Ausbildung

Abschrift der Verordnung ├╝ber die Berufsausbildung zum Forstwirt/zur Forstwirtin

Vom 23. Januar 1998 (BGBl. I, Seite 206)

pdf-Datei mit Verordnung und Ausbildungsrahmenplan (barrierefrei | 126 KB)

Auf Grund des ┬ž 25 des Berufsbildungsgesetzes vom 14. August 1969 (BGBl. I S. 1112), der zuletzt gem├Ą├č Artikel 35 der Sechsten Zust├Ąndigkeitsanpassungs-Verordnung vom 21. September 1997 (BGBl. I S. 2390) ge├Ąndert worden ist, verordnet das Bundesministerium f├╝r Ern├Ąhrung, Landwirtschaft und Forsten im Einvernehmen mit dem Bundesministerium f├╝r Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie:

┬ž 1 Staatliche Anerkennung des Ausbildungsberufes

Der Ausbildungsberuf Forstwirt/Forstwirtin wird staatlich anerkannt.

┬ž 2 Ausbildungsdauer

(1) Die Ausbildung dauert drei Jahre.

(2) Auszubildende, denen der Besuch eines nach landesrechtlichen Vorschriften eingef├╝hrten schulischen Berufsgrundbildungsjahres nach einer Rechtsverordnung gem├Ą├č ┬ž 29 Abs. 1 des Berufsbildungsgesetzes als erstes Jahr der Berufsausbildung anzurechnen ist, beginnen die betriebliche Ausbildung im zweiten Ausbildungsjahr.

┬ž 3 Berufsfeldbreite Grundbildung und Zielsetzung der Berufsausbildung

(1) Die Ausbildung im ersten Ausbildungsjahr vermittelt eine berufsfeldbreite Grundbildung, wenn die betriebliche Ausbildung nach dieser Verordnung und die Ausbildung in der Berufsschule nach den landesrechtlichen Vorschriften ├╝ber das Berufsgrundbildungsjahr erfolgen.

(2) Die in dieser Verordnung genannten Fertigkeiten und Kenntnisse sollen so vermittelt werden, da├č der Auszubildende zur Aus├╝bung einer qualifizierten beruflichen T├Ątigkeit im Sinne des ┬ž 1 Abs. 2 des Berufsbildungsgesetzes bef├Ąhigt wird, die insbesondere selbst├Ąndiges Planen, Durchf├╝hren und Kontrollieren einschlie├čt. Diese Bef├Ąhigung ist auch in den Pr├╝fungen nach den ┬ž┬ž 8 und 9 nachzuweisen.

┬ž 4 Ausbildungsberufsbild

Gegenstand der Berufsausbildung sind mindestens die folgenden Fertigkeiten und Kenntnisse:

1. der Ausbildungsbetrieb, betriebliche Zusammenh├Ąnge und Beziehungen,
1.1 Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes,
1.2 Berufsbildung,
1.3 Arbeits-, Tarif- und Sozialrecht,
1.4 soziale Beziehungen,
1.5 Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit,
1.6 Umweltschutz;

2. Organisation und Abl├Ąufe betrieblicher Arbeit; wirtschaftliche Zusammenh├Ąnge,
2.1 Wahrnehmen und Beurteilen von Vorg├Ąngen; Beschaffen und Auswerten von Informationen,
2.2 Planen, Vorbereiten und Kontrollieren der Arbeiten,
2.3 Erfassen und Beurteilen betriebs- und marktwirtschaftlicher Zusammenh├Ąnge;

3. Waldbewirtschaftung, Forstproduktion,
3.1 Begr├╝nden und Verj├╝ngen von Waldbest├Ąnden,
3.2 Sch├╝tzen von Waldbest├Ąnden,
3.3 Erschlie├čen und Pflegen von Waldbest├Ąnden,
3.4 Jagdbetrieb;

4. Naturschutz und Landschaftspflege,
4.1 Erhalten, Sch├╝tzen und Entwickeln besonderer Lebensr├Ąume,
4.2 Anlegen und Pflegen von Schutz- und Erholungseinrichtungen;

5. Ernte und Aufbereitung von Forsterzeugnissen,
5.1 Ernten von Holz und anderen Forsterzeugnissen,
5.2 Sortieren und Vermessen von Holz,
5.3 Bringen und Lagern von Holz;

6. Forsttechnik,
6.1 Handhaben, Warten und Instandsetzen von Maschinen und Ger├Ąten,
6.2 Be- und Verarbeiten von Holz und anderen Werkstoffen.

┬ž 5 Ausbildungsrahmenplan

Die Fertigkeiten und Kenntnisse nach ┬ž 4 sollen nach der in den Anlagen I und II f├╝r die berufliche Grundbildung und f├╝r die berufliche Fachbildung enthaltenen Anleitung zur sachlichen und zeitlichen Gliederung der Berufsausbildung (Ausbildungsrahmenplan) vermittelt werden. Eine von dem Ausbildungsrahmenplan innerhalb der beruflichen Grundbildung und innerhalb der beruflichen Fachbildung abweichende sachliche und zeitliche Gliederung des Ausbildungsinhaltes ist insbesondere zul├Ąssig, soweit betriebspraktische Besonderheiten die Abweichung erfordern.

