"Voneinander, miteinander lernen" war das Motto der diesjährigen Bundestagung Lernort Bauernhof, die vom 23. bis 25. Januar 2026 in Blossin stattfand. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof e.V. (BAGLoB) begrüßte rund 180 Fachkräfte aus Pädagogik und Landwirtschaft sowie weitere Interessierte aus ganz Deutschland sowie der Schweiz, Polen und Luxemburg in Brandenburg. Das gemeinsame Ziel: Landwirtschaft für alle erlebbar machen.

Veranstaltungsort der Tagung war das Jugendbildungszentrum Blossin, das seit vielen Jahren als Ort für Jugend- und Umweltbildung sowie außerschulisches Lernen in Brandenburg etabliert ist und in 2025 als Ort für Bildung für nachhaltige Entwicklung zertifiziert wurde. An drei Tagen wurde den Gästen ein volles Programm aus Vorträgen, Workshops und Vernetzungsmöglichkeiten geboten. Durch den Eröffnungsabend führten die BAGLoBVorstandsvorsitzenden Heike Delling und Dr. Malte Bickel, die unter der Fragestellung "Was kann der Lernort Bauernhof und was braucht der Lernort Bauernhof?" Akteurinnen und Akteure aus Politik und Praxis zu Wort kommen ließen.

Wertschätzung aus der Politik

Sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene stieß der Lernort Bauernhof auf große Wertschätzung. Hendrik Acker vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), lobte die BAGLoB als wichtigen Partner. Der Lernort Bauernhof mache grüne Berufe sichtbar und biete Kindern und Jugendlichen jenseits von Klischees authentische Einblicke, die bei der Berufswahl in diese Richtung besonders wichtig seien. "In einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten abstrakt geführt werden, schafft der Lernort Bauernhof etwas Konkretes und macht Zusammenhänge erlebbar", so Acker.

Kerstin Trick aus dem Referat Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) des Ministeriums für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MLEUV) bedankte sich ausdrücklich bei den Bauernhof-Lernorten und kündigte an, sie im Rahmen der BNE-Förderprogramme weiterhin bestmöglich zu unterstützen. 

Sabine Baum vom MLEUV wünscht sich, dass Besuche auf landwirtschaftlichen Betrieben ein fester Bestandteil der schulischen Bildung werden. Sie kündigte an, die Kooperation mit der BAGLoB - die erst vor zwei Jahren mit ihrer Geschäftsstelle nach Brandenburg gezogen ist - zu intensivieren, um gemeinsam mehr zu erreichen. Ein Qualifizierungsangebot für Bauernhofpädagogik in Brandenburg ist seitens der BAGLoB bereits in Planung.

Forderungen aus der Praxis

Währenddessen forderten die Praktikerinnen und Praktiker vom Lernort Bauernhof mehr verpflichtende Besuche und mehr Kooperationen mit Schulen. "Im Prinzip gibt es für jede Schule einen Hof, wir haben genug!", so Elisabeth Seiler vom Heuhüpfer e.V. in Niedersachsen. Auch eine bessere Finanzierung der wertvollen Bildungsarbeit ist dringend nötig. Diese ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt und oftmals reicht sie nicht aus, um die Betriebe für ihren Aufwand angemessen zu entlohnen. Auch alltagsnähere Lösungen werden gefordert, zum Beispiel wenn es um den Transport der Kinder zum Lernort geht, der für viele Schulen gerade im ländlichen Raum ein Problem darstellt.

Tagungsmotto: "Voneinander, miteinander lernen"

Das Motto der Tagung "Voneinander, miteinander lernen" war inspiriert durch das EU-geförderte Projekt "Grenzenlos Regional – Bio in Europa: Ökolandbau erleben und begreifen", das die BAGLoB als Kooperationspartner von Bioland durchführte. In zweieinhalb Jahren unterstützte die BAGLoB Biobetriebe dabei, Bildungskonzepte mit Fokus auf Bildung für nachhaltige Entwicklung und Biolandwirtschaft zu entwickeln und in Austauschrunden weiterzuentwickeln.

Lara Schütze vom Kudammhof in Adelheidsdorf in Niedersachsen stellte ihr Bildungskonzept "Essen ist politisch" auf der Tagung in einem Workshop vor. Aus dem Projekt hat sie einiges mitgenommen: "Es war eine wertvolle Erfahrung, das Konzept mit anderen zu teilen und zu merken, dass niemand einem etwas wegnimmt, sondern wir es zusammen noch besser machen können." Der intensive Austausch in der Gruppe hat sie geschult, ihr eigenes Bildungskonzept auf BNE-Kriterien zu prüfen. Jetzt gibt sie ihr Wissen gerne an andere Bauernhofpädagoginnen und -pädagogen weiter und macht ihnen Mut für die Umsetzung.

Lara Schütze ist froh, dass bei dem Projekt etwas Handfestes herausgekommen ist: Auf dem frei zugänglichen Bildungsserver der BAGLoB (https://bildungsserver.baglob.de/) stellen die Betriebe ihre Bildungskonzepte der Öffentlichkeit zur Verfügung und sind offen für Rückfragen und Austausch. Ziel ist es, den Bildungsserver stetig wachsen zu lassen und immer mehr Bildungskonzepte – ob bio oder konventionell - dort einzustellen.

Inspiration und Motivation fürs Lernen in der Landwirtschaft

Die vielfältigen Workshops, Vorträge - zum Beispiel zu Agroforst und anderen innovativen Konzepten in der Landwirtschaft - und die Vernetzungsmöglichkeiten inspirierten die Gäste und stärkten sie für ihre Arbeit – von Erstteilnehmenden bis zu langjährigen Fans der Bundestagung Lernort Bauernhof.

Vorstandsvorsitzende Heike Delling ist nach der Tagung höchst zufrieden: "Es hat sich wieder einmal gezeigt, wie viel Potenzial in unseren Strukturen bereits vorhanden ist: Wir haben tolle pädagogische Konzepte und viel Fachwissen. Die Kunst besteht darin, beides noch stärker miteinander zu verknüpfen – und weiterhin voneinander und miteinander zu lernen."

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof e.V. freut sich, im kommenden Jahr Kooperationen zu vertiefen und das Lernen in der Landwirtschaft voranzubringen. Die nächste Bundestagung Lernort Bauernhof findet vom 26.-28. Februar 2027 in Hesselberg in Bayern statt.