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Ovaler Tisch für Ausbildung: Fachkräftequalifizierung und -sicherung ist das Ziel
12.02.2010 Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz liegt bei der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsplätze auf Platz 5 im Ländervergleich.
„Fachkräftesicherung beginnt mit einer guten Bildung und Ausbildung. Bei dieser Zukunftsaufgabe ziehen Schulen, Wirtschaft und Arbeitsagenturen im Land an einem Strang”, betonte Ministerpräsident Kurt Beck heute beim ersten Treffen des Ovalen Tischs für Ausbildung in diesem Jahr. Daran nimmt regelmäßig auch die Landwirtschaftskammer teil und kann dabei auf die erhebliche Ausbildungsleistung der Betriebe in den 14 Grünen Berufen verweisen. Die ist auch im laufenden Ausbildungsjahr 2009/10 stabil, wenngleich der demographisch bedingte Rückgang der Absolventenzahlen mittlerweile auch hier spürbar wird. „Rheinland-Pfalz positioniert sich im guten vorderen Drittel der Länder bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Wir haben verabredet, dass wir mit Blick auf den künftigen Fachkräftebedarf die Berufsorientierung bei Jugendlichen und die frühzeitige Kenntnis betrieblicher Praxis eng verzahnen, um Ausbildungsplatzsuchende und -angebot zusammenzubringen”, sagte Beck.
In einer gemeinsamen Mitteilung von Landesregierung und beteiligten Kammern wird betont, dass Strategien zur Sicherung qualifizierter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die rheinland-pfälzischen Betriebe bei der Neuauflage der Vereinbarung „Rheinland-Pfalz für Ausbildung” im Sommer dieses Jahres im Zentrum stehen. Deshalb hätten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Ovalen Tischs darauf verständigt, sich stärker auch mit der Qualifizierung im Beruf zu befassen. „Wir setzen auf eine gute Erstausbildung. Aber im dann folgenden Berufsleben werden die Vertiefung und Erweiterung fachlicher Kenntnisse immer wichtiger. Dabei wollen wir Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die Betriebe im Land unterstützen.”
Der Ministerpräsident zeigte sich besonders erfreut, dass der Öffentliche Dienst im Land gegen den Trend seine Ausbildungsleistung gesteigert hat.
Bilanz Ausbildungsjahr 2008/2009
Die Bilanz für das Ausbildungsjahr 2008/2009 führt aufgrund des starken Rückgangs von Bewerberinnen und Bewerbern zu einem fast ausgeglichenen Ausbildungsmarkt. Bis Ende September 2009 waren bei den Agenturen für Arbeit 13 Prozent weniger Bewerberinnen und Bewerber gemeldet, die zum gleichen Zeitpunkt abgeschlossenen Ausbildungsverträge lagen sechs Prozent unter dem Vorjahr. Am 30. September 2009 waren 635 Jugendliche noch nicht in ein Ausbildungsverhältnis vermittelt oder hatten ein anderes Angebot zur Vorbereitung auf den Beruf erhalten. Ende Januar 2010 waren dies noch 328. Jeder dritte Jugendliche, der Ende September 2009 noch einen Ausbildungsplatz gesucht hat, konnte im Rahmen der Nachvermittlungsbörse „Chancengarantie” von Wirtschaftskammern und Arbeitsagenturen bis Ende Januar 2010 in eine Ausbildung oder andere Qualifizierung vermittelt werden. Insgesamt hat die Zahl der an der „Chancengarantie” teilnehmenden jungen Leute in den letzten Jahren stetig abgenommen.
Heidrun Schulz, Leiterin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, ist sich sicher, dass die Agenturen für Arbeit gemeinsam mit allen Partnern am Ausbildungsmarkt, auch in wirtschaftlich angespannter Lage, erfolgreich dazu beitragen können, dass alle ausbildungsfähigen und -willigen Jugendlichen ein Lehrstellenangebot erhalten. „Angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftebedarfes der Wirtschaft und aus Verantwortung für die jungen Menschen werden wir dem Übergang von der Schule in die duale Berufsausbildung weiterhin die gebotene Aufmerksamkeit schenken müssen. Der direkte Weg in die Berufsausbildung bleibt oberstes Ziel.”
