungsbereich "Produktherstellung" mit mindestens "ausreichend",
  3. in mindestens einem weiteren Pr├╝fungsbereich mit mindestens "ausreichend",
  4. in keinem Pr├╝fungsbereich mit "ungen├╝gend" bewertet worden sind.

(9) Auf Antrag des Pr├╝flings ist die Pr├╝fung in einem der mit schlechter als "ausreichend" bewerteten Pr├╝fungsbereiche, in denen Pr├╝fungsleistungen mit  eigener Anforderung und Gewichtung schriftlich zu erbringen sind, durch eine m├╝ndliche Pr├╝fung von etwa 15 Minuten zu erg├Ąnzen, wenn dies f├╝r das Bestehen der Pr├╝fung den Ausschlag geben kann. Bei der Ermittlung des Ergebnisses f├╝r diesen Pr├╝fungsbereich sind das bisherige Ergebnis und das Ergebnis der m├╝ndlichen Erg├Ąnzungspr├╝fung im Verh├Ąltnis von 2:1 zu gewichten.

┬ž 7 Bestehende Berufsausbildungsverh├Ąltnisse

Berufsausbildungsverh├Ąltnisse, die bei Inkrafttreten dieser Verordnung bestehen, k├Ânnen unter Anrechnung der bisher zur├╝ckgelegten Ausbildungszeit nach den Vorschriften dieser Verordnung fortgesetzt werden, wenn die Vertragsparteien dies vereinbaren.

┬ž 8 Inkrafttreten, Au├čerkrafttreten

Diese Verordnung tritt am 1. August 2010 in Kraft. Gleichzeitig tritt die Molkereifachmann-Ausbildungsverordnung vom 28. Februar 1991 (BGBl. I S. 513), die durch Artikel 74 des Gesetzes vom 13. April 2006 (BGBl. I S. 855) ge├Ąndert worden ist, au├čer Kraft.

Bonn, den 9. April 2010

Die Bundesministerin
f├╝r Ern├Ąhrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Ilse Aigner

Fu├čnote

Diese Rechtsverordnung ist eine Ausbildungsordnung im Sinne des ┬ž 4 des Berufsbildungsgesetzes. Die Ausbildungsordnung und der damit abgestimmte von der St├Ąndigen Konferenz der Kultusminister der L├Ąnder in der Bundesrepublik Deutschland beschlossene Rahmenlehrplan f├╝r die Berufsschule werden demn├Ąchst als Beilage im Bundesanzeiger ver├Âffentlicht.

Hinweise und Erl├Ąuterungen zur Umsetzung der Ausbildungsverordnung

Die "Hinweise und Erl├Ąuterungen zur Verordnung ├╝ber die Berufsausbildung zum Milchtechnologen/zur Milchtechnologin" sollen Ausbildern, Auszubildenden und zust├Ąndigen Stellen Hinweise und Hilfestellungen bei der Umsetzung der Ausbildungsordnung geben.

Die Erl├Ąuterungen wurden von Fachkr├Ąften des Gesamtverbandes der Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverb├Ąnde (vertreten durch den Zentralverband Deutscher Milchwirtschaftler), der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gastst├Ątten (NGG) und den zust├Ąndigen Stellen in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium f├╝r Ern├Ąhrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und dem Bundesinstitut f├╝r Berufsbildung (BiBB) erstellt.

Hinweise und Erl├Ąuterungen zur Verordnung ├╝ber die Berufsausbildung zum Milchtechnologen/zur Milchtechnologin (pdf-Datei / 2,2 MB barrierearm)