┬ž 6 Ausbildungsplan

Der Ausbildende hat unter Zugrundelegung des Ausbildungsrahmenplanes f├╝r den Auszubildenden einen Ausbildungsplan zu erstellen.

┬ž 7 Berichtsheft

Der Auszubildende hat ein Berichtsheft in Form eines Ausbildungsnachweises zu f├╝hren. Ihm ist Gelegenheit zu geben, das Berichtsheft w├Ąhrend der Ausbildungszeit zu f├╝hren. Der Ausbildende hat das Berichtsheft regelm├Ą├čig durchzusehen.

┬ž 8 Zwischenpr├╝fung

(1) Zur Ermittlung des Ausbildungsstandes ist eine Zwischenpr├╝fung durchzuf├╝hren. Sie soll vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres stattfinden.

(2) Die Zwischenpr├╝fung erstreckt sich auf die in der Anlage I in Abschnitt I f├╝r das erste Ausbildungsjahr und in Abschnitt II unter laufender Nummer 3.1 Buchstabe c, d und e, laufender Nummer 3.2 Buchstabe d, laufender Nummer 3.3 Buchstabe a, b und d, laufender Nummer 5.1 Buchstabe a und b, laufender Nummer 5.2 Buchstabe a und laufender Nummer 6.1 Buchstabe b f├╝r das zweite Ausbildungsjahr aufgef├╝hrten Fertigkeiten und Kenntnisse sowie auf den im Berufsschulunterricht entsprechend dem Rahmenlehrplan zu vermittelnden Lehrstoff, soweit er f├╝r die Berufsausbildung wesentlich ist.

(3) Die Zwischenpr├╝fung ist praktisch und schriftlich durchzuf├╝hren.

(4) Der Pr├╝fling soll in der praktischen Pr├╝fung in insgesamt h├Âchstens drei Stunden drei Aufgaben bearbeiten und jeweils in einem Pr├╝fungsgespr├Ąch erl├Ąutern. Hierf├╝r kommen insbesondere Ma├čnahmen aus folgenden Bereichen in Betracht:

1. Kulturpflege,
2. Jungbestandspflege,
3. Wert├Ąstung,
4. Schutz gegen Wildsch├Ąden,
5. Holzernte,
6. Wartung von Maschinen und Ger├Ąten,
7. Landschaftspflege.

Dabei sind Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, Umweltschutz sowie Organisation und Abl├Ąufe betrieblicher Arbeit mit einzubeziehen.

(5) In der schriftlichen Pr├╝fung sind in h├Âchstens 90 Minuten Aufgaben, die sich auf praxisbezogene F├Ąlle beziehen sollen, insbesondere aus folgenden Bereichen zu bearbeiten:

1. Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes,
2. Berufsbildung,
3. Umweltschutz,
4. Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit,
5. Waldbewirtschaftung, Forstproduktion,
6. anwendungsbezogene Berechnungen,
7. Maschinen, Ger├Ąte und Betriebseinrichtungen.

┬ž 9 Abschlu├čpr├╝fung

(1) Die Abschlu├čpr├╝fung erstreckt sich auf die in der Anlage I aufgef├╝hrten Fertigkeiten und Kenntnisse sowie auf den im Berufsschulunterricht vermittelten Lehrstoff, soweit er f├╝r die Berufsausbildung wesentlich ist. Sie wird praktisch und schriftlich durchgef├╝hrt.

(2) In der praktischen Pr├╝fung soll der Pr├╝fling zeigen, da├č er betriebliche Zusammenh├Ąnge versteht und die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse praxisbezogen anwenden und ├╝bertragen kann. In insgesamt h├Âchstens sechs Stunden soll er zwei Pr├╝fungsaufgaben aus der Waldwirtschaft und Landschaftspflege sowie eine Pr├╝fungsaufgabe aus der Holzernte und Forsttechnik bearbeiten und jeweils in einem Pr├╝fungsgespr├Ąch erl├Ąutern. Dabei sind Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, Umweltschutz sowie Organisation und Abl├Ąufe betrieblicher Arbeit und wirtschaftliche Zusammenh├Ąnge einzubeziehen.

1. In der Waldwirtschaft und Landschaftspflege sind insbesondere folgende Bereiche zu ber├╝cksichtigen:
a) Begr├╝nden und Verj├╝ngen von Waldbest├Ąnden,
b) Sch├╝tzen von Waldbest├Ąnden,
c) Erschlie├čen und Pflegen von Waldbest├Ąnden,
d) Erhalten, Sch├╝tzen und Pflegen besonderer Lebensr├Ąume.

2. In der Holzernte und Forsttechnik sind insbesondere folgende Bereiche zu ber├╝cksichtigen:
e) Hiebsvorbereitung,
f) Ernten, Vermessen und Sortieren von Holz,
g) Einsetzen von Maschinen, Ger├Ąten und Werkzeugen.