Die rheinland-pfälzische Wirtschaft hat die Vereinbarung „Rheinland-Pfalz für Ausbildung” erfüllt. Ihre Zusage, jährlich 2.400 neue Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, hat sie mit fast 6.000 Plätzen bei weitem überboten. Das Ziel, jährlich 1.200 neue Ausbildungsbetriebe zu gewinnen, wurde mit mehr als 2.500 neuen Betrieben ebenfalls deutlich übererfüllt.
Die Industrie- und Handelskammern in Rheinland-Pfalz ziehen eine trotz Wirtschaftskrise positive Bilanz des Ausbildungsjahres 2009. „Die Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistungen halten ihr Ausbildungsengagement hoch und gehen aktiv gegen Mangel an Nachwuchskräften vor”, sagte IHK-Präsident Peter Adrian für die Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern Rheinland-Pfalz. „Vor allem im gewerblich-technischen Bereich fällt trotz einer Vielzahl offener Lehrstellen die Suche nach geeignetem Nachwuchs zunehmend schwer.” Während der Auftrag des ersten Ausbildungspaktes an die Wirtschaft gewesen sei, allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen jungen Leute einen Ausbildungsplatz anzubieten, stelle sich die Herausforderung heute umgekehrt: Können alle ausbildungsbereiten Betriebe genügend geeigneten Fach- und Führungskräftenachwuchs gewinnen. Deshalb komme der Rahmenvereinbarung zur Berufs- und Studienorientierung, die die Partner des Ovalen Tischs im Oktober 2009 geschlossen haben, eine Schlüsselrolle zu. Dies sollte als ein Schwerpunktthema in den neuen Pakt für Aus- und Weiterbildung aufgenommen werden.
Im Land absolvieren aktuell 2.080 Jugendliche eine Ausbildung in den 14 Grünen Berufen. „Die Zahlen sind relativ stabil”, so die Einschätzung von Landwirtschaftskammerpräsident Ökonomierat Norbert Schindler MdB. „Anzeichen des demographisch bedingten Rückgangs der Schulabgängerzahlen werden jedoch anhand der leicht gesunkenen Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge schon deutlich.” Die Kammer gehe davon aus, dass der bis 2025 prognostizierte Rückgang der Schülerzahl in der Altersklasse der 10- bis 15-Jährigen um über 20 Prozent in den Ausbildungsberufen mit einem traditionell hohen Anteil an Haupt- und Realschulabgängern zu spürbaren Einschnitten führen werde.
Brigitte Mannert, Präsidentin der Handwerkskammer der Pfalz, weist darauf hin, dass das rheinland-pfälzische Handwerk auch bei teilweise schwieriger Konjunkturlage sein Ausbildungsangebot stabil gehalten und damit erneut die Zusagen aus dem Ausbildungspakt mehr als erfüllt hat. Um mehr motivierte junge Menschen für eine Berufsausbildung im Handwerk und damit die dringend benötigten Fachkräfte von morgen zu gewinnen, engagiere sich das Handwerk in zahlreichen Initiativen zur Nachwuchsförderung, von regionaler Informations- und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zur aktuellen bundesweiten Kampagne "Das Handwerk - die Wirtschaftsmacht von nebenan”. „Gerade für leistungsstarke Schulabsolventen bietet das Handwerk über die Berufsausbildung und seine vielfältigen Weiterbildungsangebote gute Chancen, zu verantwortungsvollen Positionen in Unternehmen bis hin zur eigenen Selbständigkeit zu gelangen” erklärt Brigitte Mannert. Die vereinbarte Zusammenarbeit von Schulen, Wirtschaft und Arbeitsagenturen in der Berufsorientierung werde dazu beitragen, die Chancen und die Vielfalt der dualen Berufsausbildung besser in das Blickfeld der Schüler und Eltern zu rücken.
Wirtschaftsminister Hendrik Hering zeigte sich erfreut darüber, dass der Rückgang an eingetragenen Ausbildungsverträgen angesichts der Wirtschaftskrise deutlich moderater ausgefallen ist als zunächst erwartet. „Die Unternehmen haben sich offenbar ihrer Verantwortung gestellt und trotz Krisensituation weiter an ihren Ausbildungsmöglichkeiten festgehalten” sagte Hering. Die Problematik des Ausbildungsmarktes drehe sich jedoch zunehmend. Bereits heute zeige sich, dass Ausbildungsplätze vielfach angesichts der demographischen Entwicklung schwieriger zu besetzen sein werden. Die Fachkräfteproblematik werde damit immer weiter in den Vordergrund treten. Deshalb müssten das Berufswahlspektrum der Jugendlichen weiter aufgefächert und die Vermarktung einzelner bisher unbekannter Berufe verstärkt werden.