(3) Die schriftliche Pr├╝fung soll in den Pr├╝fungsf├Ąchern Waldwirtschaft und Landschaftspflege, Holzernte und Forsttechnik sowie Wirtschafts- und Sozialkunde durchgef├╝hrt werden. Es kommen Fragen und Aufgaben, die sich auf praxisbezogene F├Ąlle beziehen sollen, insbesondere aus folgenden Gebieten in Betracht:

1. im Pr├╝fungsfach Waldwirtschaft und Landschaftspflege:
a) Begr├╝nden und Verj├╝ngen von Waldbest├Ąnden,
b) Sch├╝tzen und Pflegen von Waldbest├Ąnden,
c) Erhalten, Sch├╝tzen und Entwickeln besonderer Lebensr├Ąume,
d) Anlegen und Pflegen von Schutz- und Erholungseinrichtungen,

dabei sind Umweltschutz sowie Organisation und Abl├Ąufe betrieblicher Arbeit und wirtschaftliche Zusammenh├Ąnge mit einzubeziehen;

2. im Pr├╝fungsfach Holzernte und Forsttechnik:
a) Ernten, Vermessen und Sortieren von Holz,
b) Bringen und Lagern von Holz,

dabei sind Umweltschutz sowie Organisation und Abl├Ąufe betrieblicher Arbeit und wirtschaftliche Zusammenh├Ąnge mit einzubeziehen;

3. im Pr├╝fungsfach Wirtschafts- und Sozialkunde:
allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenh├Ąnge der Berufs- und Arbeitswelt.

(4) F├╝r die schriftliche Pr├╝fung ist von folgenden zeitlichen H├Âchstwerten auszugehen:
1. im Pr├╝fungsfach Waldwirtschaft und Landschaftspflege: 120 Minuten,
2. im Pr├╝fungsfach Holzernte und Forsttechnik: 120 Minuten,
3. im Pr├╝fungsfach Wirtschafts- und Sozialkunde: 60 Minuten.

(5) Sind in der schriftlichen Pr├╝fung im Pr├╝fungsfach Wirtschafts- und Sozialkunde die Pr├╝fungsleistungen mit mangelhaft bewertet worden, so ist auf Antrag des Pr├╝flings oder nach Ermessen des Pr├╝fungsausschusses die schriftliche Pr├╝fung durch eine m├╝ndliche Pr├╝fung zu erg├Ąnzen, wenn diese f├╝r das Bestehen der Pr├╝fung den Ausschlag geben kann. Die schriftliche Pr├╝fung hat gegen├╝ber der m├╝ndlichen Pr├╝fung das doppelte Gewicht.

(6) Die praktischen und die schriftlichen Pr├╝fungsleistungen nach den Abs├Ątzen 2 und 3 sind f├╝r den Bereich Waldwirtschaft und Landschaftspflege und den Bereich Holzernte und Forsttechnik zu je einer Note zusammenzufassen; dabei haben die praktischen gegen├╝ber den schriftlichen Pr├╝fungsleistungen jeweils das doppelte Gewicht.

(7) F├╝r die Ermittlung des Gesamtergebnisses sind die Pr├╝fungsleistungen wie folgt zu gewichten:

  • Bereich Waldwirtschaft und Landschaftspflege nach Absatz 6: 45 vom Hundert,
  • Bereich Holzernte und Forsttechnik nach Absatz 6: 45 vom Hundert,
  • Pr├╝fungsfach Wirtschafts- und Sozialkunde nach Absatz 3: 10 vom Hundert.

(8) Die Pr├╝fung ist bestanden, wenn im Gesamtergebnis und in den beiden Bereichen Waldwirtschaft und Landschaftspflege sowie Holzernte und Forsttechnik mindestens ausreichende Leistungen erbracht worden sind. Die Pr├╝fung ist nicht bestanden, wenn eine der Pr├╝fungsaufgaben in der praktischen Pr├╝fung oder eines der Pr├╝fungsf├Ącher in der schriftlichen Pr├╝fung mit ungen├╝gend bewertet worden ist.

┬ž 10 ├ťbergangsregelungen

Auf Berufsausbildungsverh├Ąltnisse, die bei Inkrafttreten dieser Verordnung bestehen, sind die bisherigen Vorschriften weiter anzuwenden, es sei denn, die Vertragsparteien vereinbaren die Anwendung der Vorschriften dieser Verordnung.

┬ž 11 Inkrafttreten, Au├čerkrafttreten

Diese Verordnung tritt am 1. August 1998 in Kraft.

Bonn, den 23. Januar 1998

Der Bundesminister f├╝r Ern├Ąhrung, Landwirtschaft und Forsten

Jochen Borchert

Fu├čnoten

1) Diese Rechtsverordnung ist eine Ausbildungsordnung im Sinne des ┬ž 25 des Berufbildungsgesetzes. Die Ausbildungsordnung und der damit abgestimmte, von der St├Ąndigen Konferenz der Kultusminister der L├Ąnder in der Bundesrepublik Deutschland beschlossene Rahmenlehrplan f├╝r die Berufsschule werden demn├Ąchst als Beilage zum Bundesanzeiger ver├Âffentlicht.

2) ┬ž 11: Fr├╝herer Satz 2 Aufhebungsvorschrift