Die Stärkung der beruflichen Orientierung der Jugendlichen sieht auch Bildungsministerin Doris Ahnen als Schlüsselelement für die Gewinnung von Nachwuchskräften. „Die Fachkräftebasis wirksam zu sichern, ist ein Thema, das uns alle betrifft und an dem wir daher auch gemeinsam arbeiten werden”, sagte sie. Demografischer Wandel und damit auch die Frage, wie einem Mangel an Nachwuchsfachkräften auf allen Qualifizierungsstufen begegnet werden kann, seien Querschnittsaufgaben der Gesellschaft.
Auch Arbeitsministerin Malu Dreyer zeigt sich erfreut über die positive Bilanz des zurückliegenden Ausbildungsjahres. „Diese darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es immer noch Jugendliche gibt, die vergeblich nach einer Ausbildungsstelle gesucht haben. Wir dürfen in unserem Bemühen, jedem jungen Menschen Chancen aufzuzeigen, nicht nachlassen. Gerade angesichts rückläufiger Schulabgangszahlen wäre das unverantwortlich. Diese Zielsetzung werden wir auch in die neue Vereinbarung einbringen und gemeinsam mit unseren Partnern weiterverfolgen.” Als weiteren wichtigen Schwerpunkt für die Zukunft nannte Ministerin Dreyer die Stärkung der beruflichen Weiterbildung. „Sie ist für den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit der Menschen und der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Rheinland-Pfalz unerlässlich.”
"Nur Unternehmen, die am Markt erfolgreich sind, können auch dauerhaft erfolgreich Arbeitsplätze schaffen. Die aktuellen Zahlen vom Ausbildungsmarkt zeigen eindrucksvoll, wie groß die Entschlossenheit der Wirtschaft ist, trotz konjunktureller Krise in den Ausbildungsanstrengungen nicht nachzulassen”, bilanzierte der Präsident der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz, Gerhard F. Braun. „Aber die Wirtschaft stellt nicht nur Ausbildungsplätze zur Verfügung, sondern sie tut auch viel dafür, dass den jungen Menschen der Übergang in das Berufsleben möglichst reibungslos gelingt.” Eine herausragende Rolle spielten dabei die zahllosen Maßnahmen von SCHULE WIRTSCHAFT, die unter dem Dach der Unternehmerverbände seit mehr als 50 Jahren initiiert und durchgeführt werden.
Der Präsident des Landesverbandes der Freien Berufe, Edgar Wilk, unterstreicht die Ausbildungsleistung der Freien Berufe in Rheinland-Pfalz. „Die Freiberufler stellen mit 7,5 Prozent Anteil an allen neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in Rheinland-Pfalz den drittgrößten Ausbildungsmarkt des Landes. Trotz Wirtschafts- und Finanzkrise zeigten die Freiberufler damit ein vorbildliches Engagement bei der Ausbildung ihres Berufsnachwuchses.” Die Kosten der Ausbildung und damit finanzielle Aspekte spielten bei der Entscheidung für Ausbildung eine untergeordnete Rolle. Für die Praxis- und Kanzleiinhaber sei es wichtiger, dass sich Jugendliche bewerben, die die erforderlichen schulischen aber auch sozialen Kompetenzen mitbringen.
„Der Handel hat als einer der wichtigsten Ausbildungsbereiche wie in den letzten Jahren auch 2008/2009 Entscheidendes für das Gelingen des Ausbildungspaktes beigetragen”, resümiert Hanno Scherer, Hauptgeschäftsführer des rheinland-pfälzischen Einzelhandelsverbands. „Bisher war der Handel von der Krise weniger betroffen als andere Branchen. Deshalb rechnen wir 2010 mit der gleichen Zahl von Ausbildungsverträgen wie im Vorjahr. Dieses Ziel kann jedoch nur erreicht werden, wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung des Einzelhandels nicht verschlechtert.”








